Zur Hindenburgstraße

Gemeinderat diskutiert Montag Antrag der SPD – Wie kam es zur Benennung der »Hindenburgstraße«

Am kommenden Montag wird im Zeller Gemeinderat ein Antrag der SPD zur Hindenburgstraße diskutiert. Dieter Petri, Geschichtsforscher und Verfasser der Chronik »Zell a. H. im Wandel der Zeit«, hat vor vier Jahren eine kurze Information geschrieben, die erklären soll, wie es zur Benennung der »Hindenburgstraße« kam.

Als Adolf Hitler 1933 in Deutschland an die Macht kam, brachte dies auch für seine Anhänger in Zell a. H. den politischen Aufschwung. Obwohl sie zunächst nur zwei Sitze im sechsköpfigen Gemeinderat einnahmen, wurde am 28. April ein Mitglied der NSDAP zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Sein Vorgänger im Amt, August Schwab, war aus dem Gemeinderat ausgetreten. Seine Partei, die SPD, hatte in Berlin gegen das Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers gestimmt. Der politische Wind, der Schwab ins Gesicht wehte, veranlasste ihn zum Rückzug.

Vor dem Ermächtigungsgesetz waren die beiden NS-Gemeinderäte mit ihrem Antrag, am Storchenturm die Hakenkreuzfahne zu hissen, noch abgeblitzt. Am 1. Mai jedoch pflanzten sie, ohne die Entscheidung des Gemeinderats abzuwarten, für Ehrenbürger Adolf Hitler beim Weißen Kreuz eine Eiche. Der Gemeinderat unterschrieb nachträglich die Urkunde für Hitlers Ehrenbürgerschaft. Ferner folgte der Gemeinderat dem Antrag der NS-Anhänger, die Hauptstraße in Adolf-Hitler-Straße und die Friedrich-Ebert-Straße in Hindenburgstraße umzubenennen. Das Bezirksamt genehmigte indessen nur bei der zweiten Straße die Umbenennung.

Friedrich Ebert war der erste gewählte Reichspräsident der Weimarer Republik. Er gehörte der SPD an. Die Umbenennung der Straße in Zell richtete sich gegen die parlamentarische Demokratie und die SPD, die sich der Gefolgschaft Hitlers verweigerte. Dass stattdessen der Name »Hindenburg« die Straße zieren sollte, ist kein Zufall. Trotz verlorenem Krieg genoss General Hindenburg ein allgemeines Ansehen. Insbesondere die Nationalsozialisten favorisierten ein militärisches Menschenbild, dem Hindenburg entsprach. Hinzu kam, dass Hindenburg als Reichspräsident kurz zuvor Adolf Hitler mit der Regierungsbildung beauftragt und damit politisch in den Sattel gehoben hatte.

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