Parkplatz bei Biberach ist beispielhaft

Ortenaukreis gewinnt zum zweiten Mal die »Goldene Wildbiene« - So kann Artenschutz gelingen

Der Ortenaukreis zeigt mit dem insektenfreundlich gestalteten östlichen Parkplatz an der B33 zwischen Biberach und Gengenbach zum zweiten Mal beispielhaft, wie Artenschutz vor Ort gelingt. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg zeichnete dieses Engagement jetzt im Rahmen des Wettbewerbs »Blühende Verkehrsinseln« mit der Goldenen Wild­biene aus.

Wo vorher nur eine Grün­fläche war, sprießen heute bunte Wildblumen. Das erfreut nicht nur die Betrachtenden: die neue Blühfläche dient vor allem Insekten als Lebensgrundlage. Wildbienen, Schmetterlinge und Co. finden in den heimischen Pflanzen wichtigen Nektar und einen Nistplatz. Die farbenprächtige Fläche kommt ohne Pestizide aus und ist zum Hingucker für Pausierende und Vorbeifahrende geworden.

»Ich freue mich sehr, dass unser Engagement für Klimaschutz und Artenvielfalt nun schon zum zweiten Mal landesweit als Leuchtturmbeispiel gilt«, betont Landrat Frank Scherer und dankt den Kolleginnen und Kollegen des Straßenbauamtes, die »in Team- und Fleißarbeit dieses Bienenparadies geschaffen haben«. »Täglich achten meine Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Arbeit auf die ökologische Pflege und Anlage der Grünflächen, um die Artenvielfalt entlang der Straßen bestmöglich zu erhöhen«, so der Landrat. Bereits seit 2007 würden alle neu angelegten Banketten mit gebietsheimischem Saatgut angesät. Selbst an unerwarteten Standorten könne man so Lebensräume für Bienen schaffen, so Scherer.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei Haslach hatten die Grünflächen des Parkplatzes mit gebietsheimischer, nektarreicher Wiesensaat angesät, Kopfweiden-Stecklinge gepflanzt, ein Insektenhotel aufgebaut und Frühblüher-Sträucher eingepflanzt.

Kopfweide gehört zum alten Kulturgut

»Die Kopfweide gehört zum alten Kulturgut des Kinzigtals und war von großer Bedeutung bei der Herstellung von Korbwaren«, erklärt Simone Basler, stellvertretende Leiterin des Straßenbauamts. Doch der Baum trage auch zur Artenerhaltung und Artenvielfalt bei, da in seinen Höhlen und Spalten viele höhlenbrütende Vogelarten, aber auch Insekten ein Zuhause finden. Gebietsheimische, sogenannte autochthone Gehölze, die gut an die Umweltbedingungen und den Naturraum in unserer Region angepasst sind und von Bestäubern und nektarsammelnden Insekten genutzt werden, sowie die angelegten Benjes- oder auch Totholzhecken, die einen wichtigen Lebensraum für Insekten, Igel oder Vögel darstellen, seien laut Basler ein weiterer Beitrag zum Natur- und Artenschutz.

»Das rustikale Insektenhotel auf dem Parkplatz sieht nicht nur super aus, sondern ist auch eine wichtige Insektenschutzmaßnahme«, so die Expertin. Es diene als Nisthilfe und Unterschlupf für Insekten. Hier könne sich der Nachwuchs von Wildbienen, Wespen, aber etwa auch von Schmetterlingen in Ruhe entwickeln. Hinzu kommen Sandhaufen, die als weitere Nisthilfen und für das »Sandbad« von Vögeln dienen. Nicht zuletzt habe man Steinholz als Rückzugsort und Aufwärmplatz für Reptilien auf der Fläche verteilt.

Umgestaltung überzeugte die Fachjury

Die Umgestaltung überzeugte die Fachjury des Wettbewerbs »Blühende Verkehrsinseln«, die die insektenfreundliche Fläche nun als einen der Gewinner kürte. Die Goldene Wildbiene wird Anfang Oktober während einer kleinen Feierstunde in Form eines Schildes auf den Parkplatz bei Biberach aufgestellt. So wird das Engagement für den Insektenschutz dauerhaft sichtbar bleiben.

Die Jury des Wettbewerbs, der dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet, setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg, des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg und des BUND Baden-Württemberg zusammen. Bewertet wurden unter anderem die verwendete Saatgutmischung und die fachliche Expertise des Konzepts.

Hintergrund

Der natürliche Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten wird immer knapper. Rund 42 Prozent der heimischen Insektenarten sind in ihrem Bestand stark reduziert oder vom Aussterben bedroht. Dabei sind sie für unsere Lebensräume unersetzlich: Sie bestäuben Blüten, bekämpfen Schädlinge und tragen zur Fruchtbarkeit der Böden bei. Der Rückgang der Insekten hat auf den Menschen und die Umwelt extrem negative Auswirkungen. Mit dem Wettbewerb Blühende Verkehrsinseln prämiert das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg Rastplätze, Kreisverkehre und sonstige straßenbegleitende Flächen, die mit strukturreichen Blühflächen ausgestattet sind und so zu wichtigen Nahrungsquellen und Lebensräumen für Insekten werden.

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