Heute, am Mittwoch, 15. August, wird im Kapuzinerkloster wieder der große Wallfahrtstag »Maria Himmelfahrt« begangen, wie er im Volksmund immer noch genannt wird. Sein offizieller Name lautet jedoch seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) »Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel«. Damit wollten die damaligen Konzilsväter den Unterschied zu »Christi Himmelfahrt« verdeutlichen. Neben Maria, die uns Jesus geboren hat, soll Gott wieder mehr in den Vordergrund rücken, der Maria zu sich in den Himmel aufgenommen hat.

Eine kleine Episode aus dem Lukas­evangelium macht diesen Wechsel verständlich: »In jener Zeit, als Jesus zum Volk redete, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: ›Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat‹. Er aber erwiderte: ›Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen‹.« (Lk 11, 27,28)

Die Frau scheint von Jesus sehr begeistert zu sein. Aber anstatt ihn zu loben denkt sie zunächst an seine Mutter. Jesus geht jedoch nicht auf die Worte der Frau ein, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf Gott, um den es ihm in all seinem Reden und Tun in erster Linie geht.Was hat nun der so schön gebundene Kräuterstrauß mit diesem Fest zu tun? Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten wurde Maria, die Mutter Jesu in besonderer Weise verehrt. Weil es in den Evangelien nur sehr wenige Hinweise auf ihr Leben gibt, gab es bald Legenden. In diesen kam immer wieder die besondere Liebe Marias zu Blumen und Kräutern und da besonders den Heilkräutern zum Ausdruck.
Der Evangelist Lukas lässt am Anfang des berühmten Magnifikat Maria sagen: »Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.« In diesem einprägsamen Satz kommt nochmals deutlich der tiefere Sinn dieses großen Wallfahrtstages auch für uns heute zum Ausdruck.

Gott hat in der Geburt seines Sohnes aus Maria der Welt glaubhaft gemacht, dass er uns nahe ist, dass er unser Leben und unsere Hoffnung ist. An Maria hat er gezeigt, was er mit jedem von uns vorhat, dass er in jedem Menschen Wohnung und Heimat finden will. Gott hat auch gezeigt, dass er uns auch die Vollendung schenken will, die er Maria durch ihre Aufnahme in den Himmel schon geschenkt hat. (Aus einer Meditation zum Festtag)

Von Heinz Hummel