Am kommenden Samstag eröffnet Galerist Bertin Gentges in seinen Galerieräumen der Arthus Galerie die Ausstellung »Near and dear« mit Kunstwerken des Bonner Künstlerpaares Petra Rintelen und Martin Stommel.

Die Stillleben von Petra Rintelen zeigen in Ölmalerei Früchte, Blumen, Tierpräparate, Schädel, Schalen, Vasen und anderes. Seit Jahrhunderten kennt man solche Malerei, etwa von Georg Flegel (1566 – 1638) bis hin zu Otto Scholderer (1834 – 1902), die in geordneten Kompositionen Muscheln, Käfer, Essen und Früchte in einem hell erleuchteten Raumausschnitt zeigen, exklusiver Teil des Lebensalltags, als Ausstattung für das Esszimmer, gekonnt und beschaulich. Die Stillleben von Petra Rintelen sind anderen Geistes. Im Atelier wurden normale Dekorationsstücke und Alltagsgegenstände in immer neuen Kombinationen arrangiert und als Gemälde in einen von Tonwerten bestimmten, halbdunklen, meditativen nicht perspektivischen Raum gestellt. Durch Anschnitte der Gegenstände und unklare Raumzusammenhänge führt die Künstlerin über die sinnliche Wahrnehmung hinaus. Indem sie die Gegenstände aus den fesselnden Mitten verrückt, schafft sie das Bewusstsein für das ewige Vorbei. In dem Entgleiten alles Vergänglichen findet sie über dem Schönsein zum Sinn und deckt Schein und Eitelkeit des Lebens auf. Ihre Bilder sind Vanitastafeln, erinnern an die Sterblichkeit, sind tiefsinniges »memento mori«, still und meditativ.

Dieser Konzentration und inneren Ruhe stehen die eruptiven Kraftpakete und Inhaltsbögen gegenüber, die Martin Stommel ausbreitet. Seine Malerei ist ein gewaltiges Ringen in der Unruhe der Welt. Seine Lichtregie, die visionäre Komposition voller Spannung und Dramatik mit raumgreifenden Diagonalen und Gesten, die langgestreckten Körper, führen das irdisch Materielle zur Deutung über den Alltag hinaus. Die expressionistische Verknappung, der freie Umgang mit dem Motiv sprengt alles Verkrustete traditioneller Anschauung. In seinen Bildern birst und dröhnt das Schicksal mit den Sternen um die Wette. Das Leben seiner Helden und Heldinnen mischt sich zu einem Panorama von Weltgeheimnissen und des wandelbaren Glücks. In den Jahren 2001 bis 2007 malte Stommel Bilder von Zirkusartisten und Szenen in der Manege. Er wurde von Prinz Rainier III zur Ausstellung dieser Bilder in Monaco eingeladen. Die kunsthistorische Bildung, die brillante künstlerische Ausbildung bei dem berühmten russischen Dissidenten Boris Birger, der als Emigrant nach Bonn kam, neben seinem Akademiestudium in München und Berlin, die Umsetzung realer Seherlebnisse, die Motivwahl, schaffen völlig neue inspirierte und inspirierende Bildlösungen. Seine Dynamik der Bildniederschrift, Freiheit der Farbwahl und visionäre Umdeutung, sind eine rare Qualität in der internationalen Kunstszene.

Am Samstag, 15. September um 17 Uhr wird die Ausstellung mit rund 30 zum Teil großformatigen Kunstwerken in der ARTHUS Galerie Zell im Beisein von Petra Rintelen und Martin Stommel und einer Einführungsrede von Dr. Friedhelm Häring, ehem. Museumsdirektor aus Gießen, eröffnet und bis zum 25. Ok­tober gezeigt. Alle Kunstinter­essierten sind herzlich eingeladen!