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Oberharmersbach | 22.06.2022

Kanonenschüsse verkünden Festtage

Markus Schwarz hat die Aufgabe übernommen und setzt Familientradition fort

Foto:
Lauter Knall: Insgesamt neunmal feuert Markus Schwarz an Festtagen seine Kanone ab. Foto: Lehmann-Archiv
von Karl-August Lehmann

Vor Jahresfrist hat Bürgermeister Richard Weith den lang gedienten Gemeindekanonier Alwin Roth verabschiedet, der aus gesundheitlichen Gründen nach 30 Jahren diese Aufgabe aufgeben musste. Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger fiel die Wahl auf Markus Schwarz.

Der neue Kanonier folgte auf eine nun unterbrochene lange Familientradition. Schon Alwins Urgroßvater Maurus Roth übte diesen Dienst aus. Von seinem Vater übernahm Alwin 1992 die neue und größere Kanone, die die Gemeinde sieben Jahre zuvor angeschafft hatte. Dieses lautstarke Gerät liegt jetzt in der Obhut von Markus Schwarz, der vor der Übernahme sich auch um die routinemäßig anstehende Prüfung durch den TÜV kümmerte. Die Behörde in Mellrichstadt gab »grünes Licht« für den weiteren Gebrauch.
Kanonier Markus Schwarz ist für seine Aufgabe bestens qualifiziert. Als langjähriges Mitglied im Schützenverein Haslach hat er seine Prüfung nach §27 Sprengstoffgesetz (»Schwarzpulverschein«) absolviert und besitzt auch eine eigene Vorderlader-Kanone.

Jetzt steht er im Dienst der Gemeinde. »Markus Schwarz als entsprechend ausgebildete und geübte Person ist auf diesem Posten der richtige Mann«, freut sich Bürgermeister Richard Weith, der mit einer Unterschrift bürgt und somit gleichzeitig von Amts wegen auch der »Kommandeur« des Gemeindekanoniers ist. Wichtig sei bei der Suche nach einem Nachfolger die Fortsetzung dieser Tradition zur Einstimmung auf die jeweiligen Festtage gewesen.

Mit seinem Jeep hat Markus Schwarz die Kanone der Gemeinde auf eine kleine Anhöhe hinter dem alten Feuerwehrhaus im Dorf transportiert und dort am gewohnten Standort in Stellung gebracht. Drei Kartuschen, exakt mit der vorgeschriebenen Menge von 80 Gramm Schwarzpulver gefüllt, liegen jeweils für den Salut bereit.

Dreimal an Festtagen, wie Fronleichnam oder das Kirchenpatrozinium am 3. Sonntag im Oktober, rückt der Kanonier zu seinem Einsatz aus. Wenn der letzte Glockenschlag des Morgenläutens um 6 Uhr verklungen ist, donnern drei weithin hörbare Kanonenschüsse über den Ort. Dieser alte Brauch weckt und erinnert Einheimische und Urlaubsgäste gleichermaßen an die bevorstehenden Feierlichkeiten.
Diese laute Zeremonie wiederholt sich am Vormittag, wenn die Traditionsvereine – Historische Bürgerwehr, Spielmanns- und Fanfarenzug sowie die Miliz- und Trachtenkapelle – in ihren farbenprächtigen Uniformen nach dem Abspielen des Präsentiermarsches auf dem Rat­hausplatz sich zum Einzug in die Kirche aufstellen und am Nachmittag vor der feierlichen Vesper mit dem neuerlichen Aufmarsch.

Sorgfältig setzt Markus Schwarz das Zündhütchen auf die gefüllte Kartusche, öffnet routiniert den Verschluss, führt die Kartusche ein, sichert den Verschluss und spannt den Bolzen. Seine Frau Michaela, ebenfalls Mitglied im Schützenverein, assistiert Markus und darf hin und wieder die Kanone abfeuern. Momentan kümmert sich Markus selbst um den Salut. Den Gehörschutz hat er schon angelegt. Dem straffen Zug an der Leine folgt ein ohrenbetäubender Knall, eine Rauchwolke legt sich über die Umgebung.

Nach dem letzten Schuss am Nachmittag hat der Gemeindekanonier keineswegs Feierabend. Eine gründliche Reinigung der gemeindeeigenen Kanone folgt, denn zum nächsten Feiertag muss sie wieder einsatzbereit sein.

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