Das vergangene Jahr war für die Bienenzüchter in Oberharmersbach ein gutes, doch die Asiatische Hornisse bereitet große Sorgen. Tobias Haaser jetzt zweiter Vorsitzender.
„Lieber Harald, herzlichen Dank für dein Wirken und deine Hilfsbereitschaft für unseren Imkerverein!“ Diese bei der Totenehrung vom Vorsitzenden Albert Lehmann gesprochenen Worte galten seinem Stellvertreter Harald Sander, dessen völlig unerwarteter Tod kurz vor Weihnachten die Mitgliedersammlung des Oberharmersbacher Imkervereins überschattete.
Der Zahnmediziner, seit 2015 aktives Mitglied im örtlichen Bienenzuchtverein, war im Jahr 2021 in der Nachfolge von Willi Schwendemann zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden. „Er war immer für den Verein da, wenn man ihn brauchte“, habe unter anderem regelmäßig bei der Bewirtung auf der Kreuzsattelhütte geholfen. „Unseren letztjährigen Vereinsausflug in die Hochvogesen hatte Harald noch organisiert“, erinnerte sich Albert Lehmann, um Fassung ringend, „und bei den Vorstandssitzungen brachte er stets interessante und konstruktive Vorschläge ein.“
Den zweiten Vorsitz übernimmt ab sofort der in Abwesenheit einstimmig gewählte Tobias Haaser.
Nächster Stammtisch 23. Februar
Auf das weitere Vereinsgeschehen im vergangenen Jahr blickte Schriftführer Fabian Kranz zurück. Jeden dritten Montag im Monat fand – und findet – in der Brandenkopfschule ein Imker-Stammtisch statt. Der kommende Stammtisch wird wegen der Fasend auf den 23. Februar verschoben.
Zum Thema Datenschutz hatte der 46 Köpfe zählende Verein einen Arbeitskreis gebildet. Im Ergebnis wurde das Anmeldeformular für neue Mitglieder komplett überarbeitet. Zudem verteilte Fabian Kranz zur Unterschrift einen neuen Datenschutzhinweis an die 19 Anwesenden, die sich am vergangenen Samstagabend im Gasthaus Hubertus versammelt hatten, unter ihnen Ehrenmitglied Alfred Lehmann. Schriftführer Kranz betonte: „Bei diesem Projektthema waren wir eng mit dem Landesverband verbunden.“
Auf der Kreuzsattelhütte sowie anlässlich des Mühlentages am Pfingstmontag fand jeweils eine Bewirtung durch Vereinsmitglieder statt. In diesem Jahr soll die Kreuzsattelhütte am 19. Juli von den Imkern bewirtetet werden. Auch für den Mühlentag wollen sie sich – sofern von der Gemeinde gewünscht – wieder zur Verfügung stellen. Im vergangenen Jahr wurde bei dieser Gelegenheit der Bienenschaukasten von Tobias Haaser vorgestellt, und im Rathaus hatte ein Vortrag über Honig und Gesundheit stattgefunden.
Zudem beteiligte sich der Bienenzuchtverein im vergangenen Sommer am Kinderferienprogramm, sechs Kindern bescherte er eine ebenso spannende wie honigleckere Zeit.
Honigertrag leicht über Landesdurchschnitt
Vereinsbienenwart Josef Ruf berichtete, dass die Bienenvölker gut durch den vergangenen Winter gekommen waren. Auch ihre Entwicklung verlief gut, es traten keine allzu gravierenden Entwicklungsschwankungen auf. Ebenfalls gut bewältigen ließ sich der Schwarmtrieb. Vermehrung und Ablegerbildung konnten somit frühzeitig in Angriff genommen werden, „dies verlief recht gut, einzig der Verlust einiger Königinnen beim Begattungsflug fiel negativ auf.“
Gut war auch der Honigertrag. Er lag leicht über dem baden-württembergischen Landesdurchschnitt von 35 Kilogramm. Mit einem weiteren „gut“ bewertete Josef Ruf die Milbenbehandlung der Völker im Sommer.
Einzig die Herbstentwicklung kam etwas ins Stocken. „Gefühlt fehlte ein Brutsatz“, so dass die Völker etwas schwächer in den jetzigen Winter gingen. „Sie haben auf jeden Fall schon Brut“ – das hat Josef Ruf in dieser Woche feststellen können, denn er musste ein Volk umsetzen: Ein Specht hatte Kiste und Boden zerhackt.
Sorgen bereitete in diesem Jahr zum ersten Mal die Asiatische Hornisse, „schon Ende Juli habe ich die ersten bemerkt.“ Die Nestsuche blieb bis zum Laubfall jedoch erfolglos, da die invasive Art „vespa velutina“ später im Jahr meist in Bäumen haust, in einer Höhe von bis zu zehn Metern. „Hoffen wir, dass der Befall nicht zu sehr überhand nimmt“, meinte der Bienenwart.
Massive Schäden
Die aus Südostasien stammende Vespa Velutina breitet sich seit 2014 in Baden-Württemberg aus. Im Gegensatz zur geschützten Europäischen Hornisse ist sie ein Schädling mit erheblichem Potential zur Schädigung von Honigbienen und anderen Insekten sowie von Obst und Weintrauben.
Zehn bis 20 Kilogramm – auch für die Nutzpflanzenbestäubung wichtiger – Insekten vertilgen die Bewohner eines einzigen Nestes im Laufe eines Jahres. Und in dicht besiedelten Gebieten wurden bis zu 75 Prozent der Ernte im Obst- und Weinbau angefressen. Vespa Velutina ist also nicht nur ein Problem für Imker, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Im März 2024 wurde die Asiatische Hornisse zur invasiv etablierten Art umgestuft, bei einer in jenem Jahr erfolgten Verdoppelung der gefundenen und gemeldeten Nester, wie Albert Lehmann eine Information des Landesverbandes Badischer Imker weitergab. Viele Infos zur Vespa Velutina sind auf dessen Homepage zu finden.
Locktöpfe statt Fallen
Im Spätjahr 2025 waren auf der Gemarkung Oberharmersbach fünf Nester der Vespa Velutina gefunden worden. Vier von ihnen konnten mechanisch beseitigt werden, „aber beim fünften kamen wir nicht gut an.“ Der Flug am fünften Nest sei nahezu eingestellt gewesen, berichtete Vorsitzender Albert Lehmann und appellierte eindrücklich an alle Imker: „Für das kommende Frühjahr müssen wir unser Augenmerk auf das Auffinden und Vernichten der Königinnen der Vespa Velutina richten!“
Alle Imker sollten sich daher daran beteiligen, mit Hilfe von Locktöpfen die Asiatischen Königinnen zu finden, „nur so können wir zukünftig die Verbreitung der Nester in Oberharmersbach verlangsamen oder verhindern.“ Dies gelte umso mehr, als man nicht wisse, ob im vergangenen Jahr wirklich alle Nester gefunden worden seien. Das Aufstellen von Fallen ist aus Naturschutzgründen jedoch verboten – zum einen tragen sie kaum zur Verringerung des Schädlings bei, zum anderen sterben vieler unserer heimischen Arten als „Beifang“.
Sichtungen melden!
Ende Januar/Mitte Februar fliegen die Königinnen. „Diejenigen, die jetzt fliegen, sind meistens asiatische und nicht europäische Hornissen“, erklärte der Vorsitzende. „In 48 Tagen kommt dann der Nachwuchs, der vermehrt sich dann explosionsartig“, fuhr er fort und mahnte: „Jede Königin, die wir in den nächsten zwei bis drei Monaten fangen, kann keine Nester mehr machen!“ Aus einem Nest entwickeln sich erfahrungsgemäß fünf Nester im folgenden Jahr.
Jeder, der eine Hornisse sehe oder ein Nest, der solle das Rathaus informieren, bittet Albert Lehmann die Bevölkerung, „diese Info wird dann an den zuständigen Imkerverein weitergeleitet.“ Bereits im letzten Jahr habe man viel Zeit in die Eindämmung der Vespa Velutina investiert, „wenn wir da nicht dranbleiben, werden wir bald überrannt.“ Wobei sich die Nester im frühen Jahr überall an geschützten Stellen befinden können, „sogar unter einem Gullideckel.“
Die Bekämpfung erfolgt nicht mehr auf eigenes Risiko. Rückwirkend zum 01. Januar 2025 fällt die Tätigkeit der Bekämpfung der Vespa Velutina unter den Umfang der Haftpflichtversicherung, die für die Mitglieder in den Imker-Globalversicherungen der Imker-Landesverbände enthalten ist. Gleiches gilt für die Nestentdeckung, -entfernung, -umsiedlung und -vernichtung von invasiven und nicht-invasiven Insekten.
Da Vespa Velutina in der Nähe des Nestes ein äußerst starkes Verteidigungsverhalten aufweist, ist zur Nestentfernung eine spezielle Schulung erforderlich. In BaWü sind 40 geschulte Nestentferner gelistet.
Frauenanteil 21,5 Prozent
Albert Lehmann informierte zur vergangenen Tagung des Landesverbands. Dem gehören 10 450 aktive Mitglieder an, der Frauenanteil lag bei 21,5 Prozent. Die Zahl der in Baden gemeldeten Bienenvölker betrug 83 161. Es gab 30 Schadensmeldungen, häufig durch Sturm oder Specht, auch einige Schäden durch Vespa Velutina. Aus dem Süden des Landes wünscht man sich mehr Trachtmelder.
Im Jahr 2024 gab es bundesweit 104 Ausbrüche der Amerikanischen Faulbrut, in Baden-Württemberg waren es zwei. Und der Kampf gegen die Vespa Velutian „erfordert viel Energie von engagierten Leuten.“ Nach wie vor muss auch gegen die Varroamilbe vorgegangen werden mit dem Ziel einer Varroatoleranzzucht. Der Vorsitzende verlas die von der Tierseuchenkasse herausgegebene Liste der Varroabekämpfungsmittel, die in die diesjährige Förderung aufgenommen worden sind. Die Bestellliste muss bis zum ersten März beim Landesverband eingegangen sein.
Ab 2026 müssen alle Bienenvölker direkt bei der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg gemeldet werden. Der Stichtag ist jährlich der 01. Mai. Auch eine Nachmeldepflicht besteht. Für Bienenvölker ist nach wie vor kein Beitrag zu entrichten.
Multiplikatoren
Da der Landesverband die Ausbildung mehr in die Vereine tragen möchte, sollen verstärkt Multiplikatoren geschult werden. Albert Lehmann und Tobias Haaser besuchten zwei solcher Schulungen mit dem Thema „Völkererweiterung“ und „Brutableger mit integrierter Königinnenaufzucht“.
Levina Steinkönig aus Oberentersbach ist nun im Sekretariat des Landesverbands Badischer Imker tätig und nimmt hier die Anrufe und damit Anliegen der Mitglieder entgegen.
Die beruhigend gefüllte Kasse des Ortsvereins wurde gemäß Urteil der Kassenprüfer ordnungsgemäß geführt, die Entlastung von Schatzmeister Michael Pohlmann und Gesamtvorstand erfolgte einstimmig. Die künftigen Kassenprüfer sind Alfred Schmieder und Franz Lehmann.





