Mit viel Fleiß hat sich der Jubilar sein Leben aufgebaut, seit knapp zwei Jahren wohnt er in Zell.
Trotz ursprünglicher Widrigkeiten hat Heinz Wälde, der am heutigen Montag seinen 90. Geburtstag feiert, in seinem Leben viel erreicht. Geboren wurde der in Lehengericht Aufgewachsene 1936 in Schiltach als der zweitälteste von insgesamt vier Brüdern. Zudem gehören ein Halbbruder und eine Halbschwester zur Familie.
Als er ein kleiner Bub gewesen sei, „hingen an meinem Geburtstag immer die Fahnen draußen und die Soldaten marschierten.“ Das sei eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen, so der Senior, wohl die Jahre 1940/1941 betreffend. Die Fahnen galten allerdings Hermann Göhring. Der brutale Scherge Adolf Hitlers, der in den Nürnberger Prozessen später als Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen wurde, hatte ebenfalls am 12. Januar Geburtstag.
Eine weitere Erinnerung Heinz Wäldes betrifft das Jahr 1945, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. „Da saß die ganze Familie im Keller und Soldaten der Alliierten suchten vor unserem Haus Schutz, sie haben Richtung Wald geschossen.“ Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1946 bis ins Jahr 1947 kümmerte sich zunächst deren jüngere Schwester Erika um die zu dieser Zeit noch vier Kinder, „sie hat dann nach Frankreich geheiratet.“ Im Frühjahr 1947 kam der Elfjährige als Hirte-Bub auf einen kleinen Bauernhof, vier Jahre blieb er dort.
Harte Zeiten
1951 besorgte der Vater ihm bei der Firma Junghans in Schramberg eine Arbeitsstelle, wo er eventuell ein Jahr später eine Lehrstelle als Uhrmacher hätte erhalten können. Eine ganz schlechte Zeit sei es für Ausbildungssuchende damals gewesen, spricht der heutige Jubilar für seine Generation gerade im ländlichen Raum.
„Im Herbst 1951, mit 15 Jahren, habe ich dann aber bei der Firma Grieshaber in Wolfach angefangen“, erzählt der Senior mit leiser, fester Stimme, in der eine bescheidene, doch tiefe Freude mitschwingt. Denn von nun an ging es bergauf, er konnte als Maschinen-Einrichter anlernen.
Ganz genau noch hat er seinen damaligen Stundenlohn in der Höhe von 48 Pfenningen parat, „das wären heutzutage 24 Cent.“ Nach seinem 18. Lebensjahr wurde er als Schichtführer eingestuft. „Die Maschinen wurden von Frauen bestückt und liefen im Zwei-Schicht-Betrieb, Früh- und Spätschicht – das war das erste Mal, dass Frauen Schichtarbeit machen durften.“
Lernen, lernen
In den folgenden beiden Jahren bereitete er sich auf die Mechaniker-Facharbeiter-Prüfung an der Gewerbeschule vor, arbeitete dafür zusätzlich zur Schichtarbeit täglich drei bis vier Stunden in der Mechanik, also elf bis zwölf Stunden am Tag. Wobei ihm die Arbeitsstunden in der Mechanik nicht bezahlt wurden, „sie galten als freiwillig und wurden mir als Ausbildungszeit angerechnet.“
Seine Frau Ute, geborene Schlöckenrieder, lernte er im Sommer 1958 kennen. Weitere Stationen folgten jeweils im Zwei-Jahres-Turnus aufeinander: Hochzeit, die Geburt des gemeinsamen Sohnes Jürgen, der Einzug in das noch halbfertige Eigenheim in Wolfach.
Zum Jahresende 1964 schließlich war Schluss mit der Schichtarbeit, Heinz Wälde wurde Assistent des Abteilungsleiters, war für die Terminplanung zuständig. Im Juni 1969 erhielt er selbst die Stelle des Leiters einer Abteilung mit circa 70 Personen, „obwohl dort zwei Meister tätig waren.“
Und wieder lernte er, der als Kind die Schule so früh hatte verlassen müssen: Für seine Weiterbildung zum Industriemeister besuchte er zusätzlich zum Job drei Jahre lang zweimal wöchentlich einen Abendkurs in Offenburg, „mittwochs und samstags“, weiß er noch, „das hat Kraft gekostet“. 1973 legte er die Prüfung ab.
Zehn Jahre später verließ er seinen bisherigen Arbeitgeber und trat in Gutach (Schwarzwald) eine Stelle als Technischer Leiter respektive Betriebsleiter an. Nach elf weiteren und somit insgesamt 45 Berufsjahren ging er in den Vor-Ruhestand, im Alter von 60 Jahren.
Umzüge
Da seine Frau immer stärker mit den lebenslangen Folgen einer Kinderlähmung zu kämpfen hatte und es auch ihm selbst zu jener Zeit gesundheitlich nicht gut ging, ließen sich die vielen Treppen des Wolfacher Eigenheims nur noch mit Mühe bewältigen, 1997 zog das Paar daher in eine Parterrewohnung nach Ettenheim. Die Hälfte des Jahres – meist über den Winter – verbrachte es jedoch in einem in Spanien erworbenen Feriendomizil in Meeresnähe, „das war über lange Jahre unsere zweite Heimat.“
Um näher bei der Familie des im hiesigen Biberach beheimateten Sohnes zu wohnen, wollten die Eheleute schließlich nach Zell am Harmersbach ziehen. Heinz Wäldes Gattin, mit der er im Jahr 2000 – wenngleich unter Corona-Bedingungen – die Diamantene Hochzeit hatte feiern können, starb vor dem Umzug jedoch leider.
Seit beinahe zwei Jahren wohnt Heinz Wälde nun in einer seniorengerechten Wohnung auf dem Untertorareal und hat hier seine Routinen entwickelt. Mittwochs besucht er das Männer- und Frauenturnen im Kirchsaal, Samstags den Wochenmarkt im Zeller Städtle. Dienstags geht er zum Seniorencafé auf seiner Wohnetage und täglich eine Stunde spazieren, sofern das Wetter es zulässt.
Großes Familientreffen
Froh auch ist er noch Autofahren zu können, wegen der damit verbundenen Selbstständigkeit. Umso mehr, als er früher viel unterwegs war. „Nach Spanien sind wir immer mit dem Auto gefahren“, schmunzelt er, der auch schon nach Alaska, ans Nordkap und zu einem brüderlichen Besuch nach Venezuela gereist ist.
Außerdem ist da noch immer der Kontakt zu seinen fünf Geschwistern, die allesamt noch leben (teils in Österreich, der Schweiz und der Türkei). „Letztes Jahr zu Pfingsten hat es mit der gesamten Familie ein großes Treffen in Oberwolfach gegeben“, freut sich der dreifache Groß- und zweifache Urgroßvater, „allein einer meiner Brüder hat vier Kinder und entsprechend viele Enkel und Urenkel.“ Auch die französischen Nachkommen Tante Erikas hatten an jenem Treffen teilgenommen.
Bürgermeister Günter Pfundstein wird dem Jubilar am heutigen Monat persönlich sowie im Namen der Gemeinde gratulieren, auch die Schwarzwälder Post gratuliert sehr herzlich.





