Theodor Ziegler hat im Rundofen über das Konzept der sozialen Verteidigung und die Notwendigkeit einer „Internationalen Polizei“ gesprochen.
Im Rahmen der Ausstellung und Veranstaltungsreihe „Friedensklima!“ hatten die Kirchengemeinden in Zell a. H., die Ev. Erwachsenenbildung Ortenau und das kath. Bildungszentrum Offenburg zu einem Vortrag mit Dr. Theodor Ziegler im Rundofen eingeladen. Theodor Ziegler war lange Jahre für die Evangelische Landeskirche in Baden Beauftragter für Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleitende, danach 21 Jahre als Religionslehrer an Beruflichen Schulen tätig und promovierte zum Thema der Friedensethik aus christlicher Überlieferung und Alternativentwürfen christlicher Pazifisten. Der friedensethische Prozess der badischen Landessynode und damit auch das Szenario „Sicherheit neu denken“ sei, so Theodor Ziegler, hervorgegangen aus seiner Master-Arbeit. Es gelte nun die Friedensspur in der Bibel wiederzuentdecken.
Nach dem zweiten Weltkrieg und Hiroshima seien britische Strategiewissenschaftler zu der Einsicht gekommen, dass militärische Verteidigung nicht mehr zu gebrauchen sei. So sei die Frage entstanden, wie man sich jenseits von Militär verteidigen könne und man habe dieses Konzept in Deutschland „Soziale Verteidigung“ genannt. Es gehe dabei nicht um die Verteidigung eines Territoriums, sondern um soziales Zusammenleben und Orientierung an den Menschenrechten. Dieses Konzept sei auch hilfreich gegen eine Machtübernahme im eigenen Land.
Durch den Auftrag der badischen Landessynode hatte sich eine Gruppe gebildet, die versucht hatte, ein Positiv-Szenario auf fünf Pfeilern zu erarbeiten: gerechte Außenbeziehungen, nachhaltige Entwicklung der EU-Anrainerstaaten, Teilhabe an der internationalen Sicherheitsarchitektur und resiliente Demokratie. Die angenommene Konsequenz aus dem Szenario: Die Länder würden ihre Armeen abbauen, es würden Ressourcen gespart und Konflikte zivil bearbeitet.
Theodor Ziegler skizzierte die „Internationale Polizei“ als Teil der anzustrebenden Entwicklung von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik. Hierzu gehörten unter anderem ein starker Ausbau der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie die Transformation der Bundeswehr hin zu einem internationalen Technischen Hilfswerk wie auch zu einer Qualifizierung bisheriger Soldatinnen und Soldaten für den Dienst bei einer „Internationalen Polizei“.
Bei dem Konzept gehe es, so Dr. Ziegler, um »inklusive Sicherheitsstrukturen nach dem Subsidiaritätsprinzip auf weltregionaler und auf globaler Ebene im Gegensatz zu partikularen Militärbündnissen. Zu den Aufgaben gehörten unter anderem die sichtbare Präsenz in Konfliktgebieten, in denen keine lokalen Ordnungskräfte sind oder diese nicht ausreichen, der Schutz ziviler Infrastruktur und Gewährleistung der humanen Sicherheit an Zufluchtsorten, die Kontrolle von Waffenstillstandsvereinbarungen und Überwachung von Abrüstungsmaßnahmen sowie die Strafverfolgung in Kooperation mit nationaler und internationaler Justiz.
Aus dem Kreis der Teilnehmenden auf den Krieg in der Ukraine angesprochen erklärte Theodor Ziegler: „Sollte es in der Ukraine zu einem Waffenstillstand kommen, dann wäre eine solche Internationale Polizei notwendig, um demokratische Wahlen im Sinne eines Friedensvertrages durchzuführen zu können.“ Theodor Ziegler zitierte abschließend Carl-Friedrich von Weizsäcker: „Im atomaren Zeitalter gibt es nur ein Überleben, wenn die Institution des Krieges überwunden wird.“ Und er fügte hinzu: „dazu gehört natürlich auch die
Abschaffung des Militärs.“
Theodor Ziegler beendete die Veranstaltung mit einem eigenen Friedenslied, das er auf der Gitarre spielte. Dr. Eberhard Müller (BUND und Initiator der Ausstellung und Veranstaltungsreihe „Friedensklima!“) dankte Dr. Theodor Ziegler herzlich zum Abschied.





