Brunnendaifi vor dem Rathaus fand ohne den Ortsvorsteher statt

Bauaktion sorgt für politische Verwicklungen und einige offene Fragen – Staatsbesuch war nicht angekündigt

Mit höchster Orts- und Narrenprominenz fand am Fasendsamstag die Aufstellung des Narrenbrunnens auf dem Unterharmersbacher Rathausplatz statt. Allerdings gibt es wohl politische Verwicklungen. Die Schwarzwälder Post hat recherchiert.

Aber der Reihe nach: Am Fasendsamstag-Nachmittag herrschte vor dem Unterharmersbacher Rathaus bei strahlendem Sonnenschein reges Treiben: Das Brunnenaufstellkommando der Narrenzunft Zell mit Zunftmeister Clemens Halter an der Spitze hatte ganze Arbeit geleistet. Der Narrenbrunnen nach historischem Zeller Vorbild und den Brunnenfiguren Wagner, Schütze, Bobesch und Eckwaldpuper war in kürzester Zeit gebaut.

»Noch Jahrzehnte langer Planung isch’s endlich sowitt, drum sin alle do, die gonze Lit«, frohlockte Zunftmeister Halter in seiner Brunnenansprache. Der Zeller Schultes Günter Pfundstein sprach sogar von einem historischen Moment. Selbst Ortsvorsteher a. D. Hans-Peter Wagner hatte sich vor Ort ein Bild von den Bauausführungen gemacht.

Bemerkt wurde allerdings gleich bei der Brunnedaifi, dass der neue Ortsvorsteher Ludwig Schütze beim Festakt nicht vor Ort war. »50 Liter Bier het er om Feschtbankett versprochen, doch jetzt het er sich noch Bibere verkrochen«, monierte Zunftmeister Clemens Halter.
Wir fragten beim fehlenden Ortsvorsteher nach. »Es gehört zu den internationalen Gepflogenheiten, dass hohe Staatsbesuche angekündigt werden«, war von Ludwig Schütze zu hören. Er habe zu diesem Zeitpunkt wich­-tige Repräsentationspflichten wahrgenommen, um die guten Beziehungen zu Biberach zu pflegen.

Gegen den Brunnen sei im Grunde genommen nichts einzuwenden. Der Vorschlag müsse nur noch der Prüfung durch den Hexenrat und den Ortschaftsrat bestehen. »Wir freuen uns, dass sich die hochwohllöbliche Narrenzunft Zell so viele Gedanken um uns macht«, stellte Ortsvorsteher Schütze fest: »Das zeigt doch, wir werden ernst genommen!«

»Ich stehe zu meinem Wort«, versicherte Schütze auf die Nachfrage nach den 50 Litern Freibier. Die habe er beim Festbankett allerdings der Hexenzunft Unterharmersbach zugesagt. Er könne sich nun nur vorstellen, dass sich die Narrenzunft aus dem Ortsteil Hombe-West der Hexenzunft vom Hombe anschließen wolle. Über den Stand der Verhandlungen sei er aber noch nicht in Kenntnis gesetzt worden. Grundsätzlich könne er sich, so Ludwig Schütze, so einen Zusammenschluss gut vorstellen. Dann könnte zukünftig der Zunftabend in der Schwarzwaldhalle an einem Abend stattfinden, da dort mehr Platz ist als im KuVz. Außerdem sei der Zunftabend ohnehin schon zu 80 Prozent mit Hombacher Themen besetzt. Ortsvorsteher Ludwig Schütze versprach: »Wenn der Zusammenschluss kommt, werde ich meine Spende auf 100 Liter Freibier verdoppeln!«

Schwarzwälder Post – Ihre Druckerei im Mittleren Schwarzwald