Geist der Begegnung fördern

Feierliches Hochamt zum 100-jährigen Jubiläum des Kapuzinerklosters in Zell a. H. – Freiburger Weihbischof Dr. Peter Birkhofer hielt die Festpredikt

Das Jubiläum der Kapuziner anlässlich der Gründung ihres Klosters in Zell a. H. vor 100 Jahren entsprach ein Stück weit der Tradition ihres Vorbildes Franziskus. Eher bescheiden mit einer reduzierten Teilnehmerzahl, aber nicht minder feierlich wurde der Gottesdienst in der Wallfahrts­kirche »Maria zu den Ketten« zelebriert.

Statt des Aufmarsches der Vereine standen am Eingang der Wallfahrtskirche Fahnenabordnungen der Bürgerwehren aus Zell a. H. und Unterharmersbach, statt voluminösen Chorgesangs bereicherte eine Abordnung der Unterharmersbacher Musikkapelle unter der Leitung ihres Dirigenten Stefan Polap die Orgelmusik von Dieter Benson.

Das feierliche Hochamt, zu dem neben den Gläubigen der Zeller Bürgermeister Günter Pfundstein und der Unterharmersbacher Ortsvorsteher Ludwig Schütze sowie der Landtagsabgeordnete Volker Schebesta begrüßt wurden, zelebrierte der Freiburger Weihbischof Dr. Peter Birkhofer mit dem Provinzialer der Kapuziner Pater Christophorus Goedereis und dem Zeller Guardian Bruder Markus Thüer sowie  Bruder Pirmin Heppner. Während vor den Seitenaltären die Abordnungen der Bürgerwehren ihre Plätz eingenommen hatten, feierten Kapuziner des Zeller Konvents und Mitbrüder aus anderen Klöstern zusammen mit Dekan Matthias Bürkle und Pfarrer Bonaventura Gerner den Gottesdienst im Chor mit.

Bischof Birkhofer erinnerte in seiner Festpredigt an die Geschichte der Kapuziner. Wie heute die Corona-Pandemie die Feier bestimme, habe 1527 eine Seuche in der Gegend östlich von Rom letztlich zur Gründung des Ordens geführt. Der selbstlose Einsatz der »cappucini«, wie der Volksmund sie wegen der spitz zulaufenden Kapuze genannt habe, sei Vorbild für die Benennung der Mitglieder des neuen Ordens nach dem Vorbild des heiligen Franziskus gewesen.

Bis heute werde diese Tradition weitergelebt. »Gerade der Name der Wallfahrtskirche zeigt, dass wir uns von den Ketten lösen müssen«, verwies der Festprediger auf die aktuelle Fesselung durch Verschwörungsideologien mit Selbstverleugnung, Unvernunft und Verweigerung. Die überlieferten Kettenwunder, die der Wallfahrtskirche ihren Namen gegeben haben, würden, unabhängig von ihrer historischen Überlieferung, die spirituelle Belebung verdeutlichen, die dahinter stünde. Die Zeller Kapuziner hätten mit ihrem »Haus der Begegnung« und dem Wallfahrtsort diesen Geist des Einsatzes für den Nächsten intensiviert.

»Die Pandemie hat auch gezeigt, dass etwas mit uns geschieht«, erinnerte Bischof Birkhofer an die vielen zusätzlichen Aktionen, sich für Kranke und Schwache verstärkt einzusetzen. Das sei schon immer Anliegen der Kapuziner gewesen, auch hier in Zell, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren.

»Ich überbringe Euch die Grüße unseres Erzbischofs Stefan zum Jubiläum und sage von uns allen ein herzliches Vergelt’s Gott für ihre vielfältiges Wirken an diesem Ort«, gratulierte der Freiburger Gast den Zeller Kapuziner zu ihrem Klosterjubiläum.  Dass er den in der Wallfahrtskirche »verstreuten« Gläubigen aus dem Herzen sprach, zeigte der spontane und anhaltende Applaus.

Nach modernen Weisen und besinnlicher Orgelmusik band am Ende des Gottesdienstes ein Marienlied die Gläubigen ein. Bruder Markus dankte allen Beteiligten m Namen des Ordens für die Gestaltung des Festgottesdienstes.

 

Glückwünsche und Dank von allen Seiten zum Jubiläum

Seit drei Jahren liefen die Vorbereitung der Zeller Kapuziner für ihr rundes Jubiläum. Es hat nicht sollen sein, wie Bruder Markus Thüer bei der Begrüßung zum Stehempfang bedauerte. So gab neben der Corona-Pandemie vor allem die Witterung den Rahmen für die wesentliche kleinere Feierstunde in der Klosterhalle vor.

Die »Hombacher Dorfmusik« unterhielt die Gäste musikalisch. Dass mit den Grußworten auch nochmal die Frage aufgeworfen wurde, ob man jetzt vom »Zeller« oder »Unterharmersbacher« Kloster reden solle, diente wohl eher zur Auflockerung als dass sie Anlass für ernstgemeinte Diskussionen gegeben hätte.

»Das Kapuziner-Kloster gehört zu meinem Leben, zu Unterharmersbach, zu Zell, zu unserer Region«, sprach Ludwig Schütze wohl vielen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem Herzen. Seine Bindung zu den Kapuzinern sei ebenso vielfältig wie
die vieler Talbewohner. »Als Ortsvorsteher und im Namen des Ortschaftsrates danke ich Ihnen für dieses Engagement im Dienste der Menschen«, schloss Schütze sein Grußwort an den Jubel-Konvent.

Bürgermeister Günter Pfundstein erinnerte wie sein Vorredner an die Trauung in der Wallfahrtskirche. Es sei ein großes Geschenk, dass im »Haus der Begegnung« in der heutigen schnelllebigen Zeit lebenspraktische Kurse angeboten würden. »Ich gratuliere im Namen der Stadt und auch persönlich zum großen Jubiläum und wünsche dem Kapuzinerkloster eine gute Zukunft«, dankte Pfundstein den Kapuziner für ihre Arbeit.

Pfarrer Bonaventura Gerner überbrachte die Glückwünsche der Seelsorgeeinheit Zell a. H. »Pfarrei und Kloster haben schon lange vielfältig zusammengearbeitet«, erinnerte er an die jahrelange Kooperation. Obwohl er momentan »franziskanerisch« mit leeren Hände dastünde, bleibe es nicht bei einem Vergelt’s Gott, sondern das Kloster erhalte für seine Arbeit anlässlich des Jubiläums eine finanzielle Zuwendung.

Selbst der Provinzial des Kapuzinerordens Pater Christophorus Goedereis freute sich über seine Aufenthalte in Zell, »wo ich mich immer zu Hause fühlte«. Er betonte die franziskanische Spiritualität, für die seine Mitbrüder gerade in Zell stünden. »Dafür gilt ihnen mein persönliches Vergelt’s Gott«, schloss er sich den Dankesworten seinen Vorredner an.

Chronik von Heimat­historiker Karl-August Lehmann

Auf Anregung von Pater Leonhard Lehmann hat der Heimathistoriker Karl-August Lehmann über das vergangene Jahrhundert der Kapuziner in Zell a.H. eine Chronik erstellt. Diese kleine Broschüre erinnert an die wichtigsten Etappen und Einschnitte im Klosterleben. »Mein Dank gilt allen, die meine Arbeit unterstützt haben« lobte er die vielfältige Zuarbeit. Bruder Markus und Bruder Betrhold hätten uneingeschränkte Einsicht in die Klosterchronik gewährt, Pater Leonhard habe als Förderer dieser Denkschrift auch alle Namen der Kapuziner aus der Raumschaft zusammen getragen, Hanspeter Schwendemann habe Einsicht in seine Zeitungsbände gewährt. Besonders lobte der Chronist die vorzügliche Zusammenarbeit vor Ort mit der Leiterin des Archivs der Kapuziner in Altötting, Frau Dr. Carolin Weichselgartner. Auf 28 Seiten findet der Leser die wichtigsten Abschnitte der Klostergeschichte, ansprechend illustriert mit Bildern aus dem vergangenen Jahrhundert.
Ein kleiner Imbiss mit Umtrunk rundete die Feierstunde der Kapuziner in der Klosterhalle ab.

Foto: Lehmann-Archiv

Unterhaltung: Die »Hombacher Dorfmusik« gratulierte mit flotten Weisen.

 

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