Mit Netzen und Zäunen gegen den gefährlichen Steinschlag kämpfen

Nordracher Gneis zeigt sich stellenweise zerklüftet und liegt locker – Ortenaukreis investiert rund 450.000 Euro an K5354

Die Felssicherungsarbeiten zwischen Finkenzeller Hof und Maiersäge sind in vollem Gang. Drei Wochen in der Vollsperrung sind bereits geschafft. Zur Halbzeit trafen sich Simone Basler vom Straßenbauamt, Pirmin Huber von der Straßenmeisterei, Geologe Rüdiger Wunsch, Kreisrat Clemens Späth und Bürgermeister Carsten Erhardt vor Ort, um sich ein Bild über den Fortschritt der Arbeiten zu verschaffen. Rund 450.000 Euro investiert der Ortenaukreis an der K5354.

Geologe Rüdiger Wunsch begleitet die Maßnahme fachlich. In zwei der Bereiche sei Gefahr in Verzug gewesen, erläuterte der Experte. Am Finkenzeller Hof und an der Maiersäge. Dort musste so schnell wie möglich gehandelt werden. Weitere Stellen an dem Abschnitt der K5354 werden mittelfristig gegen Felsabgänge gesichert.

Die Tatsache, dass immer wieder Steine auf die Straße gefallen waren, veranlasste das Straßenbauamt im Ortenaukreis zum Handeln, bestätigte Simone Basler, Sachgebietsleiterin Betrieb und Unterhaltung. Dass bisher in Bereichen, in denen aktuell gearbeitet wird, noch kein Unfall passierte, war purer Zufall. Das Geröll liegt offensichtlich derart locker auf dem Untergrund, dass selbst größere Brocken ohne Hilfe von Geräten aus der Fläche geräumt werden konnten. Das beweist nicht zuletzt ein manuell abgetragener, großer Steinhaufen am Rande der Baustelle. »Ein Felsbrocken in Kindskopfgröße kann ohne Probleme ein Autodach durchschlagen«, ordnet Wunsch die Gefährdung ein. Jederzeit hätte ein Felsabgang passieren können.

Vor allem im Winter wächst die Gefahr, wenn Frost- und Tauwetter sich abwechseln, weiß der Fachmann. Wasser in den Fugen dehnt sich beim Gefrieren aus und besitzt genug Kraft, um das Gestein zu sprengen. Taut es, lockert sich das Material – und kann abrutschen. Ähnlich verhält es sich mit den Wurzeln von Bäumen. Auch sie entwickeln unfassbare Kräfte, die im Laufe der Jahre selbst harte Steine zum Bersten bringen.

Netz soll Fels halten

Was also tun? Das anstehende Gestein ist rissiger Nordrach-Gneis. Nachdem der Bewuchs an den Hängen und das lose Gestein entfernt wurde, wird der zerklüftete Fels mit eng anliegenden Netzen an den Hang gedrückt. Vor den Gefahren einer sich ebenfalls am Finkenzeller Hof befindlichen Geröllhalde wird der Verkehr künftig mit einem Zaun geschützt.

Um die Schutzeinrichtungen im Fels zu verankern, müssen von Mitarbeitern der Firma Sachtleben unzählige Löcher für mehr als zwei Meter lange Stahlnägel in den harten Gneis gebohrt werden. Im Bereich Finkenzeller Hof liegt das Nagelraster gerade mal bei etwa 2,5 x 2,5 Meter.

Vier Meter hoher High-Tec-Zaun

Auch an der Maiersäge wird ein Zaun gebaut. Dort geht die Gefahr von Geröll aus, das so instabil lagert, dass ein Steinschlag jederzeit durch anwechselndes Wild, Frost oder außergewöhnliche Wetterereignisse ausgelöst werden kann. Vier Meter hoch wird der Zaun an der Maiersäge sein. Er ist mit Seilbremsen und Stützen ausgestattet, die die Energie bei einem Steinschlag abfangen können – ein Hightec-System aus dem alpinen Bereich.

Mehraufwand durch mehr Fläche

All das dauert. In den veranschlagten sechs Wochen wird das Pensum nicht zu schaffen sein. Vor allem, weil sich während der Arbeiten herausgestellt hat, dass zusätzliche Flächen zu sichern sind. Teile der Baustelle bleiben also auch bis nach den Sommerferien erhalten. Allerdings werden die Arbeiten dann schon so weit gediehen sein, dass unter halbseitiger Sperrung weitergemacht werden kann. Der Verkehr wird einspurig per Ampelschaltung durchgeleitet. An der Maiersäge soll der Felssicherungszaun so errichtet werden, dass die Straße lediglich stundenweise voll gesperrt werden muss.

Freie Fahrt am Kilwi-Wochenende

Das Bestreben aller Beteiligten ist nach wie vor, die große, sechswöchige Vollsperrung für die Anlieger so erträglich wie möglich zu machen und die Beschränkung auf ein Minimum zu reduzieren. Dafür seien im Vorfeld viele Gespräche geführt worden, berichtete Simone Basler. Die Umleitung führt über Oberharmersbach und Schäfersfeld. Doch wenn an der Baustelle nicht gearbeitet wird, dürfen die Anlieger durchfahren. Unter der Woche ist das in der Regel von 19 bis 9 Uhr, am Wochenende ganztägig der Fall. Außerdem wird zwei Mal täglich zu abgemachten Zeiten die Baustelle soweit zurückgebaut, dass Fahrzeuge im Konvoi durchgeleitet werden können. Der Bus kann morgens und abends passieren.

Bürgermeister Carsten Erhardt weist darauf hin, dass während des kompletten Kilwi-Wochenendes die Durchfahrt ebenfalls frei sein wird. Auch am Kilwi-Montag. Er ist dankbar, dass zusammen mit Landkreis und Bauunternehmen eine solche Lösung gefunden werden konnte. Er zeigt sich zudem froh, dass so gut wie alle Bürger Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahme zeigen.

Sind die Felssicherungsarbeiten in allen Bereichen abgeschlossen, wird erst einmal Ruhe einkehren. Die verbauten Materialien sind so belastbar, dass sie mindestens 30, wahrscheinlich sogar 50 Jahre überdauern.

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