Eine Ära geht zu Ende: Autohaus Schülli schließt zum Jahresende

Kfz-Meister Josef Schülli geht mit 67 Jahren in den Ruhestand – Rahmenbedingungen für kleine Werkstätten immer schwieriger

Nahezu 70 Jahre lang von Anfang der 1950-er Jahre war das Autohaus Schülli der Partner rund ums Auto und Zweiräder. Zum 31. Dezember 2019 geht die Firmengeschichte nun zu Ende. Die Autowerkstatt wird geschlossen. Für die benachbarte Tankstelle sind die Weichen gestellt. Diese wurde von der ZG Raiffeisen gekauft und wird auch in Zukunft fortgeführt.

Inhaber Josef Schülli ist ein Kfz-Meister mit Leib und Seele. Es gab kein Motorroller oder Motorrad, das er nicht warten konnte, und auch bei den meisten Automarken war er als versierter Fachmann im Einsatz. Ein großer Kundenkreis hat auf sein Können vertraut und so ist das Autohaus Schülli zu einem stattlichen Handwerksbetrieb mit zwischenzeitlich sieben Mitarbeitern in der Kfz-Werkstatt angewachsen. Seine Frau Ursula Schülli betreute die Kunden an der Tankstelle und im Ladengeschäft.

Jetzt, im Alter von 67 Jahren, hat sich Kfz-Meister Josef Schülli dazu entschlossen, in den Ruhestand zu gehen. Es ist aber nicht nur das Alter, das ihn zur Schließung des Handwerkbetriebs mahnt. Die Rahmenbedingungen für kleine Kfz-Werkstätten werden immer schwieriger. Wer neue Autos reparieren will benötigt die entsprechenden Diagnosegeräte mit der dazugehörigen Software. Der Zugang dazu werde immer schwieriger – und auch teurer. Josef Schülli ist sich sicher, dass noch viele der kleinen Werkstätten vom Markt verschwinden werden.

Ursprung war eine Fahrradwerkstatt

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine über 60-jährige Firmengeschichte. Kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs hatte Josef Schülli senior – er war gelernter Keramikmaler – in einem Nachbarhaus mit einer Fahrradwerkstatt begonnen. In den 1950-er Jahren kamen dann die ersten Motorräder der Marke Horex und Triumph und die ersten Autos hinzu. Ende der 1950-er Jahre wurde der Betrieb um eine Tankstelle erweitert.

Auch baulich entwickelte sich der Unterharmersbacher Handwerksbetrieb. 1957 baute Josef Schülli senior ein Wohnhaus und vergrößerte die Werkstatt. 1965 erfolgte dann der Neubau mit Ausstellungsraum direkt an der Hauptstraße, der dem Geschäft bis heute sein Gesicht gibt.

Josef Schilli hat bei seinem Vater die Lehre zum Kfz-Mechaniker absolviert und 1978 die Meisterprüfung abgelegt. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula hat er dann im Jahr 1986 das elterliche Geschäft übernommen und bis heute geführt. Ihre beiden Töchter haben inzwischen andere berufliche Wege eingeschlagen, sind im Lehramt und in der Verwaltung tätig.

Mehrere Interessenten für die Tankstelle

Seit Anfang des Jahres haben sich Josef und Ursula Schülli mit dem Gedanken getragen, beruflich kürzer zu treten. Ein Schritt sollte auch die Modernisierung der Tankstelle mit einem elektronischen Preisanzeigemasten sein. Im Zuge der L94-Sanierung hatte die Familie Schilli bereits erste vorbereitende Maßnahmen getroffen.

Im Gespräch mit dem Lieferanten hat sich dann ergeben, dass es für Tankstellen durchaus Interessenten gäbe. Schon kurze Zeit später konnten Gespräche mit ernsthaften Käufern aufgenommen werden. Inzwischen ist die ZG Raiffeisen Energie mit Sitz in Karlsruhe neuer Eigentümer der Gewerbeimmobilie und hat die Tankstelle komplett modernisiert.

So war für Josef Schülli nun der Schritt gekommen, sich auch von der Werkstatt zu trennen und den Betrieb zu schließen. „Es war eine schöne Zeit, aber es war auch immer sehr fordernd und anstrengend“, blickt das Unternehmerehepaar auf die langen Jahre ihre Selbstständigkeit zurück. „Jetzt haben wir es geschafft“, atmen beide aber auch hörbar auf.

Jetzt freuen sich Josef und Ursula Schülli auf mehr Unabhängigkeit und mehr Zeit für die gemeinsamen Hobbys. Als erstes steht ein gemeinsamer Skiurlaub mit den Familien ihrer Töchter auf dem Plan. Ansonsten sind die Schülli’s mit Fahrrad, Motorrad, Boot oder auf Schusters Rappen unterwegs. Auch Reisen in ferne Länder wollen sie unternehmen. Und mit Sicherheit wird Josef Schülli in seiner Freizeit ab und zu auch wieder den Blaumann anziehen und Werkstattluft schnuppern.

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