Buchautor Peter Martens kommt nach Zell und zeigt »Südamerika pur«

Ob Karneval in Bolivien oder Erdbeben in Ecuador: Peter Martens hat viel erlebt und erfahren, als er mit Gattin und Rucksack quer durch Südamerika reiste. Fünf Monate lang, grundsätzlich privat übernachtend und immer recherchierend. Bei einem Vortrag in Zell wird er seine Zuhörer nachträglich noch einmal mitreisen lassen und auch sein Buch mitbringen, das er zu der Reise geschrieben hat.

Dereinst studierte er Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, brach ab und wurde stattdessen Vermessungsingenieur: Der heute 62-Jährige, der einst Vermessungsprogramme unter anderem für den Tunnelbau entwickelte. »Von dort bin ich in die Architektur und dann in den Ladenbau abgedriftet«, erzählt Peter Martens.

Er arbeitete für große Kaufhäuser, sah sich als stets Selbstständiger mit stressigen 16- bis 18-stündigen Arbeitstagen irgendwann dann als Gefangener einer Maschinerie. Das ging auf die Gesundheit, »es war nur noch ein Blicken auf den Bildschirm«.

Also suchte er nach neuen Wegen. Dazu ging er mit einem Freund eine Woche lang in Igurien in eine Enklave. Hier erinnerte er sich zurück an die Kunst, an Theater und Kultur und stellte fest, »dass mich das insgesamt viel mehr beseelen würde.«

Aus Igurien zurückgekehrt, begann der gebürtige Kölner und Wahl-Schliengener zu sammeln, »was es bei uns in der Region an Künstlern und Kulturinitiativen gibt« und brachte eine umfangreiche Übersicht heraus. Sein erster Gehversuch als zunächst nebenher laufender Verlag war »sehr erfolgreich und es hat mir viel Spaß gemacht.« Vor 15 Jahren war das, inzwischen ist er Vollblut- und Vollzeitverleger.

Von Anfang an war daher klar, dass seine Reise durch Südamerika in ein Buch münden sollte. Ursprünglich allerdings stand eine Weltreise auf dem Programm. »Da muss man sich Gedanken machen, wie das mit dem Weiterlaufen des Verlags ist und wie mit der Frau, die als Lehrerin ein Sabbatjahr beantragen muss, und wie mit den Kindern.«

Lange Zeit also überlegte das Ehepaar Martens sich das richtige Timing. Je näher die Reise schließlich kam, »desto klarer wurde uns, dass das mit der Weltreise so eigentlich nichts werden kann.« Denn das für Südamerika zusammengestellte Programm war derart umfangreich, dass die beiden Globetrotter beim anschließenden Weiterziehen nach Australien oder Neuseeland in die Wintermonate gekommen wären. »Deshalb haben wir uns auf Südamerika konzentriert und uns vorbehalten, das von der Weltreise nachzuholen, was wir bis jetzt nicht haben realisieren können.«

Viel Recherche

Fünf Monate waren sie auf Achse, im Jahr 2016. Mit 10-Kilo-Rucksack auf dem Buckel, einem Smartphone ausgerüstet und niemals in einem Hotelbett liegend, »wir sind eigentlich immer weitergereicht worden.« Denn »Living with the locals« lautete die Devise des Übernachtens in privaten Unterkünften, um Land und Leute kennen­zulernen. »Mit vielen habe ich noch heute Kontakt«, freut sich Martens, »ich weiß alles über ihre Beziehungen und wo ein Kind geboren worden ist.«

Ein Jahr lang dann dauerte die Erstellung des Buches. Mit dem Ausformulieren dessen, was Martens unterwegs per Tagebuch festgehalten hatte, mit dem Sichten und Auswählen der Fotos. Die größte Arbeit jedoch sei das Recherchieren gewesen, berichtet er. Sowohl vor als auch nach und während der Reise. Denn das Erlebte hinterlegt er journalistisch, mit Informationen und Hintergrundwissen. Auch eine Vielzahl von Interviews führte er.

Auch kritische Töne

»Ich habe unterwegs immer ganz, ganz viel gelesen«, erzählt der Weitgereiste von seinem Konsum jeweils nationaler südamerikanischer Zeitungen, den er mit dem Online-Lesen großer deutscher und auch schweizer Medien ergänzte. »Ich war also auch während der Reise immer bes­tens informiert.« Denn es ging und geht ihm um die Zusammenhänge – nicht zuletzt deshalb auch hält er seine Reisevorträge – um das kritische Hinterfragen. Sei es, beispielsweise, dass er mit dem Non-Profit-Ökologen Pépé durch den Dschungel am Amazonas streift und im Anschluss die nahegelegenen Goldgräberfelder besucht, die den Dschungel auf einer riesigen Fläche zerstören.

Oder sei es, ebenfalls beispielsweise, dass er auf dem Machu Picchu unterwegs ist – privat, mit einer Inkafrau. Außerhalb der täglich bis zu 5.000 Menschen umfassenden touristischen Massen. Erst seit die Ruinenstadt der Inka auf dem abgelegenen Andengipfel von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde, hat sich aus den früher maximal 500 täglichen Besuchern der enorme Besucheransturm entwickelt. Um dorthin kommen zu können, müsse man mittlerweile »wirklich früh buchen«, weiß Peter Martens. Sogar eine Seilbahn sei in Planung. »Die Deklaration zum Weltkultur­erbe soll eine Schutzmaßnahme sein, aber hier hat sie sich zum Gegenteil entwickelt«, mahnt er.

Das für ihn Eindrücklichste auf der Reise? »Das war das Erdbeben in Ecuador, das stärkste seit 65 Jahren mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala. Es war erschütternd, obwohl wir uns 300 bis 400 Kilometer vom Epizentrum entfernt aufhielten, in der Millionenstadt Quito.«

Der Vortrag

»So tickt Südamerika« wird es am 15. März um 19.30 Uhr im Zeller Kultur- und Vereins­zentrum heißen. Denn dann wird Peter Martens in Wort und Bild von seinen Begegnungen zwischen Kuba und Kap Horn erzählen und auch sein gleichnamiges Buch mitbringen, das zudem beeindruckende Fotos und viele Reisetipps enthält. Die Eintrittskarten kosten im Vorverkauf
10 Euro und sind in Zell bei der Buchhandlung Richter sowie in der Touristen-Information erhältlich.