Delegation aus der Ukraine informierte sich im Kinzigtal über das deutsche Gesundheitssystem

In der Ukraine steht eine große Gesundheitsreform bevor – Reformer wollen von den deutschen Erfahrungen lernen – Besuch der Stadt Zell stand am Freitag auf dem Programm

Eine Woche lang informierte sich eine hochkarätige und fachkundig besetzte Delegation aus der Ukraine über das deutsche Gesundheitssystem und nahm vor allem das Projekt „Gesundes Kinzigtal“ in den Blick. Zum Besuchsprogramm gehörte am Freitag auch ein Empfang der Stadt Zell. Im Anschluss zeigte Generalkonsul Wolfgang Mössinger den Gästen seine Heimatstadt Zell a. H.

»Die Ukraine steht vor einer großen Gesundheitsreform«, informiert Generalkonsul Wolfgang Mössinger, dessen Dienstort seit drei Jahren in der ostukrainischen Stadt Dnipro liegt. Das deutsche Generalkonsulat, das noch immer nach dem ursprünglichen Standort »Generalkonsulat Donezk« benannt ist, unterstützt die pro-westlichen Reformkräfte und organisierte unter anderem Ende 2016 einen Vortrag des deutschen Arztes und Gesundheitspolitikers Dr. Ellis Huber. Dieser sprach über die Stärken und Schwächen des deutschen Gesundheitssystems und rückte das Projekt »Gesundes Kinzigtal« als ein einzigartiges Reformprojekt in den Blickpunkt.

Das »Gesunde Kinzigtal« kennengelernt»

Die Fachleute aus der Ukraine hatten nach dem Vortrag ein großes Bedürfnis, das Gesunde Kinzigtal vor Ort kennenzulernen und zu erfahren, wie diese Initiative umgesetzt wird«, berichtet Generalkonsul Wolfgang Mössinger. Er wiederum sorgte mit seinen Kontakten dafür, dass die GIZ, die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, die Organisation, die die Entwicklungshilfe der Bundesregierung umsetzt, die Studienreise ins Kinzigtal durchgeführt und auch finanziert hat.

Angeführt wurde die ukrainische Delegation von My­kola Baksheev, Bürgermeister der 30.000 Einwohner zählenden Stadt Pjerwomaiske in der Region Charkiv, Tetyana Gavrysh, Honorarkonsulin und Rechtsanwältin in der Stadt Charkiv, sowie Elena Reshetnyak, der Vorsitzenden der Reformgruppe.

Von Dienstag bis Donnerstag informierten sich die Besucher drei Tage lang beim Gesunden Kinzigtal in Hausach, welche neuen Wege man zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung eingeschlagen hat. Am Freitag besuchte die Delegation die Lebenshilfe und den Club 82 in Haslach, die DRK-Rettungswache in Hausach und
das neu besetzte Medizinische Versorgungszentrum in Zell a. H.

Medizinische Versorgung im ländlichen Raum

In Vertretung von Bürgermeister Günter Pfundstein, der sich gerade im Sommerurlaub befindet, empfing Bürgermeister-Stellvertreter Hannes Grafmüller die Delegation aus der Ukraine und Generalkonsul Wolfgang Mössinger. Im gemeinsamen Gespräch ging es vor allem um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Grafmüller berichtet, dass die Stadt Zell schon in den 1980er Jahren ihr Krankenhaus verloren habe. Auch die Niederlassung von Haus- und vor allem von Fachärzten stelle heute für den ländlichen Raum ein Problem dar. Die Stadt habe nur wenig Möglichkeiten, den Strukturveränderungen entgegen zu wirken. Die Bereitstellung von Räumen zu günstigen Mietkonditionen nannte Grafmüller als eine der Maßnahmen. Von starken Kürzungen im Gesundheitswesen berichteten die Fachleute aus der Ukraine. Bisher lag das Gesundheitswesen komplett in staatlicher Hand. Jetzt soll ein dezentral organisiertes Hausarztsystem nach deutschem Vorbild eingeführt werden. »Wir wollen von den deutschen Erfahrungen lernen«, bedankten sich die Gäste aus der Ukraine für die offenen Gespräche.

Eindrücke aus dem Schwarzwald

Neben den fachlichen Informationen konnten die Studienreisenden auch einige schöne Eindrücke aus dem Schwarzwald sammeln. So besuchten sie unter anderem die Vogtsbauernhöfe in Gutach. Untergebracht waren sie im Hotel »Bären« in Oberharmersbach.

Nach dem Empfang im Rathaussaal zeigte Stadtführer Hubert Temme den Gästen das Zeller Städtle und das Storchenturm-Museum. Wolfgang Mössinger begleitet einen Teil der Gruppe in das Villa Haiss Museum für zeitgenössische Kunst, wo sie vom Galeristen Walter Bischoff begrüßt wurden. Hier wie dort zeigten sich die Besucher beeindruckt von dem Gesehenen.

Der Generalkonsul verbringt gerade den Sommerurlaub in seiner Heimatstadt, den er gerne unterbrach, um die Besucher aus der Ukraine zu begleiten, von denen einige zu seinen persönlichen Bekannten gehören. Wolfgang Mössinger betonte: »Es war ein Treffen mit Freunden.«