Storchenturm-Museeum: Sonder-Ausstellung im Foyer

Nach der langen Corona-Pause kann das geschichtsträchtige Heimatmuseum im Storchenturm wieder besucht werden. Als Besonderheit werden aus dem Nachlass von Maria Schwuchow Raritäten gezeigt, die das Sammlerherz höherschlagen lassen.

Die Museumsfreunde Heinz Scherzinger, Hubert Temme und Josef Heitzmann haben im barrierefrei zugänglichen Foyer die Sonder-Ausstellung aufgebaut. Das Highlight stellt ein Brief aus dem Jahr 1611 dar. Damals hat der Zeller Stadtrat die Ratskollegen von Wolfach aufgefordert, einem ihrer Bürger, der eine Zellerin geschwängert hatte, auf die Füße zu stehen. Er solle endlich zu seinen Unterhaltspflichten stehen. Mit dem Brief wurde ein städtischer Läuferbote der Stadt losgeschickt, denn eine öffentliche Post hat es noch nicht gegeben.

Erst als die Postkutsche von Straßburg nach München 1774 in Stöcken Station machte, konnte an einen Brief- und Paketversand überhaupt gedacht werden. Zunächst wurden die Briefe nur gestempelt, Briefmarken kamen erst später auf, wie die Ausstellung an eindrucksvollen Beispielen zeigt. 1829 wechselte die Poststation nach Biberach, bevor Zell 1847 (im Haus Bechert) eine eigene Station erhielt. 1884 bekam Zell auch einen Telegrafie-Anschluss. Porzellanfabrikant Wilhelm Schnitzler, Compagnon von Gottfried Lenz hatte einen Investitionsbeitrag von 100 Gulden gespendet und in der von Oberen Fabrik die notwendigen 200 Porzellan-Isolatoren kostenlos hergestellt.

Postkarten und Pläne

Das romantisch gestimmte 19. Jahrhundert war dank seiner Reiselust an schönen Postkarten-Ansichten interessiert. Die Ausstellung präsentiert alte Darstellungen von Zell, etwa von der Wallfahrtskirche und verschiedenen Gast­häusern. Für den Geschäftsverkehr wurde nach der Telegrafie das Telefon bedeutsam. Ein Plan aus dem Stadt-Archiv zeigt, auf welchen Häusern 1901 die ersten Dachständer für die Leitungen installiert wurden.

Und schließlich hielt in Zell das Radio Einzug. Elektrohändler Graber durfte 1927 am Storchenturm eine Radioantenne montieren, informiert die Ausstellung. Die Herren, die später an diesem Wahrzeichen die Hakenkreuzfahne hochzogen, montierten in der Stadt eine Rundspruchanlage, um unter anderem mit ihrer Propaganda die Bürger auf Linie zu bringen.

Öffnungzeiten

Sonntag, Dienstag, Freitag jeweils von 14 bis 17 Uhr. Für die Zeit von Pfingstsonntag bis Mitte Juni ist der Eintritt für Sonderausstellung und Museum frei. Das Abstandsgebot ist einzuhalten, Mundschutz wird empfohlen, Mittel zur Hände-Desinfektion steht bereit.