Der Spiegel einer Menschenseele

»Fantasie und Emotion in Farbe« – Übers Wochenende strahlten Bilder von Roland Mauch im Vereins- und Kulturzentrum

»Wer Herrn Mauch kennt, weiß um seine besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten«, betonte Bürgermeister Günter Pfundstein am vergangenen Freitagabend. So geschehen in seiner Rede anlässlich einer Vernissage im Großen Saal des Zeller Vereins- und Kulturzentrums »Obere Fabrik« – zur Eröffnung einer Ausstellung, in der Roland Mauch bis zum Sonntagabend Einblick in sein künstlerisches Schaffen der letzten Jahre gab.

Vor rund 20 Anwesenden hob Zell’s Oberhaupt zudem das Engagement des frisch gebackenen 80-Jährigen im Förderverein Zeller Kunstwege hervor. Ein neues Kunstwegekonzept, für das bei der letzten Gemeinderatssitzung der Startschuss gefallen sei, werde zusammen mit dem derzeitigen Rundofenprojekt ein Kunst- und Kulturzentrum am Standort der Oberen Fabrik entstehen lassen. Eines, das über die Gemarkungsgrenze hinaus Beachtung finden werde, wie Günter Pfundstein unterstrich.

Vor zehn Jahren, zu seinem 70. Geburtstag, hatte Roland Mauch als spät berufener freischaffender Künstler beschlossen, sich selbst und damit auch den Zeller Bürgern eine solche Ausstellung in direkter Nachbarschaft seines Ateliers in der Fabrikstraße 1 zu schenken – und dies fortan alle fünf Jahre.

Die Laudatio zur nun dritten Ausstellung dieser Art hielt heuer Wolfgang Hilzensauer – Vorstandsmitglied des Fördervereins Zeller Kunstwege, in deren Rahmen die Veranstaltung stattfand. »Er ist sein eigener Schöpfer in einem sich selbst geschaffenen Freiraum ohne Konventionen«, fasste er das Schaffen des gebürtigen Emmendingers und studierten Hochbautechnikers zusammen.

Roland Mauchs Hang zu Farben und Formen, zu Schönheit und Ästhetik ließen ihn für verschiedene Architekturbüros tätig werden, was ihn schließlich in seine Zeller Wahlheimat führte. Zum anderen widmete der Familienvater sich berufsbegleitend der Malerei.

Mehrfach begabt

Im Alter von 62 Jahren schließlich schloss er ein fünfjähriges Studium an der Akademie für bildende Kunst in Lahr ab und eröffnete ein Atelier. Gleichzeitig entwickelte er seine Fähigkeit auf dem Gebiet der Radioästhesie, der Lehre von Strahlenwirkungen auf Organismen. Und er qualifizierte sich zum Rutengänger mit der Fähigkeit, Wasseradern aufzuspüren.

»Beide Begabungen spiegeln sich in seinen Bildern wider«, verdeutlichte der Laudator, »sie strahlen eine hohe Energie aus.« Inspirationen holt Roland Mauch sich aus Studienaufenthalten im vor allem nordeuropäischen Ausland, doch auch aus sonstigen Erlebnissen sowie aus seiner Umgebung. So entstehen in Aquarell, Aryl und Guache gemalte Impressionen von Landschaften, aber auch Blumenbilder. Dies alles weniger in dem Versuch, die Realität abzubilden, sondern die Atmosphäre des Motivs einzufangen.

Ein solcher Schaffensprozess mit der Handschrift Roland Mauchs koste Kraft, setze Emotionen frei, fordere Farb-, Material und Fachkenntnisse, so Hilzensauer. »Gleich einer menschlichen Geburt schenkt Roland Mauch (…) dem Betrachter (…) eine neue Bildrealität mit einer persönlichen Botschaft.« Den theoretischen Anschauungen ließ der Laudator die konkrete Analyse von vier beispielhaften Werken Mauchs folgen, »natürlich, persönlich und subjektiv.«

Bildbesprechung

So zeigt das Aquarell »Erinnerungen an die Toskana« eine geheimnisvoll und verwunschen wirkende Frühlingslandschaft. Mit »angenehmer Weite« lädt sie zum Verweilen ein. Mit der Lenkung des Blickes auf ein einsames Haus aber auch zum Nachdenken. »Roland Mauch versucht, uns das Unsichtbare sichtbar zu machen«, so Wolfgang Hilzensauer in Anlehnung an ein Zitat Paul Klees (1879 – 1940).

Geheimnisvoll auch mag das Aquarell mit dem Bildtitel »Wald« auf den Betrachter wirken. Ganz anders hingegen die abstrakt in Acryl gefertigten »Erinnerungen an Santorin«, die an den Malstil des Kubismus erinnern. »Dieser behandelt primär die künstlerische Reduzierung eines Objektes auf geometrische Figuren/ Formen«, erläuterte Wolfgang Hilzensauer. Wobei in Roland Mauchs Bildkomposition Rivalitäten herrschten: zwischen geometrischen Formen, Licht, Schatten, Farbe.

Eine Polarisierung auf anderer Ebene zeigte eine – ebenfalls in Acryl gefertigte – großformatige Erinnerung an Island mit dem Titel »Feuer und Eis«. »Über allem bleibt die Erkenntnis, dass die Welt weder gut noch böse ist«, resümierte der Laudator, »scheinbar ein göttliches Spiel, wo alles seinen Platz und seinen Sinn hat.«

200 Jahre alter Brauch

Dem allen hatte Wolfgang Hilzensauer einen Blick in die Geschichte der Vernissage vorangestellt. Vor etwa 200 Jahren begann dieser Brauch. Die auszustellenden Bilder wurden in einer Halle oder einem Salon dicht nebeneinander und – mithilfe hoher Leitern – zum Teil übereinander aufgehängt. Und Künstler und Angestellte firnissten die Werke. Was bedeutete, dass es nach Klarlack roch – denn mit dem wurde jedes Bild zu seinem Schutz überzogen. »Im Lauf der Zeit entstand der Brauch, dieses »Firnissen«, das der förmlichen Ausstellungseröffnung voranging, mit einer Feier im Kreis von Freunden und Auftraggebern zu würdigen«, legte der Laudator dar: »Später fiel beides zusammen, und aus der Vernissage wurde die Ausstellungseröffnung.«

In seinem Schaffen treffend und einfühlsam beschrieben fühlte sich Roland Mauch durch seinen Vereinskollegen und Mitstreiter. Umso mehr, als man stets bedenken solle, »dass sich in jedem schöpferischen Werk eine zerbrechliche Menschenseele spiegelt«

Nicht weniger einfühlsam umrahmt wurde die Veranstaltung mit Gitarrenklängen von Konrad Vollmer und Farid Bel Seragui.

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