Häkeln mit Gold und Silber

Elke Kövari ist Kunsthandwerkerin mit Leib und Seele – In der Oberstadt in Zell am Harmersbach hat sie seit vier Jahren ihr eigenes Schmuckgeschäft

Es leuchtet und funkelt im Schmuckladen von Elke Kövari: Colliers und Hals­bänder, Armreife und Ringe, Ohrclips und Broschen ziehen die Blicke auf sich. Sie sind gefertigt aus Gold- und Silberdraht, verziert mit edlen Natur- und Kunststeinen, glänzenden Muscheln und echten Perlen.

»Alles was Sie hier sehen ist selbst gefertigt«, versichert die versierte Kunsthandwerkerin. Ein Großteil der Schmuckstücke ist gehäkelt. Mit einer ganz normalen Häkelnadel, erklärt Elke Kövari. Die Colliers sind aufwändig verflochten, dezent sind leuchtende Swarovski-Steine oder matt schimmernde Perlen eingearbeitet. Sieben Stunden Arbeit benötigt sie für solch ein Schmuckstück, das es sonst in dieser Form nirgends zu kaufen gibt.

Alles sind Unikate, alle entstammen der Kreativität der Kunsthandwerkerin. Einige Broschen und Colliers stellt sie mit der Zange in Biegetechnik her. Diese Schmuckstücke wirken flächiger und verzaubern mit unregelmäßigen Formen. Auch hier arbeitet Elke Kövari Perlen, Steine oder kleine Goldnuggets ein.

Meine Mutter geht auch mit 100 Jahren nicht ohne Schmuck aus dem Haus

Die Freude am kreativen Kunsthandwerk und die Liebe an schönen Dingen wurden Elke Kövari schon in die Wiege gelegt. Ihr Vater war Ofen-, Fliesen- und Kesselbaumeister und hat unter anderem im Museum Weimarhaus einen prächtigen Ofen installiert. Ihre Mutter konnte in diesem Jahr den 100. Geburtstag feiern. Sie geht auch heute gut ge­kleidet und nicht ohne Schmuck aus dem Haus.

Die gebürtige Thüringerin hat zunächst bei der Firma

Zeiss in Jena eine Verwaltungslehre absolviert und hat später den Beruf der Friseurin erlernt. Ein knappes Jahr vor der Wende ist sie mit ihrem Mann, der ungarischer Staatsbürger ist, und ihren beiden Söhnen ganz regulär von der ehemaligen DDR nach Westdeutschland übergesiedelt. 25 Jahre lang hat die Familie Kövari in Pforzheim gelebt, wo Elke Kövari in der Modebranche gearbeitet hat. Vor viereinhalb Jahren ist die Familie nach Zell umgezogen. Freunde leben hier, die sie schon über 50 Jahre kennen, berichtet Elke Kövari. Dies gab den Ausschlag dafür, dass sie Zell am Harmersbach zu ihrer neuen Heimat gemacht haben.

Kundschaft aus der Region, der Schweiz und Frankreich

Zunächst habe sie die Schmuckstücke nur für den Eigenbedarf hergestellt, berichtet Elke Kövari. Nach und nach wurde aus ihrem Hobby ein Handwerk. In der Schmuckstadt Pforzheim wurde ihre Schmuckkunst von einem Händler in seinem Geschäft und in Baden-Baden von einem Galeristen angeboten. Auch in ihrem Zeller Geschäft hat Elke Kövari nicht nur Kunden aus der Region, sondern beliefert Kunden aus der Schweiz oder aus Frankreich. »Ich fertige auch Schmuckstücke ganz individuell nach Kundenwünschen an«, unterstreicht sie ihre Vielseitigkeit. Das Angebot reicht von preiswertem Silberschmuck bis hin zu teuren Colliers. »Für jeden ist etwas dabei«, lädt Elke Kövari zu einem Besuch ein. »Einfach reinschauen, man muss ja nicht gleich was kaufen«, zeigt sie sich kontaktfreudig und offen.

Elke Kövari häkelt aber nicht nur mit Gold und Silber, sondern auch mit Wolle und Garnen. Ihre Mützen und Schals tragen die Handschrift der versierten Kunsthandwerkerin und sind teilweise aufwändig verziert mit Blumen und Rosetten. Ein Schmuckkragen aus Wolle und mit eingearbeiteten Perlen sieht nicht nur schön aus. In der kalten Jahreszeit wärmt er seine Trägerin auch noch.

Elegante Cocktailtaschen, selbstverständlich von Elke Kövari selbst genäht und verziert, finden sich in der Schatzkiste der Kunsthandwerkerin. Mitten im kleinen Geschäft befindet sich ihr Arbeitsplatz, an dem sie ihre filigranen Arbeiten ausführt. Immer wieder wagt sie sich an neue Arbeiten heran. Mit handgezeichneten Grafiken hat sie gerade eigene Kalender entworfen.

»So lange ich Freude an meinem Kunsthandwerk habe, werde ich weiter­machen«, blickt die 72-jährige in die Zukunft. Ihr Mann Sandor Kövari arbeitet im Puppenmuseum und führt dort Besucher und Gruppen durch das Nordracher Klein­od. Für die Einkaufsstadt Zell am Harmersbach wünscht sie sich mehr Kreativität und mehr Zusammenhalt. Ein großes Hobbykünstlergeschäft, in dem mehrere Kunstschaffende eine Parzelle anmieten und das Geschäft gemeinsam betreiben, könnte ein Anziehungspunkt sein.

Auch die Zusammenarbeit der Einzelhandelsgeschäfte könnte weiter ausgebaut werden. »An den verkaufs­offenen Sonntagen kommen immer so viele Menschen nach Zell. Das sollte auch unterm Jahr noch besser gelingen«, wünscht sich Elke Kövari. Der Wegzug der Ortenauklinik und die L94-Baustelle würden sich negativ auf das Geschäft auswirken. Dennoch ist die Wahl-Zellerin überzeugt von Zell. »Die Altstadt ist so schön«, schwärmt Elke Kövari und auch ihre Bekannten seien beeindruckt, wenn sie zu Besuch kommen: »Zell ist wie eine Märchenstadt.«