Am Samstag eröffnet Galerist Bertin Gentges in seinen Galerieräumen der Arthus Galerie die Ausstellung »Vom Nachexpressionismus bis Zero. Strömungen in der Kunst nach 1945«. Ein »Who is Who« der deutschen Nachkriegskunstgeschichte unter anderem mit Werken von Karl-Otto Götz, Otto Greis, Rolf Hans, Hans Jaenisch, Ernst Wilhelm Nay, Bernhard Schulze, Günther Uecker und Fritz Winter.

Alle Kunstwerke dieser Ausstellung stammen aus privaten Sammlungen, befreundeten Galerien oder direkt aus den Ateliers der Künstler und sind käuflich zu erwerben. Am Samstag um 17 Uhr wird die Ausstellung mit rund 40 Kunstwerken in der Arthus Galerie mit einer Einführungsrede von Dr. Friedhelm Häring, ehemaligem Museumsdirektor aus Gießen, eröffnet. Sie wird gezeigt bis zum 27. April. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 13 bis 17 Uhr und Samstag 12 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Künstler und Werke

Weltweit hat die erste Generation abstrakter Malerei um Wassily Kandinsky (1866 – 1944) zwischen den Weltkriegen selbstbewusst an der Überführung alles Irdischen in die Kraft der Farbe und der Linie gewirkt. Von Delaunay bis Mondrian wurden verschiedene künstlerisch, philosophische Positionen eingenommen. Nach dem Niedergang der Kultur in Deutschland durch die Nazidiktatur und die Folgen der Kriegszerstörung durch den Zweiten Weltkrieg, war es der zweiten Generation abstrakter Maler um Fritz Winter (1905 – 1976) zur Aufgabe geworden, nach einer Erneuerung zu streben.

Dies war ein großer gesellschaftlicher Auftrag, der sich allen Künsten in der Bundesrepublik stellte. Das Werk von Fritz Winter steht für die Kontinuität abstrakter Malerei in Deutschland. Winter war Meisterschüler von Kandinsky am Bauhaus in Dessau (1927 – 1930). Die Miniaturen in der Ausstellung belegen diese Kontinuität bis zu Winters Tod 1976. Als er 1949 aus russische Kriegsgefangenschaft kam, fand er in München Anschluss an die Gruppe Zen 49, in der sich die süddeutschen Abstrakten zusammenfanden, die in der Nazizeit als entartet diffamiert und durch Ausstellungsverbote verfolgt waren. Einer der Mitbegründer des Zusammenschlusses ist Rolf Cavael, der durch zwei Arbeiten vertreten ist. Zu Zen fanden auch der Junge Westen Kontakt, die Gruppe Quadriga aus Frankfurt am Main und andere.

Die Quadriga bildeten die Künstler Otto Greis, Karl Otto Götz, Bernard Schultze und Heinz Kreuz. Sie sind in der Ausstellung zu sehen und fanden als erste Künstler in Westdeutschland den Anschluss an das internationale Informel. Mit Hans Jaenisch aus Berlin, Ernst Wilhelm Nay aus Köln in unserer Ausstellung vertraten diese Künstler, neben vielen anderen, ein besseres junges Deutschland in internationalen Ausstellungen weltweit und schufen neues Vertrauen.

In Herbert Bauer, Friedemann Hahn, Paul Schwietzke stellen wir Schüler dieser Maler vor, von denen etliche, wie Götz, Winter und Jaenisch, Professuren an deutschen Kunstakademien hatten. In einer Gegenbewegung auf die abstrakten Bildwelten kommt es 1968 zu einer gesellschaftlichen Infragestellung und Trends politischer und phantastischer Kunst. Thomas Beyerle, Bernhard Jäger, Klaus Böttger vertreten diese in der Ausstellung. Begleitet von bildhauerischen Arbeiten von Karl-Henning Seemann, Richard Hess, Thomas Burhenne, Harald Jedgozinsky, Vitali Safronov u.a.  zeigt die Ausstellung auch in der Skulptur Lehrer-Schüler-Verbindungen und den Dialog zwischen Abstraktion und Realismus.