Die Feierlichkeiten anlässlich des Fronleichnams­festes werden dieses Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Im Erzbistum Freiburg sind unter anderem Prozessionen noch immer untersagt. Entsprechend entfällt auch die traditionelle Beteiligung des Spielmanns- und Fanfarenzuges, der Miliz- und Trachtenkapelle sowie der Historischen Bürgerwehr.

Da die Pfarrkirche entsprechend Platz bietet, wird der Gottesdienst nicht wie andernorts im Freien abgehalten, sondern in der Pfarrkirche zelebriert. »Wir werden Fronleichnam dieses Jahr auf etwas andere Art und Weise feiern müssen« ließ die Katholische Kirchengemeinde St. Gallus die Gläubigen wissen, die nach Voranmeldung den Festgottesdienst besuchen wollen. Zu dieser »alternativen Feierlichkeit« zählen die musikalische Begleitung der Eucharistiefeier mit einigen Instrumentalisten sowie die Auslage von Blumenteppichen in und vor der Pfarrkirche, um auf den besonderen Tag hinzuweisen.

Keine Fahnenparade, kein Salut

Nicht nur die Oberharmersbacher werden an diesem Tag das farbenprächtige Zeremoniell vermissen. In Bussen kamen jeweils die Besucher aus der Umgebung und dem angrenzenden Elsass, um den Aufmarsch der über 130 Uniformträger vor dem Rathaus zur Fahnenparade zu verfolgen. Nicht minder beeindruckend war der Einzug in das riesige Gotteshaus. Die Prozession zur Brandenkopfschule, bei der auch Trachtenfrauen zu sehen waren, entfällt ebenso wie das Zeremoniell am Nachmittag, bei dem mit klingendem Spiel und einem dreifachen Salut der Geistlichkeit die Reverenz erwiesen wird.

Damit bricht durch kir-chenbehördliche Anordnung wiederum eine über 150 Jahre alte Tradition, die seit der Wiedergründung der Historischen Bürgerwehr 1862 (nach der Badischen Revolution 1848/49) als ein fester Bestandteil des Fronleichnamsfestes und des Kirchenpatroziniums (»Gallenkilwi«) gilt.

Nicht zum ersten Mal

Allerdings musste die Gemeinde Oberharmersbach schon einmal auf die Austragung eines dieser Feste in gewohnter Weise verzichten.

In den Annalen der Historischen Bürgerwehr ist vermerkt, dass zum »Gallusfest 1942« (18. Oktober) die Bürgerwehr wegen wolkenbruchartiger Niederschläge nicht ausrücken konnte. Die Musiker waren in dieser Zeit sowieso nicht in der Lage, sich zu beteiligen, weil wegen einer Auseinandersetzung mit der politischen Gemeinde die Instrumente beschlagnahmt waren. In den Nachkriegsjahren verschönerten die Tra­ditionsvereine – Bürgerwehr ohne Gewehr und die Musiker in zahlenmäßig schwacher Besetzung – die Fronleichnamsprozession und das Fest des Kirchenpatrons, bis Aufmärsche in gewohnter Weise Anfang der 1950er Jahre wieder erlaubt waren.