Multimediale Lesung mit Autor Michael Paul

Das Haus der Bücher war das berühmte Bücherkaufhaus, das dereinst im ostpreußischen Königsberg stand. Vor dem Hintergrund der Bücherverbrennung mischt Michael Paul eine fiktive, spannende Geschichte mit wahren Begebenheiten und echter Kulisse.


Michael Paul ist anders. Das fängt mit seinem heutigen Nachnamen an. »Ich bin ein Konvertierter«, grinst er, der den Nachnamen seiner Frau angenommen hat; »ich habe meinen Mädchennamen abgegeben.« 1988 war das und der Standesbeamte hatte ihn drei Mal gefragt, ob er das wirklich wolle, »damals war das noch so was von unüblich, dass der Mann den Namen seiner Frau annimmt«, erzählt Paul.
Und es ist viel, was er zu erzählen hat – auch aus seinem Berufsleben. Denn das hat der heute 53-Jährige mit einer Karriere als Banker gestartet. Dreizehn Jahre später machte er sich als Unternehmensberater selbstständig, das war 1998. Inzwischen macht er »nur noch Strategieberatung«, und das auch nur noch für wenige Kunden. »So bin ich flexibel genug, um mich um meine Schreiberei zu kümmern«, erklärt er, »die hat mittlerweile einen ordentlichen Zeitrahmen eingenommen, und das wollte ich auch so.«

Richtig los damit ging es »um 2005 herum«. Da nämlich hatte sich der Mann, der mit Leib und Seele in Lahr beheimatet ist, entschlossen eine Idee umzusetzen, die schon lange in ihm gärte: das Verfassen einer Autobiografie. Zwei Jahre lang beschäftigte er sich gedanklich mit dem Projekt, sammelte Bilder und Musik dazu, im Jahr 2007 dann begann er mit dem Schreiben.

Ein »richtiges Hardcover-Buch« mit 450 Seiten und 100 Bildern ist daraus geworden – doch bloß sieben Exemplare hat Paul davon drucken lassen. »Für meine Familie und meinen besten Freund«, erklärt der Vater zweier erwachsener Kinder. »Meine Tochter hat das Buch in drei Tagen verschlungen, kam dann mit Tränen in den Augen und hat mich in den Arm genommen, das ging schon ans Herz.«

Sein Sohn hingegen lese keine Bücher, »nicht mal die vom Vater«, lacht Michael Paul. Aber das Thema Nationalsozialismus, das ihn selbst von Kindesbeinen an umtreibt, interessiere den Filius: »Er redet und diskutiert mit mir darüber, das ist spannend.«

Die Leidenschaft war geweckt

Das Thema wurde denn auch Gegenstand von Pauls nächstem Buch – nun, da die Leidenschaft fürs Schreiben durch die Autobiografie geweckt war. »Mein Großvater geriet in Königsberg in russische Gefangenschaft«, erzählt der Autor, »er war ein großer Musiker, das hat ihm das Leben gerettet.« Denn der Gefangene baute ein großes Orchester auf, »spielte Operetten und so weiter für die Russen.«
Als der Großvater 1948 nach Hause kam, verfasste er einen Bericht über seine Gefangenschaft. »Viele Seiten, das Original habe ich noch«, so Michael Paul, den das Gelesene stark beschäftigte und schließlich auf den Gedanken brachte, einen Roman daraus zu machen. Er begann, über den Großvater sowie über das Königsberg der 30er und 40er Jahre zu recherchieren.

Schließlich kam ihm ein Zufall in Form eines Krimis zu Hilfe. Der brachte ihn auf die Spur der Geschichte, dass im Zweiten Weltkrieg 3000 deutsche Soldaten von Ostpreußen über die Nordsee in das zwar neutrale, aber deutschlandfreundliche Schweden geflüchtet waren, um nicht in russische Gefangenschaft zu geraten. Ende ’45 jedoch schickten die Schweden sie zurück nach Russland. »Das wurde das Thema von ›Wimmerholz‹, meinem ersten Roman«, erzählt der Self-Publisher: »In diese wahre Begebenheit habe ich eine fiktive, spannende Geschichte gestrickt.«

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert sein im letzten März herausgekommener zweiter Roman. Noch einmal greift Michael Paul hier Königsberg auf. Diesmal jedoch springt er einige Jahre weiter zurück, in die Zeit nach 1933. Die Bücherverbrennung ist diesmal sein Thema. Denn bei den Recherchen zu »Wimmerholz« war er darauf gestoßen, dass in Königsberg Europas damals größte – weil sechsstöckige – Buchhandlung stand. Und zwar von dem 1722 gegründeten und somit ältesten Verlag Deutsch­lands, der noch heute jedem ein Begriff ist: Gräfe und Unzer.

Geschichtliches in Entertainment verpackt

Auch wenn Michael Pauls neuer Roman nicht in dessen heutiges Verlagsprogramm passt, so hat er dennoch Unterstützung erhalten. Er durfte im Archiv des Verlagshauses recherchieren – in München, denn das einstige Haus der Bücher, das unglaubliche 300.000 Bücher auf Lager hatte, war 1944 zerbombt worden. Und bei einer Recherchereise ins heutige Kaliningrad begleitete ihn der Verlag ebenso wie er ihn nun in Sachen Buchvermarktung unterstützt.

Daher wird der Lahrer auch im Münchner Verlagshaus Halt machen auf einer Lesereise, die ihn auf 17 Stationen quer durch Deutschland führt. Am Anfang der Liste steht das Zeller Kapuzinerkloster Um Buchhändler, die ihre Bücher vor den Nazis retten wollen und dadurch in Gefahr geraten, geht es in dem Roman »Das Haus der Bücher«, auch die Liebe gehört selbstverständlich dazu. Doch der Autor wird nicht nur einige Szenen lesen, sondern in der ihm eigenen unterhaltsamen Weise von seiner Recherchereise und dem früheren Haus der Bücher erzählen, wird Bilder und Videos zeigen.

Moderieren wird den Abend Nicole Bischler. Die lese- und bücherbegeisterte Physiotherapeutin hatte mit dem Autor beruflich zu tun, erfuhr so von seiner »Schreiberei«, wurde sein Fan und kam durch von Michael Paul ebenfalls durchgeführte »Wohnzimmerlesungen« auf die Idee, für eine solche ihre Praxis zur Verfügung zu stellen. Wegen des großen Interesses jedoch wurde die Lesung, zu der jedermann willkommen ist, in die Klosterhalle verlegt. Die Veranstaltung findet am 18. Mai um 19 Uhr statt.

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