Zwei Bänke unter zwei Bäumen

Wer hier sitzt, erlebt Natur, Weite und manchmal das Gefühl, am Meer zu sein.

Ich setze mich und schaue nach Nordosten, hinüber zum Bioreservat. Auf der Wasseroberfläche liegt ein grüner Teppich. Nur vor der Eintrittsschleuse des Rückhaltebeckens bleibt ein Streifen frei. Es wirkt, als gehe es dem Biotop gut. Reiher stehen reglos auf umgestürzten Baumstämmen, die schräg ins Wasser ragen.

Der Platz, an dem die beiden Bänke stehen – „Im Leh“ – gehört zur Gemeinde Steinach. Doch die weite Fläche des Rückhaltebeckens, in das das Kinzigwasser bei Bedarf einströmen würde, liegt schon auf Zeller Gemarkung. Ich frage mich, wann es zuletzt gebraucht wurde.
So sitze ich an diesem frühen Abend auf einem Bänkle, auf Steinacher Seite, dicht an der Grenze zu Zell. Mit dem Rennrad bin ich hergekommen, zu diesem Ort, der nicht nur mir wohltut. Jetzt habe ich ihn ganz für mich allein.

Der Fahrtwind hängt mir noch in den Gliedern, ein leiser Rausch der Geschwindigkeit. Nun, am Aussichtspunkt, höre ich nur das Rauschen der Kinzig. Das Tal öffnet sich, vermittelt Weite, fast den Eindruck einer Ebene. Die Hügel, die sonst den Blick begrenzen, verschwinden, sobald ich den Kopf drehe und dem Fluss nachschaue. Am Horizont tauchen neue Konturen auf und für einen Moment habe ich das Gefühl, am Meer zu sitzen: das Rauschen, der offene Blick, dieser kleine Wechsel der Atmosphäre.

In der Luft liegt der Duft von Gegrilltem. Vielleicht feiern unten am Kinzigstrand einige Ausflügler den Sommerabend. Alles ist noch feucht vom Regen – also ist das Feuer unbedenklich. Über mir ziehen Vögel in wechselnden Formationen. Trainieren sie schon für die Reise in den Süden? Meine Gedanken fliegen mit ihnen in den Herbst. Auch dann wird dieser Ort seine Kraft behalten; wenn der Wind schärfer bläst und die Stimmung rauer, wilder wird.