In Jerichow angekommen

Prädikant Gottfried Zurbrügg berichtet von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Sachsen-Anhalt

Für einige Wochen übernimmt Prädikant Gottfried Zurbrügg gerade wieder die Vertretung in Jerichow. Er berichtet für unsere Leser von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Sachsen-Anhalt:

Heute (17. Juni) war Dienstbeginn, aber durch Corona ist es noch sehr ruhig. Auf der langen Fahrt durch Deutschland fiel mir auf, wie viel sich doch in den letzten Jahren verändert hat. Über die A5, A6, A9, A2 gehen gewaltige Warenströme durch Deutschland. Zwischen Ost und West gibt es keinen Unterschied. Die A2 zwischen Hannover, Berlin und Frankfurt/Oder ist eine der großen Schlagadern geworden. Der West-Ost-Verkehr schickt einen LKW nach dem anderen hin und her. Die kleinste Baustelle führt zu kilometerlangen Staus. Sehr diszipliniert stehen die LKW hintereinander. Man lässt die PKW vorbeifahren und sehr großzügig einscheren. Wir waren sehr froh über das korrekte Verhalten, denn die Fahrt hätte sonst viel länger gedauert.

Wir fuhren über die A81 nach Würzburg und dann über die A71 nach Erfurt. Die Fahrt ging durch das grüne Herz Deutschlands und durch viele Tunnel durch den Thüringer Wald, den wir in der Zeit in Eisenach so schön kennengelernt hatten. Dann aber fuhren wir über die A4 und kamen voll in den Verkehr zwischen den großen Zentren Leipzig, Halle und Dresden. Auch hier pulst der Verkehr wie in den Industriezentren rund um Stuttgart oder gar bei Frankfurt. Die A9 war sehr schwierig zu befahren. Die A14 nach Magdeburg nicht weniger.

Aber dann fuhren wir über die Elbe, die zum Glück noch gut Wasser führt. Bei Burg bogen wir ab auf die Straße B1 nach Genthin. Auch hier sahen wir viele Laster und lebendigen Warenaustausch. Wie vergleichsweise ruhig war es vor vier Jahren, als ich das letzte Mal hier Dienst tat.

Einiges hat sich verändert. Viele Häuser in Jerichow wurden renoviert. Andere verfielen, weil immer noch die Eigentumsverhältnisse unklar sind. Auch nach so vielen Jahren noch!
Durch Corona haben viele Gaststätten dicht machen müssen. Gerade auf dem Lande fällt das sehr auf. Sachsen-Anhalt ist vom Tourismus abhängig. Der Elberadweg war eine wichtige Einkommensquelle, die ziemlich zum Erliegen gekommen ist.

Zentren, wie auch das Kloster Jerichow konnten sich halten und haben die Zeit genutzt, viel zu renovieren. Aber kleinere Betriebe mussten schließen.

Hier rauscht wortwörtlich Tag und Nacht der Verkehr vorbei. Ganz im Gegensatz zu früher sind Orte kein Grund zum Anhalten. Man ist so schnell vorbei und ständig unter Zeitdruck, dass eben nicht mehr Pause möglich ist oder gar Gemütlichkeit.

Die Gastlichkeit hat sich sehr gewandelt. Auch hier ist der schnelle Imbiss eingezogen. Obwohl ich die Qualität und den Service der türkischen Wirte nur loben kann.

Viel Schatten, viel Licht und eine strahlende Sonne über der weiten Landschaft.

Es ist schön hier und sehenswert, wenn man sich nur Zeit nehmen kann.

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