Zum Schluss wurde zur Musik vor der Leinwand getanzt …

Ein Interview mit Curt Prinzbach über ganz große Zeller Open-Air-Kino-Momente, die ersten Stunden und eine Panne

Kinoinhaber Curt Prinzbach und Marco Stehle sind seit 20 Jahren die Männer an der Technik. Am 11. Juli 1997 zeigten sie gemeinsam den ersten Film unter freiem Himmel. »Knocking On Heavens Door« schauten sich damals 244 Kinobesucher auf den Kanzleiplatz an. Zuvor hatte sich Curt Prinzbach zur Investition in die Vorführtechnik entschieden. Wir haben mit ihm über die Idee, den Anfang und 20 Jahre Kino-Open-Air in Zell gesprochen.

Wie hat es vor 20 Jahren begonnen – springen Sie mit uns in die Zeit zurück?

Ich hatte gerade mit dem Bau des neuen Skalas begonnen, war also finanziell sehr engagiert. Und dann fragte mich Lilo Riegger, die damalige Leiterin der Tourist-Information: ›Herr Prinzbach, können sie in Zell nicht Open-Air-Kino machen?‹ Das Equipment hat damals 30.000 D-Mark gekostet – aber irgendwie hat mir die Idee gefallen. Ich hab ja gesagt.
Damals war Marco Stehle bei mir im Kino angestellt. Als er hörte, dass ich Open-Air-Kino mache, fragte er, ob er nicht den Ton machen kann. Seit 20 Jahren ist er nun dabei und macht es mit Perfektion. Ich glaube, er wäre mal richtig böse, wenn ich einen Stummfilm zeigen würde.

Was ist heute anders im Vergleich zu früher?

Seit drei Jahren sind wir »digital«. Wir nutzen für die Filmvorführung Beamer und Rechner. Bis dahin war die Technik »analog«. Wir hatten für jeden Film mindestens zwei Spulen mit je 1.800 Metern. Für den Spulenwechsel musste der Film kurz unterbrochen werden. … Im Nachhinein betrachtet, waren die Pausen eigentlich ganz gut. Kino-Besucher konnten sich nochmal etwas zu trinken holen oder schnell auf die Toilette gehen.

Welche Filme funktionieren Open-Air besonders gut?

Es sind meist nicht die ganz neuen Filme. Eher die Filme, die im Kinosaal bereits gut ankamen und von denen die Kinobesucher im Nachgang begeistert berichten. Wenn solche Filme Open-Air gezeigt werden, dann heißt es »toller Film, den schauen wir Open-Air nochmal an!«

Gab es in 20 Jahren auch mal Pannen?

Ja eine, beim Film »Titanic«. Alles war vorbereitet. Die Probeläufe für Bild und Ton hatten geklappt. Und dann zündete zum Vorstellungsbeginn die Xenon-Birne des Projektors nicht mehr. Ich muss dazu sagen, die Birne wird mit Hochspannung gezündet. Die schaltet man nicht einfach ein, wie eine Glühbirne.

Wir haben eine halbe bis dreiviertel Stunde probiert sie wieder in Gang zu bekommen. An diesem Abend war ein enormer Andrang. 500 Kinobesucher saßen auf dem Kanzleiplatz.

Doch dann, auf einmal, wie von Geisterhand, fing die Lampe wieder an zu leuchten. Wir haben sie den ganzen Abend nicht mehr abgeschaltet. So ist die Titanic doch noch auf dem Kanzleiplatz gesunken.
Aber sonst hat in all den 20 Jahren jede Vorführung funktioniert. Toi toi toi! Vorausgesetzt das Wetter machte mit.

Das Wetter hat eine wichtige Rolle:

Das viele Equipment bauen wir auf, ohne die 100-prozentige Sicherheit zu haben, dass das Wetter auch während der ganzen Vorstellung hält. Ab und zu wurden Vorstellungen im Vorfeld wegen Regen abgesagt. Aber manche mussten leider während der Vorstellung abgebrochen werden. Von einer Minute auf die andere, zeigte sich das Wetter von seiner unschönen Seite. An einem Abend gab es zum Beispiel im wahrsten Sinn einen ›Gong‹. Als der Hauptfilm begann krachte ein Donner­schlag – und die Leinwand riss herunter.

Wir haben aber auch schon besondere Wetterwechsel erlebt. Beim Film »Mamma Mia« hat es während der Vorführung begonnen zu regnen. Die Leute haben schnell ihren Regenschutz rausgekrempelt und ausgeharrt. Eine Viertelstunde später hörte es auf zu Regen. Zum Schluss wurde zur Musik vor der Leinwand getanzt.

Ein großartiger Moment?

Ja! Der Film hat gepasst, das Wetter hat hingehauen und die Leute warn so gut drauf, dass sie sogar zu Tanzen begannen.
Open-Air-Kino ist eigentlich immer eine herrliche Sache, vor allem vor der Kulisse des Storchenturms. Wenn der Mond hinter der Gebäude-Silhouette empor steigt. Das sind ganz große Zeller Open-Air-Kino-Momente. Einfach gigantisch!

Was macht das Open-Air-Kino für Sie ganz persönlich zu etwas Besonderem?

Wenn der Film funktioniert, wenn ich spüre, dass den Zuschauern der Film gefällt, sie emotional mitgehen und zum Schluss applaudierten – sich sogar für den schönen Abend bedanken. Das freut mich. Für gute Resonanz »wie schön der Abend war« macht man es immer wieder gern.

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