Das diesjährige Adonia-Musical in der vollbesetzten Reichstalhalle war das fünfundzwanzigste seiner Art und begeisterte das Publikum ebenso wie die Teilnehmenden.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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Foto: Inka Kleinke-Bialy„Die Aufregung vorher ist immer groß“, sagte Julia Rombach als örtliche Organisatorin dazu, dass die Reichstalhalle am vergangenen Mittwochabend regelrecht vibrierte. Denn wie alljährlich stand am Mittwoch nach Ostern die Aufführung des aktuellen Adonia-Musicals an.
Sobald die Leinwand auf der Bühne zu leuchten begann, wurde es jedoch schlagartig still. 25 Jahre „Adonia“ zogen nun in aller Kürze in Bild und Ton vorüber. Damals noch von „Adonia Schweiz“ war anno 2001 das erste Teenscamp in Baden-Württemberg durchgeführt worden.
Der eigenständige Verein „Adonia Deutschland“ wurde 2004 mit Sitz in Karlsruhe gegründet. Die gemeinnützige Jugendorganisation finanziert sich zur Hälfte über die Camp-Beiträge der Teilnehmenden und zur anderen Hälfte über freiwillige Spenden. Mit dem Ziel „Kinder und Jugendliche (…) in ihrem Glauben zu ermutigen, sie in ihrer Persönlichkeit zu bestärken und mit ihnen ihre kreativen Potentiale zu entfalten.“ Im Jahr 2016 schließlich war Adonia erstmalig in jedem Bundesland vertreten.
Von der Leinwand in der Oberharmersbacher Halle herab staunte der heutige Adonia-Leiter Julius Bussemeier nun über ein imposantes Zahlenwerk: In diesem Jahr werden 5290 Kinder und Jugendliche an 79 Musicalcamps teilnehmen und an 259 Konzert-Orten das Musical „Treffpunkt Brunnen – Jesus und die Frau aus Samarien“ aufführen. Unter den Teilnehmenden befinden sich 357 MusikerInnen ab 12 Jahren, die in den Live-Bands mitspielen, die das Musical begleiten. 126.000 begeisterte Menschen waren es im vergangenen Jahr, die Adonia-Konzerte besucht hatten. Gemanagt wird all dies durch ein hauptamtliches Basisteam, dessen 28 Mitglieder von 1260 Ehrenamtlichen unterstützt werden.
Wobei es inzwischen Camps für drei Altersklassen gibt: Minicamps (fünf bis 10 Jahre) und Juniorcamps (neun bis 13 Jahre) in den Sommerferien, sowie Teenscamps (zwölf bis 19 Jahre) in den Frühlings- und Herbstferien. Auch Workshops für Erwachsene werden durchgeführt.
34 Gastfamilien
Die Teens waren es, die in Oberharmersbach das diesjährige Musical aufführten, ein Bibelmusical nach Johannes vier. Zwei Monate vor der gemeinsamen Probe hatten die TeilnehmerInnen das Übungsmaterial erhalten, mit dem sie sich zuhause vorbereiten konnten. Die intensive, gemeinsame Probe im Camp dauerte lediglich drei Tage, denen sich nun vier Tage mit vier Konzerten in unterschiedlichen Orten anschließen, mit jeweiliger Vor-Ort-Übernachtung bei Gasteltern.
Ab 2003 hatte Sonja Rombach das alljährliche Adonia Teens-Musical auch nach Oberharmersbach geholt. Seit dem vergangenen Jahr nun bringt sich ihre Tochter Julia Rombach in die örtliche Organisation ein, unterstützt von der Tourist-Info und der katholischen Kirchengemeinde Kinzigtal.
In deren Namen sowie im Namen der Gemeinde begrüßte sie das Publikum in der vollbesetzten Reichstalhalle: „Wir freuen uns riesig über jeden einzelnen Gast“ betonte sie: 560 Stühle waren belegt, hinzu kamen die von Kindern besetzten Bänke vor der Bühne. Julia Rombach bedankte sich bei der Vielzahl der Helfer inklusive der 34 Gastfamilien – voller Freude darüber, dass Adonia auch in diesem Jahr „unseren kleinen aber feinen Veranstaltungsort in ihren Tourenplan aufgenommen hat.“
Der Boden bebte
Und dann begann der Boden der Halle zu beben. Die 70 aus Baden-Württemberg zusammengekommenen jungen Menschen, die an der Musical-Aufführung teilnahmen, stürmten quer durch die Halle, stürmten fröhlich die Bühne und den Platz davor. Um das Ausgestoßen-Werden, Verachtet- und Ausgegrenzt-Werden ging es in dem Stück.
Wie aktuell die Thematik ist, zeigte die in der heutigen Zeit angesiedelte Rahmenhandlung: Ein Mädchen wird von seinen Mitschülerinnen gemobbt („du, du, du – du gehörst hier nicht dazu“), verängstigt und gedemütigt zieht es sich in sich selbst zurück. In einem weiteren Lied heißt es dazu: „Du fällst in eine Leere/ lässt es schweigend zu/ denn du fühlst dich wertlos/ für die Welt nicht genug.“ Oder auch: „Jeden Tag dasselbe/ du hörst den Spott nicht mehr/ Und längst berührt ihr Lachen dein Herz nicht mehr so sehr/ Doch dringt durch diese Mauer auch kein liebes Wort/ Alle Komplimente weist du ganz weit von dir fort.“
Packend und mit Humor
Doch so erdrückend das Thema auch ist, ein wahrhaft cooler Hausmeister nimmt ihm die Schwere. Denn der legt einen Ausrutscher in Form eines gekonnten Stunts hin und schwäbelt zudem, was das Zeug hält. Den Bogen zur eigentlichen Bibelgeschichte schlägt eine Kurzfilmeinblendung, in der Jesus auftritt: in altertümlichem Gewand und entsprechender Umgebung – doch ganz modern mit einem Selfie, in dem er verkündet, auf eine besondere Person zu warten. Und schon sieht sich das Publikum in jene Zeit versetzt, in der Jesus dereinst lebte.
Um eine geschiedene Frau im alten Israel geht es nun. Vom Dorf verspottet und ausgestoßen und von ihrem Lebenspartner behandelt wie „der letzte Dreck“ ist auch sie einsam und allein, gibt sich obendrein selbst die Schuld an ihrer Misere.
Botschaften fürs Leben
Derweil sind vier Jünger mit Jesus in Samarien unterwegs. Diesmal ist es einer von ihnen, der der inhaltlichen Schwere in typischer Adonia-Manier vergnügte Lacher im Publikum entgegensetzt. „Leute, wir sind richtig fame“, brüllt er in jetztzeitlicher Jugendsprache und urkomischer Euphorie, mit einer supercoolen Sonnenbrille auf der Nase. Sachte bringen ihn die anderen Jünger auf den Boden der Tatsachen: Jesus sei zwar ein außergewöhnlicher Rabbi, aber ganz bestimmt kein „Superstar“, der auf Ruhm aus ist.
Als solcher wirkt er denn auch keinesfalls, als er in großer Hitze am Brunnen sitzt – schrecklich durstig, mit hängendem Kopf, hängender Zunge. Hier trifft die vom Dorf geschmähte Frau auf ihn, von ihrem despotischen Mann in der erbarmungslosen Mittagssonne zum Wasserholen geschickt und daher mit einem Krug in der Hand. Als sie mit diesem Wasser aus dem Brunnen schöpft, bittet Jesus sie um einen Schluck.
Die Frau kann es nicht glauben: „Ein Jude fragt mich, eine Samariterin, eine Frau?!“ Jesus gibt sich ihr zu erkennen und meint mit Blick auf den Brunnen: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird bald wieder durstig sein. Wer aber von meinem Wasser trinkt, wird nie wieder durstig sein.“
Mix aus Gegenwart und Vergangenheit
Die Frau verbreitet die frohe Kunde, den seit Langem angekündigten Messias getroffen zu haben, statt sie ob ihrer von der Dorfgemeinschaft und von ihrem Partner erfahrenen Verachtung für sich zu behalten. „Jesus ist der Heiler der Herzen/ er hebt die Scherben auf/ mit seinen guten Händen macht er was Schönes draus.“ Während der Chor Zeilen wie diese und zudem von Vergebung singt, formen die Protagonisten auf der Bühne aus Puzzleteilen ein riesiges Herz: „Jesus kennt deine Probleme, und die Lösung kennt er auch.“
Sprung zurück in die Gegenwart: Die gemobbte Schülerin hat diese biblische Geschichte auf ihrem Smartphone gelesen. Nun will sie Jesus näher kennenlernen, wie sie dem Hausmeister ebenso anvertraut wie den Umstand, dass sie gemobbt worden ist und nun aber weiß, dass es Hoffnung gibt, und dass sie sich Hilfe holen kann bei zum Beispiel einem Psychologen oder einem Freund. Sie ist nicht mehr allein.
Die Theaterszenen, Chorlieder und kurzen Soli samt mitreißender Live-Musik, sowie Tanzeinlagen und immer wieder geschickt eingeflochtene Situationskomik sorgten für ein kurzweiliges und gleichzeitig lehrreiches 90-Minuten-Programm. Dies wurde mit langanhaltendem Applaus und Jubel belohnt.
Weiteres Wachsen
Camp-Leiterin Sarah aus dem Adonia-Team bedankte sich bei allen Teilnehmenden und Unterstützern. „Unglaublich, was ihr hier gerade geleistet habt, was alles in nur einer Woche möglich ist“, sagte sie nicht zuletzt mit Blick auf die strahlenden Gesichter auf der Bühne hinter ihr – auf die strahlenden Teens, „denen wir was zutrauen, auch manchmal mehr, als sie sich selbst zutrauen.“
Damit Adonia in die nächsten 25 Jahre investieren kann, sucht der gemeinnützige Verein zu seinem 25-jährigen Jubiläum 25.000 Menschen, die 25 Euro geben. Wie wichtig
das weitere Wachsen des Vereins ist, verdeutlicht eine weitere Zahl: Über 1.000 Kinder und Jugendliche stehen auf Wartelisten, konnten in diesem Jahr aber keinen Campplatz
ergattern.
Weitere Infos: www.adonia.de.





