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Zell-Oberentersbach | 10.07.2020

Das »Mekka« der Badischen Imker

An der Imkerschule wird ein Schulungsprogramm rund um die Imkerei angeboten – Auch die Berufsabschluss- und Meisterprüfungen zum Imker finden in Oberentersbach statt

Foto:
Die »Protagonisten« der Badischen Imkerschule (von links): Schulleiter Willi Schwendemann; Ehrenvorsitzender Peter Schulze; Fach­berater Imkerei Bruno Binder-Köllhofer und Präsident Klaus Schmieder. Foto: Winfried Kröninger
von Winfried Köninger

Die Imkerei boomt. Wenn man Statistiken von Betriebsentwicklungen in der Landwirtschaft vergleicht, dann ist diese in der Imkereiwirtschaft konträr zu der in anderen landwirtschaftlichen Bereichen. In Baden stieg die Zahl der Mitgliedsbetriebe beim Landesverband Badischer Imker in den vergangenen zwei Jahrzehnten von 7000 auf heute über 10.600 Mitglieder an.

Foto: Winfried Köninger
Ein Schmuckstück: Die ehemalige Dorfschule von Oberentersbach beherbergt die Badische Imkerschule.

»In unserer Branche haben wir zahlreiche Neueinsteiger der jüngeren Generation, die Bienenhaltung als Hobby betreiben«, berichtet der Präsident des Badischen Imkerbundes, Klaus Schmieder aus Fischerbach. »Die Ortenau ist eine pulsierende Region der Imkerei innerhalb Badens, eben ein Land, wo Milch und Honig fließt«, führt er weiter aus.

So ist es auch nachvollziehbar, dass sich in der Ortenau in Oberentersbach das »Herz der badischen Imkerei« befindet, nämlich die Badische Imkerschule. Von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen aber eine ganz individuelle und wichtige Einrichtung ist diese Schule. Für den Berufsstand der Imker ist diese »Imkeruniversität« die »Hohe Schule der Bienenhaltung« und bildet aus, was sich um Bienen und Honig dreht.

Idyllischer Standort für das Schulungszentrum

Einen idyllischen Standort am abgelegenen Ende eines Seitentales des Harmersbaches hat sich der Landesverband für dieses »Schulungszentrum« ausgesucht. Der Landesverband ist der Träger dieser Schule. Derzeit läuft eine Generalsanierung im ge­samten Gebäude. Nach deren Abschluss ist dann vorgesehen, dass das Gebäude künftig auch den Sitz der Verbandsgeschäftsstelle beheimatet. Bisher war dieser Sitz immer am Wohnort des Präsidenten.

Ehrenvorstand Peter Schulze, Ortenberg, hat die Entwicklung der badischen Imkerschule von Anfang mitverfolgt. Er berichtet von den schweren Anfängen 1979, als man von der Stadt Zell am Harmersbach diese stillgelegte Dorfschule erwerben konnte und wie dann in Eigenleistung das einklassige Dorfschulgebäude zur Imkerschule umgebaut wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Sitz der Imkerschule in Gengenbach.

Neben den Räumlichkeiten für Unterricht und Veranstaltungen habe man zwischenzeitlich auch einen Schulgarten für praktische Schulungen angelegt. Eine Station für die Königinnenzucht kam hinzu, und vor zwei Jahren spendete Badenova der Schule ihren Landesgartenschau-Pavillon von Lahr im Wert von 40.000 Euro für weitere Schulungszwecke.

Integration der Landesgeschäftsstelle

»Mit der nun bevorstehenden Integration der Landesgeschäftsstelle wird Oberentersbach vollständig »zum Nabel der Imkerei« für die mittel- und südbadischen Imker«, so Präsident Klaus Schmieder. Das Schulungsangebot deckt mit Jungimkerschulungen, Kurse zur Königinnenzucht, Bienengesundheit, Honigvermarktung und praktischen Vorführungen die ganze Spannbreite der komplexen Thematik rund um die Bienenhaltung ab. Darüber hinaus finden die Berufsabschluss- und Meisterprüfungen zum Imker in Oberentersbach statt.
Schulleiter Willi Schwendemann aus Oberharmersbach koordiniert mit dem Präsidium des Imkerverbandes das Schulungsprogramm und holt sich die Referenten. Diese kommen aus der Wissenschaft und der Praxis. Jährlich werden die Schulungen von 1600 Imkern besucht, berichtet der Mann vor Ort.

Imkerpräsident Schmieder stellt die einmalige Konstellation des Ausbildungs- und Prüfungswesens in der Imkerei heraus. Nicht die Kammern oder das Land, wie das bei anderen Berufen der Fall ist, sind für das Ausbildungs- und Prüfungswesen zuständig, sondern der Berufsstand selbst. Das Land und die Regierungsfraktionen unterstützen den Verband finanziell dabei. »Gut angelegtes Geld«, sagt der Präsident, und verweist auf den gesellschaftspolitischen Nutzen der Bienen. »Der Honigertrag der 900.000 in Deutschland gehaltenen Bienenvölkern entspricht nur einem Achtzehntel des Wertes von dem, was Bienen für die Allgemeinheit leisten«. Darunter versteht man die Bestäubungsleistungen und der ökologische Nutzen für die Biodiversität.

132 Ortsvereine mit 76.600 Bienenvölkern

Dem Landesverband Baden sind 132 Ortsvereine mit 76.600 Bienenvölkern angeschlossen. Tendenz steigend. Statistisch nennt jeder Bienenhalter sieben Völker sein Eigen. Ein Drittel der badischen Bienenvölker wird in der Ortenau gezüchtet. An dieser Zahl wird die Bedeutung der Bienenhaltung für die Mittelbadische Region unterstrichen, erklärt Peter Schulze und ergänzt: »Unsere Region hat hervorragende Trachtgebiete, wie die Auenwälder im Rheinvorland, die ausgedehnten Obstanlagen im Vorgebirge und die Nadelwälder auf den Schwarzwaldhöhen.«

Die vielfach beklagten Waldschäden durch Borkenkäfer und Trockenheit haben sich bisher in diesem Jahr kaum zum Nachteil der Honigtracht aus dem Wald ausgewirkt. Die Bienenexperten können auch jetzt schon aufgrund der hervorragenden Obstblüte im Frühjahr und den derzeit idealen Voraussetzungen bei der Waldtracht ein sehr gutes Honigjahr voraussagen.

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Imkerschule Oberentersbach

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