Der Musikverein Unterentersbach hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich, mit „tollen Momenten, guter Musik und schönen Begegnungen“. „Mega, mega gut“ auch „30 Jahre Bläserjugend“. Lediglich der Probenbesuch gibt Anlass zum Hadern.
„Finanziell können wir auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken“ – mit diesem vielversprechenden Fazit des Kassierers startete der Berichts-Reigen des Musikvereins Unterentersbach anlässlich dessen Hauptversammlung am vergangenen Dienstagabend. Aufgrund einer Parallelveranstaltung im großen Saal trafen sich die Teilnehmer -rund 60 an der Zahl, darunter viele junge Menschen – ausnahmsweise im Probelokal des Dorfgemeinschaftshauses.
„Der Kassenstand verzeichnet ein Plus von 27,3 Prozent“, erläuterte Schatzmeister Daniel Vollmer, „das ist eine sehr gute Entwicklung.“ Bei der Bläserjugend gebe es ein ähnliches Bild, berichtete er in Vertretung der erkrankten Rebecca Armbruster. Wobei der erwirtschaftete Gewinn größtenteils der Ausrichtung der alljährlich viertägigen Kilwi zu verdanken ist, die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres toppten gar das Rekordergebnis von 2024. Die mit großem Fleiß und ehrenamtlichem Zeiteinsatz erarbeiteten Geldmittel kamen dem ideellen Bereich zu Gute. Was heißt: Sie wurden in Instrumente investiert, in Noten, Uniformen, Konzertreise, „in alles Drum und Dran.“
Viermal JMLA in Silber
Florian Berger, der als für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständige Vorstand durch die Mitgliederversammlung führte, dankte den beiden Kassierern für deren Mitdenken und das hohe Maß an Arbeit, die nicht immer sichtbar im Hintergrund laufe. Eine obendrein beanstandungsfreie Arbeit, wie die Kassenprüferinnen Natalie Müller und Lucy Rothmann befanden. Entsprechend einstimmig erfolgte die beantragte Entlastung.
Gute Nachrichten gab es auch von den Jungmusikern: Lena Kalt, Emma Schwarz, David Selinger und Adrian Willmann haben das Leistungsabzeichen (JMLA) in Silber abgelegt. „Dankeschön, dass Ihr Euch im letzten Jahr so engagiert habt und die Zeit in die Vorbereitung gesteckt habt“, würdigte die Jugendvorsitzende Julia Brucher die Leistung. Neben der jeweils offiziellen Urkunde vom Bund der Deutschen Blasmusik sowie der Silbernadel übergab sie als Zeichen der Anerkennung seitens des Vereins jeweils einen Gutschein.
„Dicht und spannend“
Florian Berger, Vorstand Öffentlichkeit, erinnerte in seinem Rückblick an die Vereinsgeschehnisse 2025. „An der Zeller Fasend haben wir uns mit einer großen Mannschaft toll präsentiert“, freute er sich. Ein Seniorennachmittag in Unterharmersbach folgte, das Maibaumstellen, Kurkonzerte, Feuerwehrfest, Ski-Ausflug, das Aufspielen bei zwei Hochzeiten, besagte Entersbacher Kilwi, Prinzbacher Sommerfest, Zeller Fest, Unterentersbacher 950-Jahrfeier. Hinzu kamen Konzertreise, Probewochenende, Fronleichnam Volkstrauertag, Nikolauskonzert und Patrozinium. Der Verein zählt 85 aktive Mitglieder, davon 65 MusikerInnen im Gesamtorchester und 20 Zöglinge.
Als „dicht und spannend“ bezeichnete Florian Berger das Vereinsjahr 2025 auch mit Bick auf die Bläserjugend, bei der das Jahr unter dem Motto „30 Jahre Bläserjugend“ gestanden hatte, „es war ein tolles Jubiläum.“ Die entsprechende Rückschau hielt Jugend-Schriftführerin Angelina Schätzle.
Das Jahr begann mit einem Fotoshooting der gesamten Bläserjugend. An der Fasend durften die Zöglinge das Orchester unterstützen. Bei einer Matinee im April gab es eine Zeitreise von den Anfängen der Bläserjugend bis heute, für die Unter- respektive Über-16-Jährigen fand jeweils einer der beliebten Ausflüge statt. Und bei der Instrumentenvorstellung sei das Probelokal so voll gewesen wie sie es in den vier Jahren ihrer Amtszeit noch nie erlebt habe, so die junge Schriftführerin.
Für die Kilwi backte die Jugend Kilwiküchle. Am Kilwi-Freitag gab es eine Beachparty, die unter dem Jubiläumsmotto stand und ebenso wie der Kilwi-Samstag für die Bläserjugend „mega, mega erfolgreich“ war. Beim Elternvorspiel im Oktober wiederum durfte der Nachwuchs sein Können vor Verwandtschaft und Vereinsmusikern präsentieren. Zudem unterstützte die Jugendkapelle den St. Martinsumzug, desgleichen die Kinderkrippenfeier zum Jahresabschluss. Die Jugendtermine für 2026 stellte Angelina Schätzle ebenfalls vor.
Zusammenhalt: „Gänsehaut“
Wirtschaftsvorstand Uwe Brosamer gestand, beim Rückblick auf die „im Großen und Ganzen überragende Kilwi mit sehr gutem Ergebnis“ beinahe wieder Gänsehaut zu bekommen – wegen des Zusammenhalts im Verein bei Auf- und Abbau und über die vier Festtage hinweg. „Ich finde es abartig, wie wir dann doch zusammenhalten, wenn es um etwas geht“, sprach er ein „Riesenlob“ an alle Helfer aus.
Dem schloss sich ein Ausblick auf die diesjährige Kilwi (07. bis 10. August) mit organisatorischen Hinweisen an. Einer der Punkte: Für Essen, Getränke und Gesamt-Einteilung wird es heuer feste Zuständigkeiten geben.
Einen weiteren Ausblick gab Musikvorstand Moritz Volk, und zwar auf die in 2026 anstehenden Termine musikalischer Natur. Da bislang keinerlei Anfragen an den Verein herangetragen worden seien, habe er selbst für bestimmte Events angefragt. Die Auftrittsplanung sei deswegen überaus schwierig gewesen und noch nicht vollständig. Doch aus seiner Sicht gebe es bereits „einige gute Termine, an denen wir Musik machen dürfen sowie neue Termine bei Events, auf denen wir noch nie gespielt haben.“
Zu den derzeit rund 20 feststehenden Aufspielterminen gehören unter anderem das Erdbeerfest in Oberkirch, ein selbstorganisiertes Scheunenfest in Oberentersbach, das Biberacher Dorffest. „Ich freue mich über jede Einladung, die wir bekommen“, betonte Moritz Volk und bat die Mitglieder, ebenfalls aktiv zu werden bei der Suche nach möglichen Spielterminen.
Sorgenkind Probenbesuch
Zu seinem Leidwesen konnte er bei der diesjährigen Versammlung keine Ehrung von ProbenbesucherInnen vornehmen, da keine(r) der MusikerInnen weniger als drei Fehlproben vorwies. Der allgemeine Probenbesuch sank von 70 Prozent in 2024 auf 62,7 Prozent im vergangenen Jahr. Moritz Volk betonte, sowohl er als auch der Dirigent hätten stets ein offenes Ohr für Verbesserungsvorschläge, um einen besseren Anreiz für den Probenbesuch zu schaffen: „Unser Ziel sollte es definitiv sein, dieses Jahr die Zahl wieder nach oben zu treiben.“
Dirigent Daniel Faist – seit 2023 im Amt – setzt darauf, gemeinsam eine Lösung zu finden. „Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam richtig viel erreichen können“, unterstrich er und hob hervor, wie wohl er sich in dem Verein fühle: „Mit meiner Stelle hier und mit dem Umgang miteinander bin ich sehr zufrieden.“
Vorstandsmitglied Florian Berger dankte dem Dirigenten für dessen Arbeit und die offenen Worte. Auch allen im Verein Engagierten galt sein Dank, ebenso der Ortsverwaltung für die enge Zusammenarbeit, „das fängt bei der Kilwi und beim Probelokal an.“ Letzteres sei auf Dauer einfach zu klein – wie die bei der Jahresversammlung herrschende Enge zeigte, obwohl nur drei Mitglieder ihre Instrumente dabei hatten.
Projekt Probelokal
„Wir haben schon viel gemacht und viele Euro investiert, sowohl mithilfe der Stadt als auch in Eigenleistung“, berichtete Florian Berger, doch die Reise in Richtung größerer Räumlichkeiten müsse weitergehen und werde wohl erst in einigen Jahren beendet sein. In 2025 gab es mehrere Planungstermine mit der Stadt Zell und dem Architekturbüro Kopf. Zudem wurde das Thema „Probelokal“ für 2026 als oberste Priorität vom Unterentersbacher Ortschaftsrat aufgenommen.
Im laufenden Jahr soll es einen weiteren Austausch mit der Stadt Zell zu Optionen und Budget-Rahmen geben, Finanzierungsmöglichkeiten zum Beispiel über Förderprogramme wie LEADER sollen geprüft werden. Florian Berger: „Das heißt, man muss kreativ werden, viel miteinander sprechen und gucken, wie man zu Varianten kommt, die tragbar sind und am Schluss finanzierbar.“
Ehrengast Christian Dumin griff das „nicht einfache“ Thema in seiner Funktion als Ortsvorsteher auf. Als Ziel formulierte er, „dass wir bis Ende des Jahres einen konkreten Plan haben, den wir mit allen Beteiligten, die das Dorfgemeinschaftshaus nutzen, abgestimmt haben und auf eine Zeitschiene bringen können.“
In puncto Kilwi erläuterte er das Vorhaben, den sonntäglichen Jahrmarkt, dessen Organisation der Stadt beziehungsweise der Ortsverwaltung obliegt, durch ein hochwertigeres Warenangebot aufzuwerten. Sehr herzlich dankte er dem Musikverein für all das, was dieser für den Ort leiste, für Erwachsene wie für Kinder, auch im Hinblick auf Tradition und Brauchtum.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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