Der geforderte Bürokratieabbau nimmt eine ganze neue Wendung. Landesregierung und Städtetag Baden-Württemberg knüpfen das Amphibienschutzprogramm an die Verteilung von Fördergeldern.
Die Natur hat gerade zwei gewaltige Probleme: Auf der einen Seite finden die Störche im Städle wegen Schnee, Hagelschauern und kalter Temperaturen kaum Nahrung. Auf der anderen Seite verschwinden die wenigen Frösche und anderen Kriechtiere, die jetzt schon unterwegs sind, in den Gully-Schächten und damit in den Kanalsystemen der Stadt Zell.
Keine Nahrungsmittelspender für Störche
Das Thema „Ausstiegshilfen für Gully-Opfer“ hat Bürgermeister Pfundstein bereits bei seiner Silvesteransprache aufgegriffen und dabei erklärt, dass es keinen Sinn mache, mitten im Städtle Frösche zu retten, die anschließend von Störchen gefressen werden. „Nach den Fischtreppen für Fischreiher soll es nun auch Froschtreppen als Nahrungsmittelspender für Störche geben“, hatte er dem Amphibienschutzprogramm des Städtetags eine klare Absage erteilt. Für die Aussage, dass das Bürokratiemonster sage und schreibe 248 Seiten umfasst und in den Aktenvernichter gehöre, hatte er von der Bevölkerung reichlich Beifall erhalten.
Auch Justizministerin Marion Gentges und Staatssekretär Volker Schebesta standen am Straßenrand und haben die Kritik des Zeller Bürgermeisters gehört und die Klagen nach Stuttgart getragen. Dort hat man sich nun Gedanken gemacht und eine ganz praktische Lösung gefunden: Wer Froschleitern baut steigt auch auf der Zuschuss-Förderliste Sprosse für Sprosse nach oben.
Bürgermeister Günter Pfundstein erklärt den Sachverhalt im Gespräch mit unserer Zeitung etwa so: „Wenn wir jetzt in die Gully-Schächte unsinnige Froschleitern einbauen, erhalten wir von Stuttgart bald unsinnig hohe Zuschüsse.“ Und die lasse man sich natürlich nicht durch die Lappen gehen, zumal gerade große Investitionen wie der Kindergarten-Neubau in Unterharmersbach und die Sanierung des Feuerwehrhauses bevorstehen.
Nichtöffentlich hat sich der Gemeinderat mit dem Thema befasst und sich unter anderem von der Tatsache überzeugen lassen, dass der Städtetag Baden-Württemberg das Amphibienschutzprogramm von ursprünglich 238 Seiten auf eine paar A4-Blätter eingedampft hat. Die neuen Modalitäten sorgen nun für eine Kehrtwende bei der Stadt Zell insgesamt.
Betriebshof legt Sonderschichten ein
Allerdings drücken die grün-schwarze Landesregierung und auch der Städtetag auf die Tube. Das Amphibienschutzprogramm müsse jetzt und sofort umgesetzt werden. Für den Betriebshof der Stadt Zell war das kein Problem. Da wegen der kalten Temperaturen das Gras noch nicht wächst, hatte man genügend Zeit, um einige Sonderschichten einzulegen. Aus Restholz, das ohnehin nur auf dem Betriebsgelände herumlag, hat man funktionstüchtige Froschleitern gebaut.
Den kompletten Bericht und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.





