Haare schneiden, Aschermittwoch, Mondscheinwanderung und Christbäume:

Das alltägliche Leben mit dem Mond im Harmersbachtal

Oh Schreck, der Mond ist weg! So war es am Dienstagabend dieser Woche – aber nur für ein paar Stunden, als sich der Mond wegen einer partiellen Mondfins­ternis »angeknabbert« und ziemlich dunkel am Himmel präsentierte.

Am kommenden Sonntag ist es 50 Jahre her, dass der Mond »Besuch« von der Erde bekam: Am 21. Juli 1969 zu nachtschlafender, mitteleuropäischer Zeit um 3.56 Uhr landete »Apollo 11« auf dem Mond. Das Fernsehen übertrug das Ereignis in einer 28-stündigen Live-Sendung. Wer keinen eigenen Fernseher hatte, schaute bei Nachbarn oder Freunden und verfolgte auf grieseligen schwarz-weiß-Bildern, wie Neil Armstrong langsam die Leiter herabstieg und als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Kurz darauf folgte ihm Buzz Aldrin auf den Erdtrabanten.

Auf der Erde sorgt der Mond seit Menschengedenken für Ebbe und Flut – doch auch im Harmersbachtal macht er sich im Jahresverlauf bemerkbar. Verkäuferinnen berichten davon, dass an Vollmondtagen einige »spinnen« und sie diese Zeitgenossen am liebsten auf den Mond schießen würden. Ohne den Mond würde der Christbaum vielleicht früher nadeln, die Zimmerpflanzen würden möglicherweise nicht rechtzeitig gegossen, die Nordic-Walker und Wanderer würden bei der Nachtwanderung im stockdunklen Wald unterwegs sein. Die Chöre müssten bei ihren Konzerten auf das schöne »Abendlied« von Matthias Claudius (»Der Mond ist aufgegangen, die gold‘nen Sternlein prangen am Himmel hell und klar«) verzichten. Ohne den Mond gäbe es vor allem aber auch keine Fasend – weder in Zell, noch anderswo!

Bei Vollmond über Stock und Stein

Von Mai bis September lädt die Tourist-Info Zell a. H. einmal im Monat zur Vollmondzeit Wanderer und Nordic- Walker zur sportlich-romantischen Vollmondtour mit Einkehr ein – und das schon seit 2006, wie sich Marlies Hättich von der Tourist-Info erinnert. Kohlplatz und Buchen, Erbsengrund und die Nordracher Allmend waren schon Ziel der nächtlichen Streifzüge. Rund 60 Personen trafen sich am vergangenen Dienstagabend auf dem Kanzleiplatz und erlebten einen lauen Sommerabend in der Natur. Diesmal ging es mit Wanderführer Hubert Temme durch den Wald nach Oberentersbach, während Berthold Brosamer seine Nordic-Walking-Gruppe zur Friedenskapelle oberhalb von Oberentersbach leitete. Nach zwei Stunden trafen sich beide Gruppen zum Abschluss auf dem Gröbernhof bei einer feurigen Gulaschsuppe. Auf dem Heimweg verdunkelte sich gerade der Mond bei der partiellen Mondfinsternis.

Gärtnern mit dem Mondkalender

Haare schneiden, Fingernägel stutzen, Hornhaut entfernen – es gibt nichts, wofür der Mond nicht gut wäre. Einige Menschen schwören auf das Leben mit dem Mondrhythmus und richten sogar Operationen oder Zahnarztbesuche danach. Entsprechend gut ist der Absatz der Mondkalender, wie Petra Kühnpast von der Buchhandlung »Rund ums Leben« bei der Zeller Wallfahrtskirche aus langjähriger Erfahrung weiß. Sobald die ersten Mondkalender, meist zum Schulanfang, im Laden ausliegen, werden sie auch schon nachgefragt. Vor allem Gartenfreunde schwören darauf, um den richtigen Tag fürs Aussäen, Pflanzen und Umtopfen ablesen zu können – oder auch, wann die Zimmerpflanzen am besten gegossen werden.

Der richtige Zeitpunkt für Christbäume

Manche Weihnachtsbäume müssen schon zu Silvester weichen, andere dürfen noch bis Dreikönig stehen bleiben. Ob sie da schon ihre Nadeln verloren haben, hängt wohl auch von der Heizungsluft ab. Es gibt angeblich viele Tricks gegen das Nadeln, zum Beispiel den Stamm in Wasser mit etwas Zucker stellen. Tannen, die drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres geschlagen werden, sollen angeblich ihre Nadeln lange behalten. Das soll auch funktionieren, wenn der Christbaum zeitlich nah an Vollmond geschlagen wird: Bei Vollmond saugen die Bäume die meiste Flüssigkeit auf, der Stamm ist somit nass und die Nadeln haften deshalb länger. Ob’s stimmt? Einfach mal in diesem Dezember ausprobieren.

Ohne Mond gibt’s keine Fasend

Am Mond liegt’s, ob Fastnacht wie in diesem Jahr erst Anfang März und damit spät ist – oder wie in manchen Jahren schon Anfang Februar. Maßgeblich dafür ist Ostern. Der Ostersonntag ist immer der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, also nach dem 21. März. Und vom Ostersonntag wird zurückgerechnet: 46 Tage vor Ostern ist Aschermittwoch, und da beginnt bekanntlich die Fastenzeit. Da die Sonntage nach christlichem Brauch nicht mitgerechnet werden, beträgt die Fastenzeit nur 40 Tage. Wer nicht rechnen will, schaut einfach in den Kalender: 2020 fällt der Ostersonntag auf den 12. April – und Aschermittwoch ist demnach am 26. Februar.

Schwarzwälder Post – Ihre Druckerei im Mittleren Schwarzwald