Auf den Zusammenhang kommt es an

Gedanken über das Hin-und Herrichten, An-, Auf- und Ausrichten, Ab-und Zurichten, Errichten und Berichten

Müd, matt und hungrig, einfach abgekämpft, kamen Rolf und Fritz von einer langen Wanderung zurück. Ich war Zuhause geblieben und hatte nun etwas zum Vespern vorbereitet.

Mit den Worten »Ich hab euch etwas hingerichtet« forderte ich zum Essen auf. Fritz sah mich zweifelnd an, runzelte seine Stirne und fragte: »Was sagst Du da? Wen oder was hast Du da hingerichtet?« Sofort war mir klar, dass diese Redewendung im Rheinland wohl so nicht bekannt ist und ich sagte schnell: »Ich habe euch etwas hergerichtet.« Wieder erschien auf dem Gesicht von Fritz ein großes Fragezeichen. Und er sagte: »Also wegen mir musst Du dich nicht herrichten, oder gehen wir etwa zum Essen wieder weg?« Rolf, der die ganze Szene beobachtet hatte und darüber lachen musste, klärte Freund Fritz über unsere sprachlichen Besonderheiten hier im Süden auf und es wurde daheim gevespert.

Wenn Menschen ein Nest bauen, nennt man dies einrichten. Ist man eingeladen und weiß nicht genau, ob man kommen kann, heißt es: Ich werde versuchen es einzurichten.

Das Essen wird nach dem Kochen angerichtet; aber man sagt auch »Was hast Du da schon wieder angerichtet«, wenn man etwas Blödsinniges getan hat.

Soll ich ihm oder ihr noch was ausrichten? So kann eine Frage lauten. Aber man meint auch, dass man nichts mehr ausrichten kann, wenn die Karre schon im Dreck steckt.

Ist jemand gestürzt, so kommt hoffentlich Hilfe, um ihn wieder aufzurichten. Doch auch im übertragenen Sinn geht dass: Sie war so down –einfach fix-und foxi. Da musste ich sie wieder etwas aufrichten.

Ganz anders verhält es sich mit dem Abrichten. Dies gilt hoffentlich nur für Vierbeiner und nicht mehr für Kinder, wie anno dazumal.

Zurichten tut man im allgemeinen Gemüse, doch wenn Menschen übel zugerichtet werden, entspricht dies einer schlimmen Straftat.

Man errichtet ein Denkmal, aber verrichtet Dinge und diese manchmal gern und manchmal weniger gern.

Dann gibt es natürlich noch das Unterrichten, aber dies lassen wir jetzt, denn es sind hierzulande Ferien.

Zum Schluss werden noch alle Grüße ausgerichtet und nun gibt es wirklich nichts mehr zu berichten.

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