Die Konradskapelle auf dem offenen Felsvorsprung oberhalb der B33 ist ein liebevoll gehegtes Kleinod. Und: Von hier hat man einen wundervollen Ausblick in das Kinzigtal mit Biberach, das sich alljährlich – zur Adventszeit – in ein »Kerzendorf« verwandelt.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-BialyEine dieser mithilfe von Drahtgestellen stilisierten Kerzen ist von weithin sichtbar – mit ihrem leuchtenden Rot grüßt sie tagsüber vom Standort der Kapelle auf dem Sturmbühl hinunter ins Tal. Und mit der einsetzenden Abenddämmerung setzt ihr warmes Licht einen Leuchtpunkt in die Dunkelheit, dank einer eigens verlegten Stromleitung.
Mindestens einmal in der Woche kommt Alfons Büdel hier herauf, um nach dem Rechten in- und außerhalb der Kapelle zu schauen. Da er in der Nähe ein Wiesenstück gepachtet hat, erklärte er sich vor 32 Jahren bereit, die Patenschaft für das kleine Bauwerk zu übernehmen.
Doch sein Tun ging weit über das reine Betreuen hinaus: Gemeinsam mit vielen Helfern hat er die Kapelle über die Jahre hinweg in Stand gesetzt, mithilfe von Spenden und in ehrenamtlicher Eigenarbeit. »Zu Anfang haben wir alles trockengelegt, 1987/88 haben wir dann die ersten größeren Reparaturen gemacht, weil innen drin alles verschimmelt war«, erzählt der inzwischen 76-Jährige von der Nässe, die dem 1935 entstandenen Gotteshäuschen schwer zugesetzt hatte.
Das hatte es mit seinem neuen Paten bestens getroffen. Denn der ist gelernter Schreiner. Nicht einmal eine Ahnung von Moder ist heutzutage zu riechen, obwohl das gesamte Innenleben der Kapelle aus Holz besteht. »Wir haben alles hinterlüftet, da kann nichts mehr passieren«, zeigt Alfons Büdel nicht ohne Stolz auf die Wandverkleidung aus Kirschbaumfurnier, das in mühevoller Kleinarbeit der Deckenrundung angepasst wurde und dessen warmer Ton dem Innenraum seine einzigartige Atmosphäre verleiht.
Massives Kirschbaumholz wiederum wurde für den
Altar und die solide verzargten Kirchenbänke verwendet. »Das Holz haben wir uns bei den Bauern rundum besorgt«, erzählt der leidenschaftliche Handwerker. Das Modell für die geschwungenen Seitenteile der Bänke wiederum hatte er in der Nikolauskapelle im Zeller Ortsteil Entersbach genommen, für die Schreinerarbeiten die Maschinen in einer damals leer stehenden Schreinerei nutzen dürfen.
Damit nicht genug: Bodenplatten wurden in und vor der Kapelle verlegt sowie für die Erneuerung der bleiverglasten Fenster gesorgt, die überdies Kippbeschläge erhielten. Auch die verwitterte Verkleidung der Außenwände wurde durchweg in Eigenarbeit ausgewechselt, das Material stammte von einem Schindelmacher aus dem Hochschwarzwald. »Jede Schindel muss einzeln angenagelt werden«, erklärt Alfons Büdel, das für einen Ungeübten schwierige Unterfangen, den Wetterschutz in exakt waagrechten Linien anzubringen. Zwei Anläufe waren nötig, bis alles punktgenau saß.
Erst Wasser, dann Ameisen
»2005 haben wir vom Dach dann nochmal alles runterreißen müssen«, erinnert sich der Kapellenpate, »auch den ganzen Glockenturm, das war alles zerfressen.« Große schwarze Waldameisen machte man als Übeltäter aus. Nun aber ist die Bleibe für die Figur des Heiligen Konrad – von einem inzwischen verstorbenen Holzschnitzer aus Biberach erschaffen – rundherum in Schuss.
»Früher war hier mal eine Art Unterstand«, erzählt Alfons Büdel von der Biberacherin Amalie Schili, die die Hütte durch eine dem Heiligen Bruder gewidmete Kapelle hatte ersetzen lassen und damit ein Gelübde an den von ihr Verehrten einlöste, als Dank für ihre Heilung nach schwerer Krankheit. »Das ganze Dorf hatte damals geholfen, es musste ja alles über die Kinzig rübergeschafft werden«, weiß Büdel, die Kinder vom Kindergarten gar trugen die Ziegel den steilen Pfad hinauf.
Offiziell genutzt wird die Kapelle einmal im Jahr, zur Maiandacht, »da kommen dann immer über 200 Leute hierher«, freut er sich. Zur Demonstration zieht er an dem Glockenseil – was auch Kinder, die mit ihren Eltern zu Besuch hierher kommen, sehr gerne machen. Und dann weist Alfons Büdel auf die im Innenraum angebrachten Danktäfelchen. Von Menschen, »denen der Heilige Konrad geholfen hat, gerade auch bei schwerer Krankheit.« Wenngleich die Zahl der Bittsteller in der heutigen Zeit abgenommen habe.
Ein Bauernsohn war er, dieser Konrad (1818 – 1894), der als Johann Birndorfer in Parzham zur Welt kam, nicht wie vorgesehen den stattlichen elterlichen Hof übernahm, sondern als menschumsorgender Laienbruder 41 Jahre lang die Pforte des Kapuzinerklosters im bayerischen Altötting betreute. Da den Brüdern die Betreuung der Wallfahrer oblag, was das eine sehr arbeitsintensive Aufgabe, der sich der 1934 heilig Gesprochene mit Gebetseifer, steter Dienstbereitschaft und aufopfernder Liebe bis ins hohe Alter hinein widmete. Dafür liebte ihn das Volk, verehrten ihn die Wallfahrer.
»Die Leute kommen von Gott weiß wo her«, so Alfons Büdel, der von einigen mit dieser Kapelle verbundenen Schicksalen weiß. Doch er habe auch schon Paare gesehen, die sich hier oben umkleideten, um Hochzeitsfotos zu machen, erzählt er lachend. »Viele kommen aber auch einfach wegen der wundervollen Aussicht«.





