Aufschlussreiche Details über Waldbewirtschaftungsformen:

Den Blick sowohl nach oben als auch nach unten gewendet

38 Forstwirtschafts-Studenten auf Exkursion in den Waldungen von Oberharmersbach – Interesse galt dem Plenter- und Niederwald

38 Studentinnen und Studenten, die sich derzeit im zweiten Semester an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg auf ihren künftigen Beruf vorbereiten, erfuhren während ihrer eintägigen Exkursion am Mittwoch zu den Themen Plenterwald und Niederwald aufschlussreiche Details über diese Waldbewirtschaftungsformen. Stefan Ruge, Professor für Botanik und Waldbau, hatte bereits in den vergangenen Jahren Waldungen in Oberharmersbach als Exkursionsziel ausgesucht.


»Die angehenden Forstleute sollen möglichst viele unterschiedliche Regionen mit deren klimatischen und geologischen Bedingungen kennen lernen« begründete er das aktuelle Ziel. Im Harmersbachtal habe man noch auf engen Raum anschauliche Beispiele für den Plenterwald und Niederwald. Revierförster Hans Lehmann leitete die Exkursion. Bei der Heidenkirche gab es grundlegende Informationen über den anstehenden Buntsandstein. Damit verbunden seien zum einen sandige und weniger nährstoffreiche Böden, zum anderen erschwere die Blocküberlagerung an den vielfach sehr steilen Hängen die Bewirtschaftung des Waldes. Allerdings sei der Gemeindewald mit dem über 80 Kilometer langen Wegenetz gut erschlossen.

Nach einer gemeinsamen Stärkung waren die Studenten gefragt. Immer wieder wies Stefan Ruge auf die Pflanzen am Wegrand hin, die als »Zeiger« für eher saure oder eher basische Bodenverhältnisse, für eher trockenen bzw. feuchten Untergrund stehen. Fast wie auf Kommando neigten sich die Köpfe, um das charakteristische Grün zu definieren, und war diese Aufgabe erfüllt, forderte Ruge die Teilnehmer auf, einen Blick nach oben zu werfen, um das anstehende Waldbild näher zu definieren. Antworten wurden lobend hervorgehoben oder mit dem Hinweis versehen, das Gesagte auch im Hinblick auf die bevorstehende Klausur nochmals zu überdenken.

Hans Lehmann steuerte ein Ziel nach dem anderen an. Hier wurde auf einen Kahlschlag als »Reparationshieb« nach dem Zweiten Weltkrieg verwiesen, dort auf die Bemühungen, den Strukturreichtum im Bergmischwald zu fördern. Besonderes Augenmerk galt dem Plenterwald, einem sich stetig verjüngenden Dauerwald. Durch das Fällen einzelner Bäume werde so ein permanenter Dauerwald geschaffen mit einem entsprechenden Holzvorrat und Bäumen aller Dimensionen. »Aber dieser Wald ist ein künstliches Gebilde« gab Ruge seinen Studenten mit auf den Weg. Dabei müsse man darauf achten, dass im Gegensatz zu einem Kahlhieb die Eingriffe auf der ganzen Fläche regelmäßig und gezielt erfolgten, um die Struktur des Waldes nicht zu verlieren. So sei in diesem Wald vom Jungwuchs bis zum Starkholz jeder Durchmesser zu finden.

Ein Holzpolder am Wegrand gab die passende Gelegenheit, Unterschiede im Wachstum von Tanne und Fichte zu verdeutlichen, sowie auf wertmindernde Holzfehler wie beispielsweise die Ringschäle und den Nasskern bei der Tanne hinzuweisen. Auch die Problematik mit rinden- und holzbrütenden Käfern fand hier ihren Platz.

In der Mittagspause stimmte ein Film über das »Rüttibrennen« auf das nächste Thema ein. Der Niederwald nimmt in Oberharmersbach nur noch eine sehr geringe Fläche ein. In früherer Zeit spielte der sich ausschließlich durch Stockausschlag verjüngende Niederwald vor allem für die Brenn- und Pfahlholzgewinnung eine wichtige Rolle. In den Jahren um 1860 bis zur Jahrhundertwende wurden dann sehr große Flächen in sogenannten Eichenschälwald umgewandelt. Hier stand neben dem Brennholz vor allem die Gewinnung der Lohrinde für die Gerbereien an erster Stelle. Nach einem massiven Preisverfall bis zum Ersten Weltkrieg verlor man zunehmend das Interesse an dieser Bewirtschaftungsform. Sukzessive wurden viele Flächen in Hochwald überführt. Mitte der 1970er Jahre gab man schließlich das Rüttibrennen mit einer landwirtschaftlichen Zwischennutzung auf. An mehreren Haltepunkten erläuterte Hans Lehmann die Stadien der Bewirtschaftung und mit welchen Problemen diese Umwandlungsflächen heute behaftet sind.

»Der Tag war ausgefüllt mit umfangreichen Informationen zum Zusammenspiel von Niederschlagsmengen und Bodenverhältnissen, Oberflächenbeschaffenheit und Wirtschaftlichkeit des Waldes« dankte Stefan Ruge Revierförster Hans Lehmann für die Führung durch den Oberharmersbacher Wald. »Keine Sorge, wir kommen nächstes Jahr wieder« kündigte er mit dem zustimmenden Applaus der Studierenden an.