Biberacher Narrensome zu Besuch im Ortenberger Narrenmuseum

Den Kindern konnten viel Brauchtum, spannendes Wissen und die Vielfalt der Narren mit ihren vielen verschiedenen Requisiten vermittelt werden.

Nach der Fasentkampagne stand am vergangenen Samstag bei sommerlichen Temperaturen und blauem Himmel ein gemeinsamer Ausflug der Biberacher Narrensome vor der Tür. Dieses Mal ging es nach Ortenberg in das Narrenmuseum. Zur Einstimmung trällerten die Kinder vor Ort den Hästrägersong. Danach erfolgte aufgrund der großen Anzahl an Kindern eine Aufteilung in zwei 18er-Gruppen.

Während die eine Gruppe ein leckeres Eis in einer Eisdiele um die Ecke holte und sich danach auf dem neuen Spielplatz mit einem Wasserspiel, Bachverlauf und vielen Klettermöglichkeiten neben der Halle amüsierte, besuchte die andere Gruppe das Narrenmuseum. Danach wurde gewechselt.

Führung mit dem Narrenvogt

Im Museum erwarteten die Kinder viele beeindruckende Attraktionen. Gunther Seckinger, unser Narrenvogt, führte sie durch das ehemalige Schulhaus, das später in eine Lehrerwohnung und letztendlich zum heutigen Narrenmuseum umgebaut wurde. Das Museum eröffnete 2012 seine Türen. Zu Beginn durften sie in einer der Hauptattraktionen, der Requisitenkammer, auf den Bänken Platz nehmen. Hier war eine große Auswahl an Requisiten der Narren wie Saubloder, Streckschere, Rätsche, Klepper, Rasseln, Glocken, Schellen usw. ausgestellt.
Am Ende der Führung durften die Kinder diese selbstverständlich ausprobieren und kräftig Lärm machen. Mal schauen, ob es etwas gebracht hat und der Winter nun endgültig vertrieben wurde. Wir werden sehen, wie die Eisheiligen nächste Woche ausfallen.

207 Narrenmarionetten

Gründer des Narrenmuseums war Peter Scharte. Er erschuf in 25-jähriger, sehr aufwendiger Handarbeit 207 Narrenmarionetten aus dem gesamten süddeutschen Raum. Ein Erbe, das unbezahlbar ist, denn er fertigte sie mit sehr viel Liebe zum Detail und Herzblut an. Leider ist er vor zwei Jahren verstorben, und es gibt keinen Nachfolger mehr, der in der Lage ist, solche kleinen Marionetten weiterzubauen.

Als Erstes ging es dann auf Entdeckertour: Wer findet in der Vielzahl an Narrenmarionetten am schnellsten das Biberacher Wappentier, den Biber? Es dauerte nicht lange, denn die Kinder erkannten ziemlich schnell ihre eigene Narrenfigur und viele weitere Bekannte. In einem weiteren Raum durften zusätzliche Requisiten wie Rätschen, Teufelsstab, Stock mit Pferdehaaren und viele weitere ausprobiert und – ganz wichtig – angefasst werden.

Im nächsten Raum versteckte sich eine weitere Attraktion des Museums: die Schnitzerecke, in der Wolfgang Vollmer an bestimmten Tagen Livevorführungen anbietet. Hier werden aus Lindenholz Holzmasken einzelner Zünfte nachgeschnitzt. Als Vorlage dient eine Originalmaske, die vorübergehend ausgeliehen wird. Die einzelnen Schritte bis zur fertigen Larve konnten von den Kindern bestaunt werden. Für eine einfache Maske benötigt Wolfgang etwa zwei Wochen bei einer täglichen Arbeitszeit von vier Stunden. „Kein Wunder, dass die Holzmasken so teuer sind“, meinte ein Kind (400 bis 500 Euro für eine einfache Holzlarve; aufwendigere mit Klappfunktionen können schnell mehrere tausend Euro kosten). Ein anderes Kind ergänzte: „Da steckt ja auch sehr viel Handarbeit drin.“ Mal schauen, wie die Kinder später auf ihre eigene Maske aufpassen werden.

Im Flur entdeckten die Kinder im Vorbeilaufen eine Wand voller 700 Minimasken zum Umhängen. „Schöne Tapete“, flüsterte ein Kind. Beeindruckend war sie auf jeden Fall. Zurück im Requisitenraum durften die Kinder, die noch wollten, die riesigen Pappmaché-Masken aufziehen und nochmals mit den Requisiten Lärm machen. Zum Abschluss der Führung testete Gunther noch die Gizigrufe unseres Narrensomes. Sie waren erfolgreich, denn jedes Kind bekam zur Belohnung eine süße Leckerei.

Die einstündige Führung von Gunther war richtig klasse. Den Kindern konnten viel Brauchtum, spannendes Wissen und die Vielfalt der Narren mit ihren vielen verschiedenen Requisiten vermittelt werden. Vielen Dank für diesen einzigartigen Einblick – sie kommen definitiv wieder.

Falls jemand ebenfalls das Narrenmuseum besuchen möchte: Das Museum in Ortenberg hat jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet, außer im Juli und
August. Der Besuch lohnt sich definitiv und ist auch für Familien sehr empfehlenswert.

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