Holzkohle ist nicht nur zum Grillen gut

Einsatz auch in Medizin und Kosmetik – Zahnpasta und Seife zum Selbermachen

Was früher vor allem für die Herstellung von Metallen, insbesondere Eisen und Stahl, zum Einsatz kam, landet heutzutage in erster Linie unter dem heimischen Grillrost. Andrea Fahrion-Haas erzählt, welchen Stellenwert Holzkohle zudem als Hausmittel haben kann.

Der jüngst aufgebaute und abgebrannte Kohlemeiler hat Fahrion-Haas nach Nordrach gebracht, wo die besonders hochwertige Holzkohle nun von jedermann gekauft werden kann.

Die Heilpraktikerin aus Oberkirch nimmt eines der kleinen kohleschwarzen Stücke in die Hand: »Das war einmal ein Stück Holz, aber jetzt ist es unglaublich leicht«, erklärt sie: »Alles, was das Holz einmal ausgemacht hat, ist weg – bis auf den reinen Kohlenstoff. Der Rest ist im Meiler unter sehr begrenzter Luftzufuhr allmählich verbrannt, verpufft.«

Kohlenstoff besitzt die Fähigkeit, sehr komplexe Moleküle zu bilden, deshalb weist er von allen chemischen Elementen die größte Vielfalt an chemischen Verbindungen auf. Dies macht den Kohlenstoff und seine Verbindungen zur Grundlage irdischen Lebens.

Was die Holzkohle heutzutage fürs Grillen so beliebt macht ist ihre Eigenschaft, dass sie ohne Flamme (weil die flammenbildenden Gase bei der Verkohlung bereits entwichen sind) und ohne Schwefelausstoß brennt beziehungsweise glüht und dabei höhere Temperaturen erzeugt als Feuer.

Letzteres machte die Holzkohle seit dem Altertum für die Herstellung von Metallen unentbehrlich, insbesondere bei der Gewinnung von Eisen und Stahl. Als die abgeholzten Wälder für eine Rohstoffkrise sorgten, wurde die Holzkohle durch Koks und Steinkohle als Brennstoff in den Hochöfen ersetzt sowie generell zunehmend von den Energieträgern Strom und Gas verdrängt.

»Unglaublich große Oberfläche«

Das Entscheidende im Bereich Kosmetik, Haushalt und Chemie hingegen ist, dass die Kohle, wenn sie fein vermahlen ist, »eine unglaubliche große Oberfläche besitzt«, wie Fahrion-Haas erläutert. Wobei sich Holzkohle aufgrund der lockeren Struktur im Übrigen sehr einfach zu Pulver verarbeiten lässt – die leichte Zerreibbarkeit ermöglicht ihren Einsatz als Zeichenkohle. Die Kohlensubstanz selbst jedoch ist hart und daher ein gutes Poliermittel.

»Auch beim industriellen Einsatz von Kohle geht es in erster Linie immer um diese unfassbar große Oberfläche«, betont Fahrion-Haas und wartet mit einer erstaunlichen Verbildlichung auf: »Mit der Oberfläche eines Fingerhuts voll feinvermahlener Kohle kann man ein gesamtes Fußballfeld abdecken.«

Das Entscheidende an dieser riesigen Oberfläche wiederum ist, dass sie Stoffe binden kann. Giftstoffe und Wasser beispielsweise. »Das wunderbarste und beste Mittel bei Reisedurchfall oder bei einer kleinen Lebensmittelvergiftung ist schlicht und ergreifend Kohle«, betont die Heilpraktikerin mit der vorherigen Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin: »Es gibt keinen anderen Stoff, der Toxine so gut einfängt, bindet und ausleitet. Und Kohle können Bakterien überhaupt nicht leiden.« Was folgerichtig auch Durchfall auslösende Erreger im Magen-Darm Trakt betrifft.

Kohlekompretten

Nicht von ungefähr komme es daher, so Fahrion-Haas, dass die ältere Generation sich nur zu gut an Kohlekompretten erinnere, »die man früher in jedem Urlaub dabei hatte.« Auch wenn das gepress­te Kohlepulver grausig zu schlucken sei, zieht sie dessen Wirkung heutigen Medikamenten wie Immodium und Co. unbedingt vor. »Wenn man die Komprette gar nicht runterkriegt, kann man sie zerkleinern, in Wasser aufschlämmen und trinken.« Allerdings seien die Zähne anschließend nicht mehr strahlend weiß, sondern strahlend schwarz, lacht die Fachfrau.
Doch nicht nur verkohltes Holz besitzt eine heilsame Wirkung. »In Nordafrika beispielsweise nimmt man Kaffeebohnen und röstet sie bis zum Anschlag – bis sie carbonisiert sind, also nur noch aus Kohlenstoff bestehen.« Kaffeekohle sei in Nordafrika mit seinen weit verbreiteten Magen-Darm-Erkrankungen das Hausmittel schlechthin, weiß die Oberkircherin. Wenngleich auch dieses fürchterlich schmecke, »wie ein uralter Espresso dreimal aufgegossen«.

In Aquarien wiederum binden Kohlefilter Toxine, auch Filter zum Reinigen von Trinkwasser arbeiten mit Kohle. Neben festen und flüssigen Stoffen vermag Kohle zudem Gase zu binden. Also: Nichts wie ab in den Kühlschrank mit einem Stück zerkleinerter Holzkohle. Dann zum Beispiel, wenn man Fisch darin aufbewahrt hatte.

Hilfe für Küchenhände

Für »Küchenhände« hingegen schwört Fahrion-Haas auf Kohle-Seife. Dazu schreddert sie Kernseife im Mixer, überfettet sie der pflegenden Wirkung wegen mit beispielsweise Macadamia-Nussöl (fünf Gramm Öl auf 100 Gramm Kernseife), parfümiert das Ganze mit Lavendelöl und verarbeitet alles mit Kohlepulver und etwas Wasser zu einer knetbaren Masse. Aus der sie wie Granitsteine wirkende, hübsche Seifen­stücke formt, die mindestens zwei Wochen an der Luft trocknen müssen.

Wunderbar saubere Zähne erzielt man ob der leicht schmirgelnden Wirkung, wenn man ein- bis zweimal in der Woche selbsthergestellte Kohle-Zahnpasta verwendet: Dazu einfach eine milde Zahnpasta mit Kohlepulver und Minzöl vermengen.

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