Zwischen Gedenken und Fasching

Gottfried Zurbrügg ist pensionierter Lehrer, Buchautor – und Prädikant. Bei seinen Einsätzen in anderen Kirchengemeinden lernt Gottfried Zurbrügg viele Menschen und besondere Orte kennen. Seine Erlebnisse in Bad Bibra teilt er gerne mit den Lesern der »Schwarzwälder Post«. Er schreibt …

»Das passt irgendwie nicht zusammen, aber trotzdem halte ich so meine Gottesdienste in den Dorfkirchen. Es ist November und die Friedhöfe werden geschmückt und die Erinnerung an die Verstorbenen des Jahres ist allen ganz wichtig. Die Dorfgemeinschaft endet nicht, sondern der Friedhof ist rund um die Kirche und die Verstorbenen gehören einfach dazu. Am 11. November beginnt der Fasching, wie man hier sagt, und der Karneval, wie ich auch auf Plakaten lese, ist den Menschen hier ganz wichtig. Noch kein Straßenkarneval, aber in die Gemeindehallen geht am Samstag die Post ab. Um 16 Uhr war der Gottesdienst in der winzigen Kirche in Burgheßler, aber um 18 Uhr begann die Faschingseröffnung mit der Blaskapelle, den Tanzmariechen und viel, viel Spaß. Leider konnte ich keine Fotos machen, da das aus urheberrechtlichen Gründen verboten war, aber wir haben mit wenigen Besuchern in der Kirche einen beeindruckenden Gottesdienst gehabt, beeindruckend, weil die wenigen Besucher sehr intensiv für ihre Verstorbenen gebetet haben.

Dann um 18 Uhr trafen wir uns in der vollbesetzten Halle und hatten viel Spaß am Programm. Allen ist es ganz wichtig, dass einmal im Monat ein Gottesdienst stattfindet, denn nur so »lebt das Dorf«, wie man mir sagte.

Am Sonntag hatte ich zwei Gottesdienste, in Wallroda und in Bad Bibra. Am Nachmittag besuchte ich das Schloss Schleidungen an der Unstrut. Ich wollte doch gerne eine Burg im Burgenland kennenlernen. Die Schlosskirche war erleuchtet. Dort hielt die Pfarrerin von Laucha ihren dritten Gottesdienst an dem Sonntag. Sie meinte: »Fünfzehn Dörfer sind gut zu schaffen, aber nun soll die Zahl auf 17 erhöht werden und das ist leider unmöglich.« Trotzdem wird es so kommen und manche Dorfkirche nicht mehr betreut werden können.

Entscheidend sind auch hier die Gottesdienstbesucher. »Wir stimmen immer wieder mit den Füßen ab, was wir erhalten wollen.«

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