Nach 15 Jahren musizierten der „Joy & Fun Chorus“ und die Stadtkapelle wieder gemeinsam und erfüllten alle Erwartungen.
Foto: Hanspeter Schwendemann
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Foto: Hanspeter SchwendemannFünfzehn Jahre ruhte die gemeinsame Zusammenarbeit, bevor sich der „Joy & Fun Chorus“ und die Zeller Stadtkapelle am vergangenen Samstagabend in der Stadtpfarrkirche erstmals wieder zu einem gemeinsamen Konzert zusammen fanden. Die Chemie zwischen beiden Ensembles stimmte von Anfang an und das abwechslungsreiche Programm mit emotional geprägten Liedern und Melodien war für die zahlreichen Hörer ein Hochgenuss.
Der „Joy & Fun Chorus“ unter der Leitung von Amelie Dreher hatte mit „Steady Jesus Liste-ning“ aus der Feder des Offenburger Bezirkskantors Traugott Fünfgeld zunächst ruhig und mit Feingefühl begonnen, nahm dann bei Greg Gilpins „Ding-A Ding-A Ding“ mit spielerischen Lautmalereien und prägnanter Rhythmik mächtig Fahrt auf. Der Zusammenklang der Frauen- und Männerstimmen war ausgewogen, strahlend und klar in den hohen Lagen.
Exzellente A-capella-Kunst
Mit der Liedauswahl wolle man das breit gefächerte Repertoire des Chors widerspiegeln und unterschiedliche Stimmungen vermitteln, erklärte Sänger Stefan Stehle. Das auf eine Klosterhandschrift aus dem 13.
Jahrhundert zurückgehende volkstümliche „Kume, kum Geselle min“ intonierten die 17 Sängerinnen und zehn Sänger in exzellenter A-capella-Kultur.
„Bonjour mon coeur“ von Renaissance-Großmeister Orlando di Lasso war ein erster Höhepunkt des Abends, temperamentvoll und voller Lebensfreude gesungen. Vor allem die erstaunliche Dynamik des Chors beeindruckte. Da hat Amelie Dreher im Vorfeld offensichtlich ganze Arbeit geleistet.
Eindringlich geriet die Pop-Ballade „Ist da jemand“, die im anspruchsvollen Chorsatz von Oliver Gies eine Stimmenvielfalt erzeugte, bei der die Grundmelodie des Songs nicht verloren ging. Das mitreißende „Ain’t judging no man“ im modernen Gospel-Gewand, mit viel Energie und rhythmischer Prägnanz dargeboten, wurde von den Zuhörern in der Stadtpfarrkirche mit tosendem Applaus gefeiert.
Ein Klassiker der Blasmusik
Höchst stimmig und feinsinnig in der Dosierung dynamischer Abstufungen präsentierten sich die Bläser und Schlagwerker der Stadtkapelle unter Dirigent Stefan Polap. Im Zentrum ihres fulminanten Auftritts stand mit „Second Suite in F“ von Gustav Holst ein absoluter Klassiker der Blasmusikliteratur. Deren vier farbenreichen Sätze beruhen allesamt auf englischen Volksweisen, wie Orchestermitglied Daniel Lehmann ausführte.
Nach einem fanfarengleichen Auftakt belebten die Kontraste zwischen kraftvollen Blechbläserpassagen und leichteren, warmen Klängen der Holzbläser die Szenerie des ersten Satzes. Polap führte das Orchester präzise, sorgte souverän für angemessene Artikulation und Balance.
Prägnanz und Leichtigkeit
Das fein austarierte Spiel mit der Dynamik beeindruckte auch im 2. Satz mit seinen ruhigen, lyrischen Momenten, von den tiefen Instrumenten sorgsam getragen. Markantes Schlagwerk dominierte den 3. Satz, forcierte das Tempo, wobei der Dirigent den Gesamtklang effektvoll steuerte. Obwohl er eine Partitur vor sich hatte, war er jeden Augenblick ganz bei seinen Musikerinnen und Musikern, gab die Einsätze, formte die Übergänge.
Das zeigte sich im 4. Satz, der die Messlatte in puncto Koordination und Transparenz noch höher legt. Die hervorragend aufspielende Kapelle ließ die beiden kunstvoll miteinander kombinierten Melodien („Dargasen“ und „Greensleeves“) in einer Prägnanz und Leichtigkeit aufblühen, wie man sie selten hört. Eine Teamleistung, die alles dem Gesamteindruck unterordnete.
Opulente Klangwelt vs. meditative Atmosphäre
Umrahmt wurde das Meisterwerk von zwei thematisch gegensätzlichen Kompositionen, die beide gleichwohl das Publikum in den Bann zogen. „Music for a celebration“ von Dirk Brosé entfaltete eine opulente Klangwelt, befeuert durch kraftvolle Bläserparts und markantes Schlagwerk.
Rossano Galantes „Life Eternal“ dagegen brachte in seiner ruhigen, lyrisch geprägten Tonart einen deutlichen Stimmungswandel. Lang gezogene Melodiebögen, getragen von warmem Holzbläserklang, schufen eine fast meditative Atmosphäre. Für die Gäste in der Kirche eine nicht alltägliche Hörerfahrung. Nach kurzem Innehalten entlud sich ein Beifallssturm.
Spielfreude und Vitalität
Ein weiterer Höhepunkt war das Finale, bei dem sich der „Joy & Fun Chorus“ und die Stadtkapelle als klangliche Einheit präsentierten. „Hymn to the Fallen“ von Starkomponist John Williams – aus dem Film „Der Soldat James Ryan“ – entfaltete geradezu eine Sogwirkung. Die getragene, ungemein eingängige Melodie und der kraftvolle Chorgesang (ohne Text, was die zeitlose Wirkung verstärkt) verliehen dem Stück Würde und Stil.
Spielfreude und Vitalität verströmte „Baba Yetu“ von Christopher Tin, das vertonte „Vater unser“ in der ostafrikanischen Suaheli-Sprache. Man staunte über die rhythmische Vokalmusik mit den Solovortrag von Vera Dreher und Hans-Peter Fautz.
„Bye bye Spiritual“ überraschte mit einer modernen Interpretation bekannter Spirituals und Gospelsongs, melancholisch getragen („Amazing Grace“ mit bemerkenswertem Trompetensolo von Martin Harter) oder feurig und impulsiv intoniert („Oh, happy day mit rhythmischem Klatschen). Stehende Ovationen des Publikums für Chor und Orchester am Ende eines Ausnahmekonzerts.
Ausklang mit Dank und Zugabe
Für Chorleiterin Dreher und Dirigent Polap sowie die Solisten gab es Blumen und Präsente. Besonders dankten Kapelle und Chor Pfarrer Bonaventura Gerner, der die Stadtpfarrkirche für das Konzert zur Verfügung stellte.
Die Zugabe „When you believe“ aus dem Musical „Prince of Egypt“ glänzte noch einmal mit perfekten Harmonien und dem berührenden Sologesang von Amelie Dreher. – Vielleicht war das in der Zerrissenheit, die unsere Welt derzeit prägt, die dringend benötigte Dosis Gemeinschaft und einer jener seltenen Momente, in der alle das Gefühl hatten, Teil eines Ganzen zu sein statt Hauptdarsteller in ihrer eigenen kleinen Welt.





