Wald und Holz – Das ist Unser Ding

Kunst an der Grenze des Möglichen

Ein Besuch im Atelier des Holzbildhauers Armin Göhringer

Im Atelier des Holzbildhauers Armin Göhringer entstehen aus massiven Baumstämmen filigrane Skulpturen. Sie wirken zerbrechlich. Der Künstler treibt das Spiel der Kräfte bis zum Äußersten. Mit der Kettensäge.

Senkrechte Linien, waagrechte Linien. Aufgeschnittenes Holz. Schwere Holzblöcke, die von dünnsten Streben getragen werden. Leichtigkeit und Schwere. Oben und unten, vorne und hinten. Löcher, durch die das Licht fällt, massives Holz. Balance. Unglaublich fein gearbeitet. Kaum zu glauben, dass all das mit der Kettensäge entstanden sein soll. Und doch ist es so. Armin Göhringer beherrscht den Umgang mit dem martialischen Werkzeug meisterhaft.

Aus einem Stück

Mit seinen Skulpturen tastet sich Göhringer immer wieder an die Grenzen des Möglichen heran. Bekannt seine Arbeiten, bei denen er aus dem Stamm Blöcke herausarbeitet, die durch dünne Stege getragen werden. Untrennbar verbunden und zwingend notwendig. Wegnehmen kann man bei keiner der Skulpturen auch nur einen einzigen Steg, ohne dass das Gebilde zusammenbrechen würde. Verletzbarkeit und Druck, Kraft und Stabilität, Stützen und Verbinden, Kopf und Körper – all das sind Themen, die Göhringers Kunst innewohnen. Alles immer aus einem Stück durch das Wegnehmen dessen, was zu viel ist. Das Grundmaterial kann Eiche sein. Genauso gut können auch andere Hölzer zum Einsatz kommen. Mammutbaum, Akazie und Nussbaum, Mahagoni, Robinie und Kirsche zum Beispiel. Lange Holzfasern, kürzere Holzfasern? Was braucht die Idee? Bleibt das Holz unbehandelt? Wird es lasiert, geschwärzt, geweißt? Den Vergleich mit Stahl und Beton muss Holz in Sachen Belastbarkeit nicht scheuen. Im Gegensatz zu diesen Materialien ist es die Natur selbst, die das Holz erzeugt.

Die wahre Kunst

»Die wahre Kunst ist nicht die Sägerei«, sagte der Künstler kürzlich über sein Schaffen im Rahmen einer Ausstellung in Konstanz. »Es ist die Skizze, der Entwurf, die Idee, die geistige Arbeit vor der köperlichen.« Die grobe Kettensäge ist für ihn zu einem chirurgischen Werkzeug geworden, mit dem er seine Ideen umsetzt. Die Schwertspitze der Säge so zu führen, dass hauchzarte Gitter entstehen und der Stamm in feinste Schichten zerteilt wird ohne zu brechen, grenzt für den Betrachter an ein Wunder. Göhringer geht an den Kern des Stamms, bringt durch das Herausschneiden von Holz Licht in Bereiche, die sonst im Dunkel liegen würden. Insofern kann diese Kunst in Pandemiezeiten helfen, sich einmal mit anderen Gedanken zu beschäftigen. Groß-Skulpturen des Künstlers kann man zum Beispiel in Zell entlang der Kunstwege erleben. Kleine Arbeiten sind im Fester des ASAS in der Hauptstraße 40 zu sehen.

Über den Künstler

Armin Göhringer wurde 1954 in Nordrach geboren. Nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main kehrte er in den Schwarzwald zurück und lebt seitdem in Zell. Das Atelier befindet sich in Nordrach. Göhringers Arbeiten sind international gefragt. Sie werden im Rahmen von Ausstellungen und Kunstmessen gezeigt und prägen vielerorts den öffentlichen und sakralen Raum.

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