»Das ist kein Hokuspokus«

Als Schamanin verbindet Myriam Ciampini Spiritualität mit Alltagstauglichkeit – Kräuter gehören dazu

»Schamanismus ist ja erst mal was, wo man denkt: Ohhh, was für ein Hokuspokus! Und da hat man manchmal nicht ganz unrecht, wenn man so sieht, wer da alles unterwegs ist«, weiß Myriam Ciampini. Ihr halbes Leben lang hat sie sich ausgebildet in dem, was ihr in die Wiege gelegt wurde.

Myriam Ciampini ist die Bodenständigkeit in Person. Sie ist staatlich anerkannte hauswirtschaftliche Betriebsleiterin mit Ausbildereignung. »Das siedelt sich im mittleren Management an«, erklärt die 45-Jährige, die als Selbstständige dereinst eine florierende Wirtschaft in Zell am Harmersbach führte. Die nach einer Scheidung und mit zwei kleinen Kindern wieder von Null anfing, sich die Küchen- und Hauswirtschaftsleitung in einem Seniorenheim erarbeitete. Die heutzutage als Objektleiterin für den Ortenaukreis tätig ist, als Chefin von bis zu 100 Reinigungskräften.

Myriam Ciampini ist überdies eine, die als Kind ganz oft »eine extreme Intuition erlebt und erspürt« hat, mit der sie aber nichts anfangen konnte. »Vorahnungen können Sie das nennen«, sagt sie heutzutage zu dem, was ihr damals selbstverständlich, Familie und Freunden teils jedoch lästig, wenn nicht gar unheimlich war. »Ich war die einzige, die bestimmte Dinge wahrgenommen hat und mir hat einfach niemand geglaubt.« Auf diese Unerklärlichkeiten hätte sie damals gerne Antworten gehabt. Antworten, die sie nicht bekam. Mit dem Ergebnis, dass sie ihre Wahrnehmungen nach Kräften zu verleugnen versuchte, »weil man als junger Mensch dazugehören will.«

Schwerstarbeit: Die Begabung annehmen

Schicksalsschläge brachten die ländlich tiefkatholisch Erzogene und lange Zeit in der Kirchengemeinde Aktive schließlich dazu, sich ihren außergewöhnlichen Wahrnehmungen zu stellen. Mit viel Schweiß und Blut lernte die gebürtige Nordracherin, das bislang aus Selbstschutz heraus Abgelehnte als Gabe zu sehen.

»Aber ich bin keine Wahrsagerin, keine Hellserin«, unterstreicht sie, die im Bereich der Spiritualität eine Vielzahl von Ausbildungen absolvierte. Sich selbst und die »riesengroße Szene« dabei stets mit dem aus ihrer Bodenständigkeit gespeisten Misstrauen beäugte, sich kein X für ein U vormachen ließ und noch immer nicht lässt.

Seriosität ist für sie das A und O. Dazu gehören Ehrlichkeit, Authentizität, gegenseitige Wertschätzung. »Und womit ich überhaupt nicht kann, das sind abgehobene Esoteriker«, betont die alles genau Durchleuchtende, der selbsternannte »Super-Geistheiler« und »Super-Schamane« ebenso ein Graus sind wie Leute, die zu rechtschaffenen Schamanen kommen, »bloß weil’s gerade hip ist.«

Einen ganzen Ordner füllen ihre Zeugnisse und Urkunden inzwischen. Anerkannte Geistheilerin nach den Richtlinien des Dachverbandes für geistiges Heilen ist sie. Und Reijki-Meisterin ist sie, »weil mich das interessiert hat: Was dahinter steht, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.« Und Hypnosetherapeutin ist sie. Und eine Ausbildung als Heilpraktiker für Psychotherapie hat sie absolviert, wenngleich ohne abgelegte Prüfung, »da ist mir meine Scheidung dazwischen gekommen.« Und: Hunna-Schamanin ist sie.

Von wegen Romantik

»Hunna ist die Psychologie im Schamanismus« erklärt die Frau mit dem ebenso sanften wie kämpferisch-forschenden Blick. Wobei diese Ausbildung immer mit Lebenserfahrung Hand in Hand gehe, wie sie erläutert, »man kann das nicht so abstrakt sehen: Ich gehe jetzt in die Schule und lerne was und kann das dann.« Vielmehr prüfe einen das Leben sofort: »Hab’ ich die Lektion verstanden? Das heißt: Du musst immer gleich umsetzen«, erklärt Myriam Ciampini den Weg eines tiefen langjährigen Erlebens, Erlernens, Erfahrens.

Ein Weg, der mit Hokuspokus ebensowenig zu tun hat wie mit Romantik. Ein Weg, den sie ursprünglich einzig für sich selbst ging, »um sich selbst zu heilen.« Ein Weg jedoch, auf dem sie lernte, dass jeder Schamane seine besondere Begabung hat. Und dass die ihre »im Heilerischen und auf dem Gebiet der Kräuter« liegt, wobei sich beides miteinander verknüpft.

Zugang über Pflanzen

Schon in der Kindheit habe sich ihre Heilerbegabung abgezeichnet, wenn sie anderen die Hände auflegte, »aber das bewertest du als Kind ja nicht, das ist spielerisch passiert«.

Und Kräuter – »die sind einfach begeisternd«, sagt die von klein auf Naturverbundene. Als Schamanin ist für sie alles beseelt, hat alles Energie. Dicht an dicht stehen die Töpfe auf ihrer Terrasse, mit an die hundert verschiedenen Pflanzen, leise klingt ein Windspiel. Im am Fels gebauten Elternhaus im hinteren Nordrachtal wohnt Myriam Ciampini. »Bei mir wächst alles«, schmunzelt sie, »und wenn ich das mickrigste Pflänzchen kriege«, auch eine uralte Badewanne hat sie hier draußen bepflanzt.

»Über Pflanzen finde ich oft auch den Zugang zu den Menschen – und die Menschen den Zugang zu mir über Pflanzen«, erzählt die Vielbewanderte, die nie stehen bleibt, »man lernt nie aus«. Die jedoch keinesfalls »missionieren« will, sondern Alltagstauglichkeit über alles stellt. Den Umgang mit Kräutern in allen erdenklichen Formen kann man bei ihr daher erlernen. Von der Bestimmung, Aufbewahrung und Anwendung über die Herstellung von beispielsweise Duftkissen, Salben, Räuchermischungen, Tees, Tinkturen, Wickeln und Weinauszügen bis hin zum Kochen, auch Kräuter-Smoothies stehen im Programm.

»Dabei lasse ich immer wieder schamanische Aspekte einfließen, aber ohne die Überschrift ›Schamanismus‹«, verdeutlicht sie. Schon das bewusste Erspüren, Erschmecken und Erriechen habe etwas Schamanisches: Wie gehe ich achtsam mit einer Pflanze um, was will sie mir sagen, was sehe ich, was nehme ich wahr, was rieche ich, was fühle ich, mit was verbinde ich das?

Sofern man sich dem denn widmen will. »Ich zwinge das, was ich in mir trage, niemandem auf«, betont die Heilerin. Ihre Tür sei offen – wenn man möchte, sei sie für einen da. »Aber wenn man rein praktisch arbeiten oder nur ein Rezept will, dann kriegt man auch nur ein Rezept.«

Kräuterworkshops

Am 29. März von 18 bis 21.30 Uhr startet ein erster, der nun bis in den Herbst hinein monatlich stattfindenden Kräuterworkshops mit Myriam Ciampini, zu jeweils unterschiedlichen Themen. Kosten: 33 Euro pro Person. Anmeldung bei der Touristen-Info Nordrach, Telefon 07838/9299-21, E-Mail: touristen-info@nordrach.de.

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