Studie untersucht Auswirkung ballastreicher Kost auf die Verdauung.
Die überaus große Storchenpopulation im Zeller Städtle mit rund 20 Nestern zwischen Keramik und Wallfahrtskirche ruft jetzt auch die Wissenschaft auf den Plan. Forscher des Freiburger Tierhygienischen Instituts in Freiburg haben Zell am Harmersbach für eine umfangreiche Storchen-Studie ausgewählt. Sie wollen in dem Pilotprojekt herausfinden, warum sich die alte Reichsstadt zur größten Storchenkolonie im Kinzigtal entwickelt hat, seit das erste Storchenpaar vor rund 15 Jahren erstmals wieder ein Nest auf dem Storchenturm errichtet hat. Für ihre Studie wollen die Forscher möglichst oft vor Ort sein, um die Störche beobachten zu können. Das derzeit leerstehende ehemalige Keilbach-Gebäude erweist sich deshalb als Glücksfall, weil die Mitarbeitenden des Tierhygie-nischen Institut dort im Erdgeschoss ein temporäres Büro einrichten können. Noch vor Ostern wollen sie ihr Domizil beziehen und dort bis zum Abflug der Störche ins Winterquartier im August und September arbeiten.
Die Cicognie – die Storchenforschung, abgeleitet vom lateinischen Namen Ciconia für den Weißstorch – weiß schon viel über die großen freundlichen Schreitvögel und ihr Fressverhalten. Störche sind Fleischfresser. Zu ihrer bevorzugten Nahrung zählen Regenwürmer, Mäuse, Insekten, Froschlurche sowie auch Schlangen. Diese eiweißreiche Kost hinterlässt im Umfeld der Nester ihre sichtbaren Spuren – ein Ärgernis nicht nur in Zell.
Die Forscher wollen deshalb untersuchen, ob sich eine ballastreichere Kost auf die Verdauung der Störche und damit auch auf das Stadtbild auswirken kann. Dazu werden entsprechend präparierte Köder in den Wiesen von Zell, Neuhausen, Unterharmersbach und Unterentersbach ausgelegt. Sobald die ersten Wiesen gemäht werden, sollen die Köder zum Einsatz kommen. Sie sind rein biologisch und für andere Tiere völlig ungefährlich. Die Ergebnisse der Studie interessieren übrigens auch den Gemeindetag Baden-Württemberg, der von der Stadtverwaltung Zell auf die Studie aufmerksam gemacht wurde und sie wegen der grundsätzlichen Bedeutung für andere Storchen-Hot-Spots finanziell unterstützt.
Wenn die Störche längst im Winterquartier im Süden sind, sollen die in diesem Sommer gewonnen Daten ausgewertet werden – damit erste mögliche Schritte zur Verbesserung des Essverhaltens der Störche schon im kommenden Jahr umgesetzt werden können.





