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Zell am Harmersbach, Zell-Unterentersbach | 13.07.2020

Kunst trotz Corona

Foto:
Die Lichtspiele einer Meeresbrandung und ihre Betrachter. Foto: Inka Kleinke-Bialy
von Hanspeter Schwendemann

»Man muss sich etwas einfallen lassen«, lachte Bertin Gentges am gestrigen Sonntag, mit Blick auf die überall vor und in seiner Galerie angebrachten Schilder mit der Aufschrift »Sie gefallen uns mit Abstand am bes­ten.« Coronabedingt hatte die offizielle Eröffnung der Ausstellung »Wasserlandschaften und Licht« Anfang März abgesagt werden müssen. Umso sicherer ging es bei der Abschlussveranstaltung zu, deren Veranstalter ebenso glücklich waren wie die vielen Besucher.

»Drinnen in der Galerie machen wir den Maskenball, hier draußen sind wir entspannt«, stimmte Bertin Gentges am vergangenen Sonntagmittag seine Finissage-Gäste ein. Deren überraschend hohe Zahl von knapp 70 freute ihn ebenso wie die Tatsache, den coronabedingten Ausfall der ursprünglich für den 07. März geplanten offiziellen Eröffnung der Ausstellung »Wasserlandschaften und Licht« mit Bildern von Lars Möller durch eine Abschluss-Matinee wieder wettmachen zu können.

Die Laudatio auf den in Hamburg kunstschaffenden Lars Müller hielt wie gewohnt der aus Friedberg angereiste Kunsthistoriker Friedhelm Häring – in ebenfalls gewohnt mitreißender Manier, ebenso emotional und humorig wie informativ.

»Nach dieser Coronazeit habe ich das Gefühl, dass alle das Bewusstsein dafür entwickelt haben, wie wichtig die Kunst ist – und zwar nicht nur die mit den Bildern und Skulpturen«, so der Promovierte, »sondern die Kunst in all ihren Sparten.« Das beifällige Gemurmel der Zuhörer wurde zum Gelächter, als Häring konstatierte: »Wenn man einmal nur auf das deutsche Fernsehprogramm angewiesen ist, ist das übel.« Auch für die Kommunikation untereinander sei sie wichtig, die Kunst. Wie denn auch die Bilder von Lars Möller.

Der ist den sogenannten Norddeutschen Realisten zuzurechnen – eine Vereinigung von MalerInnen, die laut Häring zu dem Besten gehöre, was es in Deutschland als Malergruppe gäbe. Eine Vereinigung, die die heute »etwas aus der Mode gekommene« Plein-Air-Malerei pflegt. »Die Künstler gehen wirklich raus, nehmen sich Themen und malen am Ort, was sie sehen«, erläuterte der ehe­malige Gießener Museumsdirektor.»Das heißt aber nicht, dass sie abmalen.« Vielmehr müsse man – wenn man realistisch male – alles besonders gut erfinden. Weil es in dieser Kunst darum geht, etwas einzubringen, was zum Eigentlichen gehört, was das Wesentliche ist, was auf den entscheidenden Inhalt der Dinge hinweist.

Lebensgesetz

Bei den von Lars Möller gemalten Meereswellen handele es sich zum Beispiel um ein Lebensgesetz. »Des Menschen Seele ist wie das Wasser: Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder runter zur Erde muss es«, zitierte des Künstlers Laudator aus Johann Wolfgang Goethes Gedicht »Geister über dem Wasser«. So stelle Möller bei seinen Wellenbildern inhaltlich mit ein, dass die Welle ein Zeichen der ewigen Wandelbarkeit in unserem Alltag sei: »Wir sehen die Welle und hören sie rauschen und begreifen doch auch, wie vergänglich das alles ist.«

Gleichzeitig aber steht die Welle für Stetigkeit, für unendliche Kraft – getreu dem Motto »steter Tropfen höhlt den Stein.« Gar als politisches Zeichen ist die Welle gemäß Häring zu betrachten: »Wenn wir nur – und das ist der Anspruch des Realismus – die Welt in ihrer Wahrheit und Wirklichkeit begreifen, geschult auch über die Natur, dann hat sie immer auch dieses Politische in sich: Dass wir nämlich wach sein müssen, emanzipierte Menschen sein müssen, an dieser Welt entscheidend teilhaben müssen«, erhob der 73-Jährige mahnend seine Stimme. Und genau das wollten die Menschen in Möllers Bildern: an dieser Welt Anteil haben – und im Dialog mit der Natur eine andere und bessere Welt schaffen.

Was wiederum den auch heute noch gültigen Anspruch der um 1.800 in Großbritannien entwickelten Plein-Air-Malerei ausmache, die ein Spiegel unseres de­mokratischen, bürgerlichen, menschlichen und freiheitlichen Bewusstseins sei.

»Der beste Nachfahre«

»Ich kenne kaum einen anderen Maler«, betonte Häring – unter anderem Kurator sowie Herausgeber und Verfasser von Kunstkatalogen –, »der wie Lars Möller in der Lage ist, mit einigen wenigen Strichen diese ganze Gewalt dieses riesigen gedanklichen Komplexes des Dialoges »Mensch und Natur« zum Ausdruck zu bringen. Er ist darin der beste Nachfahre eines Kaspar David Friedrich.«

Der habe sich und seinen Standort in dieser Welt überprüft, »und das macht Lars Möller in jedem seiner Bilder«. Ein Spiegel seines Wesens im Dialog mit der Gemeinschaft seien diese, ganz gleich, ob in Öl oder als – wie gezaubert wirkendes – Aquarell.

»Das Großartige am Bewusstsein der Plein-Air-Malerei ist, dass wir das – durchaus auch Bedrohlich wirkende – Draußen als etwas sehen können, das uns dennoch birgt«, konstatierte Häring, an ein fasziniertes Publikum gewandt: »Wenn Sie die Bilder von Lars Möller sehen, der nicht heiter und vordergründig daherkommt, sehen Sie zu einem guten Teil immer auch sich selbst – sehen sich vielleicht sogar ein bisschen in dem guten Teil der Melancholie.«

Denn: Gute Kunst sei immer auch ein Teil der von Dürer dereinst als Engel verewigten »Melanchonia«: Diese kennt die Zahl, kennt die Ordnung, und sie kennt die Vergeblichkeit. Die Bilder unserer Lebensreise seien flüchtig, so der Laudator im Fazit zu der erfolgreich verlaufenen Ausstellung, »aber das, was der Künstler festhält, ist immer Anker in der Zeit.«

War endlich wieder live bei einer seiner fulminanten Reden zu erleben: Der promovierte Kunsthistoriker Friedhelm Häring.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Galerist Bertin Gentges bei ­seiner kurzen Eröffnungsansprache.
Mit kräftigem Applaus bedankte sich der ausstellende Künstler Lars Möller für eine ebenso informative wie einfühlsame Laudatio.
Diese Brandungswellen laufen im wahrsten Sinne des Wortes über den Bildrand hinaus.
Der Platz vor der Galerie wurde nicht nur zu Speis’ und Trank, sondern auch zu intensiven Ge­sprächen benutzt – zum Beispiel mit dem Künstler.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Volles Haus – aber immer sicher, auf Abstand.
Foto: Inka Kleinke-Bialy

 

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