»Alles Käse auf dem Romanhof – bester Käse«

In unserer Serie berichten Autoren von »Der Himmel über der Ortenau« von ihren persönlichen Lieblingsorten in der Region. Heute schreibt der Hausarzt und Psychotherapeut Dr. Wolfgang A. Stunder vom großen Genuss ganz weit hinten im Prinzbachtal.

Foto: Inka Kleinke-Bialy

Wolfgang A. Stunder promovierter Hausarzt und Psychotherapeut in Zell a. H.

 

Foto: Verlag

Der »Himmel über der Ortenau« ist im Kulturverlag Art und Weise erschienen.

 

Es war ein milder, sonniger Wintertag, als ich beschloss, mit 18 Schulkameraden von der St. Mauritius-Kirche in Prinzbach zum 3 km entfernten Romanhof den geschlängelten, asphaltierten Weg hinauf ins Obertal 22 auf 400 m ü.d.M. zu wandern, um einen geselligen Vesperabend zu verbringen. Unmittelbar nach einer Anhöhe in einer leichten Rechtskurve erblickt man linker Hand den über 200 Jahre alten, prächtigen Bauernhof mit Scheunenanbau und Brennerei UND die 2017 aus Tannenholz errichtete Hofkapelle, deren Glöcklein aus der nahen Ferne zu Ehren der Muttergottes zum Angelusgebet ertönt. Romantische Abendstimmung kommt auf, als das Licht der vier Fenster des aus Fichtenholz neu erbauten Vesperhäusle erstrahlt und drinnen Heimeligkeit verspricht. Angekommen begrüßt uns der Hofbauer Frank Ams und lässt uns einen Blick in den Stall werfen, wo der 15-jährige Sohn Florian Kühe und Kälber gerade mit Heu versorgt. 160 l Milch geben die 18 Milchkühe täglich her, welche in der Hofkäserei zu 11 verschiedenen Käsespezialitäten veredelt werden. Familie Ams bewirtschaftet den Hof mit einer Fläche von 25 ha, inklusive Wald, zusammen mit ihren vier Kindern und einer fest angestellten Kraft seit 12 Jahren. Sie hat das Anwesen vom inzwischen verstorbenen Ludwig Krämer 2007 auf Rentenpacht erworben, weil dieser ledig war und händeringend einen Nachfolger suchte.Die Ams sind herzliche, engagierte Leute, die auch gerne mal beim Gast verweilen und Auskunft geben zur Historie, der Wirtschaftlichkeit des Hofes oder zur Herstellung des Käses im ehemaligen Mostkeller. Der kleine, aber feine Hofladen bietet freitagnachmittags Schwarz­wälder Köstlichkeiten aller Art und natürlich Käse zu Hauf. Im Reiferaum entdeckten wir ca. 50 bis zu 10 Wochen lang gelagerte Käselaibe. Drinnen in der Stube vor loderndem Kamin erwartet uns erwärmende Schwarzwälder Gemütlichkeit mit Speckbrettle, Wurst- und Käseplatten sowie Most und das ofenfrische, selbstgebackene, knusprige Brot von Veronika Ams. Der Herrgottswinkel und zwei Gnadenbildern vermitteln Gottgläubigkeit, die die Familie bestärkt und ihr Zufriedenheit schenkt an ihrem harten und langen Arbeitsalltag.

Wir, die von weither angereisten ehemaligen Klassenkameraden, genossen das köstliche Mahl sogar bei Musik und Gesang und schließlich die Fackelwanderung hinab ins Tal – physisch gestärkt und psychisch beglückt.

Der idyllische Romanhof gilt als Geheimtipp auch für Menschen mit Lust auf entlegene Vereinsausflüge, romantische Geburtstagsfeiern in friedlicher Natur (»wo der Himmel die Erde berührt«) oder einfach nur zum Kontemplieren!

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