Danke für das Mitfahrbänkle

Gottfried Zurbrügg ist pensionierter Lehrer, Buchautor – und Prädikant. Er liebt das Leben und die Menschen, beobachtet genau und macht sich seine Gedanken. Die teilt er gerne mit den Lesern der »Schwarzwälder Post«. Er schreibt …

Die Idee ist wirklich gut, aber kann das funktionieren? Halten die Leute an und nehmen den Anhalter mit? Eine Idee ist nur gut, wenn man selber auch bereit ist, mitzumachen. Am Sonntagabend fuhren wir zur Winkelwaldklinik nach Nordrach. Am Bänkchen in der Nordracherstraße stand eine junge Frau mit Kopftuch. Meine Frau saß am Steuer und deshalb sagte ich: »Lass uns die Frau mitnehmen. Sie würde sicherlich nicht zu einem Mann einsteigen, aber du bist dabei.« Gesagt, getan. Sie schaute ein bisschen verwundert, als ich ausstieg und sie ansprach. Aber dann sah sie meine Frau am Steuer und freute sich mitgenommen zu werden. An der Auffahrt zur Klinik ließen wir sie aussteigen und bekamen ein freundliches Danke. Sieh an, es geht, freute ich mich.

Am Sonntag wollte ich zum Gottesdienst nach Nordrach Kolonie und stand dann selber an der Straße beim Bänk­le. Es fuhren einige Autos vorbei. Manche wiesen darauf hin, dass sie nur ins Dorf führen, aber dann hielt eine Frau, die selber zum Gottesdienst in die Kolonie wollte. Gern nahm sie mich mit. Nach dem Gottesdienst wartete sie auf mich. Zum Dank habe ich ihr ein Buch geschenkt. Das wurde nicht erwartet, aber ich wollte meine Unterschrift unter die wunderschöne Idee setzen, so den öffentlichen Nahverkehr einmal ganz anders möglich zu machen.

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