Land fördert und fordert Schutz vor dem Wolf

Schafe, Ziegen und Gehegewild stehen im Blickpunkt – Förderquote für technische Maßnahmen leigt bei 90 Prozent – BLHV kritisiert das Tierhalter Arbeitszeit tragen

Die Gemeinde Nordrach liegt am süd-westlichen Rand der »Förderkulisse Wolfsprävention«. Das gab Bürgermeister Carsten Erhardt am Montag in der Gemeinderatsitzung bekannt. Nutztierhaltern innerhalb dieser Kulisse erstattet das Land 90 Prozent ihrer Kosten zum Schutz vor Wolfsübergriffen.

Ende Mai hat das Umweltministerium im Nordschwarzwald, nach dem ein Wolf in Bad Wildbad 44 Schafe riss, die »Förderkulisse Wolfsprävention« ausgewiesen. In diesem Gebiet übernimmt das Land, wie es in seiner Pressemitteilung schreibt, 90 Prozent der Kosten, die Schaf-, Ziegen und Gehegewildhaltern bei der Anschaffung von Materialien für Herdenschutzmaßnahmen entstehen.

Auf Antrag werden Elektrozaungeräte mit mindestens 4.000 Volt, ein Elektronetzzaun mit einer Mindesthöhe von 90 Zentimetern, mindestens 5 Litzen, maximal 20 Zentimeter Bodenabstand der unteren stromführenden Litze gefördert. Weiter sind Flatterband und Zaunpfosten sowie Zubehör förderfähig. Auch ein Festzaun mit einer Mindesthöhe von 120 Zentimetern, mindestens 5 Litzen, maximal 20 Zentimetern Bodenabstand der untersten stromführenden Litze zählen zur Wolfsprävention.

Gefördert werden kann auch ein Herdenschutzhund, allerdings erst ab einer Herdengröße von 60 Muttertieren bei Schafen und Ziege.

Das abgesteckte Gebiet

Ein Wolfsterritorium weist eine durchschnittliche Größe von rund 200 Quadratkilometern auf. Da aber die genaue Lage des Wolfsterritoriums im Nordschwarzwald derzeit noch nicht bekannt ist, hat das Ministerium als Förderkulisse vorsorglich ein rund 3.700 Quadratkilometer großes Gebiet abgegrenzt.

Empfehlung des Umweltministeriums

»Wichtig ist nun, dass die Weidetiere möglichst bald umfassend und ausreichend geschützt werden, damit der Wolf nicht lernt, dass unzureichend geschützte Nutztiere eine leichte Beute sind,« sagte Minister Untersteller. »Um diesen Schutz zu ermöglichen, haben wir das Förderprogramm aufgelegt.«

Unabhängig davon hat das Ministerium den Nutztierhaltern eine Übergangsfrist von einem Jahr eingeräumt. Danach ist ein Ersatz für vom Wolf verursachte Schäden in der Förderkulisse nur noch möglich, wenn die Nutztiere zum Zeitpunkt eines Übergriffs ordnungsgemäß mit einer lückenlosen Umzäunung geschützt waren.

Schutzmaßnahmen für Rinder und Pferde sind bis auf Weiteres nicht förderfähig, da Übergriffe auf Rinder und Pferde selten sind und der Aufwand, sie zu umzäunen, in keinem Verhältnis zum Risiko steht.

Sollte ein Wolf doch Rinder und Pferde attackieren, werden etwaige Schäden auch innerhalb der Förderkulisse wie bisher unabhängig von der Durchführung von speziellen Schutzmaßnahmen erstattet.

BLHV nimmt Stellung

Grundsätzlich begrüßt der BLHV, dass die Politik den Herdenschutz finanziell unterstützen möchte. Dennoch macht der der Verband in seiner Stellungnahme unmissverständlich klar, dass die Tierhalter die Rückkehr des Wolfes ablehnen. Daher sei es nur gerecht, wenn diejenigen, die für den Wolf sind, auch 100 Prozent der Kosten derjenigen übernehmen, zu deren Lasten die Rückkehr des Wolfes geht. Und eine hundertprozentige Kostenübernahme stellt die Politik nicht in Aussicht.

Daher kritisiert der BLHV auch, dass nur die Investitionskosten gefördert werden sollen, die immens hohen Arbeitszeitkosten aber vom Tierhalter alleine getragen werden müssten. Vor allem in schwierigem Gelände ist die Arbeitszeit ein entscheidender Kostenfaktor, der letzt­endlich dazu führen wird, dass die Mindestanforderungen an den Herdenschutz dort nicht eingehalten würden, wo die Förderung nicht ausreicht, um alle Kosten zu decken. Darum fordert der BLHV, dass eine künftige Entschädigung im Wolfsgebiet nicht von Mindeststandards abhängig ist.

Unzureichend sei auch, dass es keine Förderung für Herdenschutzmaßnahmen

für Rinder und Pferde gebe. Hier verweist der BLHV auf die Gefahr, die von flüchtenden Weidetieren ausgeht. Diese können auf Straßen Unfälle verursachen, wobei bei Großtieren, wie Rindern und Pferden, die Konsequenzen weitaus fataler sein könnten. Der BLHV betont hier auch seine Forderung nach einer Freistellung von Nutztierhaltern von der Haftung in solchen Fällen.

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